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China : Massenschlägerei bei Apple-Zulieferer Foxconn

Foxconns wichtigster Standort in Shenzhen Bild: dpa

Nach gewalttätigen Auseinandersetzungen unter 2000 Arbeitern hat der Elektronikkonzern Foxconn ein Werk in China vorübergehend geschlossen. Noch sind die Hintergründe unklar.

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          In einer chinesischen Fabrik des Unternehmens Foxconn, des größten Elektronikfertigers der Welt, ist es in der Nacht zum Montag aus noch ungeklärten Ursachen zu Ausschreitungen gekommen. In dem Montagewerk in der zentralchinesischen Stadt Taiyuan, das 79.000 Personen beschäftigt, habe es eine Schlägerei von bis zu 2000 Arbeitern gegeben, teilte die taiwanische Foxconn-Gruppe mit. 40 Personen seien verletzt, einige festgenommen worden. Daraufhin musste der Standort in der Provinz Shanxi geschlossen werden. Er werde aber an diesem Dienstag wieder geöffnet, sagte eine Sprecherin aus Hongkong gegenüber der F.A.Z.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Sie wollte keine Angaben dazu machen, ob in dem Werk auch Smartphones vom Typ iPhone 5 des kalifornischen Apple-Konzerns hergestellt werden. Das berichten chinesische Computerfachdienste. Wegen der starken Nachfrage nach dem neuen Gerät kämpfen die Amerikaner mit Lieferschwierigkeiten. Deshalb fürchtet man jeden Betriebsausfall bei der Herstellung. Es ist unbestritten, dass Foxconn die Telefone für Apple in China fertigt, unklar ist aber, in welcher Fabrik. Der wichtigste Standort mit mehr als 300.000 Mitarbeitern liegt im südchinesischen Shenzhen. Ein Augenzeuge aus Taiyuan sagte der F.A.Z., noch am Morgen sei auf dem Werksgelände bewaffnete Polizei postiert gewesen. „Ich habe 13 Mannschaftswagen gezählt“, berichtete der 20 Jahre alte Arbeiter. „Die Polizisten waren ausgerüstet wie Militärs.“ Auf Fotos des jungen Mannes sind langen Reihen von Männern in schwarzen Uniformen mit Körperpolstern, Helmen, Schlagstöcken und Schutzschilden zu sehen.

          Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn stehen immer wieder in der Kritik

          Der Arbeiter nahm die Konflikte selbst nicht wahr, da sein Schlafsaal weit von dem Ort der Auseinandersetzung entfernt liegt. Er selbst setzt Gehäuse für Personalcomputer zusammen. Ob auch das iPhone 5 irgendwo in der riesigen Anlage hergestellt wird, weiß er nicht. Zu den Ursachen der Auseinandersetzungen gibt es widersprüchliche Angaben. Es habe sich um die Eskalation eines „persönlichen Disputs“ in einem von externen Anbietern bewirtschafteten Schlafsaal in der Nähe der Fertigung gehandelt, sagte die Sprecherin. Die Polizei, die die Kämpfe nach etwa vier Stunden gegen 3 Uhr morgens unter Kontrolle gebracht habe, untersuche die Angelegenheit. Nach ersten Erkenntnissen hätten die Vorkommnisse „nichts mit der Arbeit zu tun“.

          Gerüchte über Streit mit dem Werkschutz

          Im chinesischen Internet kursieren allerdings Informationen, dass der Auslöser eine handgreifliche Meinungsverschiedenheit zwischen Arbeitern und dem Werkschutz gewesen sei. Es sind Fotos und Videos eines umgestürzten Wachhäuschens, von demolierten Betriebseinrichtungen und Fahrzeugen zu sehen, darunter auch solchen der Polizei. An anderer Stelle ist von Streitereien zwischen Wanderarbeitern verschiedener Herkunftsprovinzen die Rede. Der Wahrheitsgehalt solcher Miniblog-Äußerungen lässt sich nicht überprüfen. In einigen Einträgen heißt es sogar, es habe zehn Tote gegeben.

          Foxconn ist immer wieder wegen vermeintlich schlechter Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit und Lohndrückerei ins Gerede gekommen. Einige dieser Anschuldigungen stellten sich später als frei erfunden heraus. 2010 hatte ein Dutzend Arbeiter Selbstmordversuche in Shenzhen unternommen, die in Verbindung mit der schlechten Lage der Wanderarbeiter gebracht wurden. Daraufhin haben sich sowohl Foxconn wie auch sein Großkunde Apple zu Verbesserungen verpflichtet. Verschiedene Untersuchungskommissionen monierten daraufhin zu lange Arbeitszeiten sowie Mängel im Arbeitsschutz. Foxconn, das unter der Firma Hon Hai an der Börse in Taipeh notiert ist, beschäftigt mehr als 1,2 Millionen Mitarbeiter, die meisten in China.

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