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Die Geschichte des iPhones : „Das iPhone ist der Grund für meine Scheidung“

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Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs während der Macworld-Konferenz in San Francisco das erste iPhone der Weltöffentlichkeit vor. Bild: AFP

Vor zehn Jahren hat Steve Jobs das erste iPhone vorgestellt. Ein Buch zeigt jetzt, wie aus einem geheimen Projekt eines der erfolgreichsten Produkte aller Zeiten wurde. Und wie sehr Steve Jobs anfangs mit dem Handy haderte.

          Stellen Sie sich vor, Sie würden ausgesucht, um den ersten Kontakt der Menschheit mit Außerirdischen zu arrangieren. Keiner außerhalb Ihres ganz kleinen Teams weiß überhaupt, dass es Sie gibt. Sie selbst dürfen nichts verraten, wissen auch nicht alles – nur, dass Sie an etwas Großem mitwirken. Ungefähr so ein Gefühl vermittelt der Technik-Reporter Brian Merchant über die Situation, in der sich diejenigen Ingenieure, Informatiker und Designer befunden haben, die das iPhone erfanden.

          Merchant hat unter dem Titel „The One Device“ ein Buch geschrieben über dieses erfolgreiche Produkt. Ein Produkt, das Apple zum wertvollsten börsennotierten Konzern der Welt gemacht hat, Abermillionen Menschen täglich mit sich herumtragen und behandeln wie eine Erweiterung ihres Körpers. Und ein Produkt, das den Apple-Gründer, langjährigen Vorstandschef und Vordenker Steve Jobs zu einer Legende machte. Das Internetportal „The Verge“ hat nun aus dieser insgesamt 400 Seiten langen Geschichte einen Auszug veröffentlicht.

          Der iPhone-Prototyp „Apple Proto 1017 (CX-2178C)“
          Der iPhone-Prototyp „Apple Proto 0392 (CX-2175C)“
          iPhone-Prototyp „Apple Proto 0399 (Bressler Ex 18)“
          iPhone-Prototyp „28 Apple Proto 928“

          „Eines Tages war der Stuhl leer, auf dem der Star-Ingenieur gewöhnlich saß. Ein wichtiges Mitglied des Teams, verschwunden. Niemand konnte dir exakt sagen, wo sie alle hingegangen sind“, heißt es im Text. Steve Jobs zog ein kleines Team zusammen im großen Unternehmen Apple, eine ganz geheime Arbeitsgruppe. Für diejenigen, die ihr angehörten, änderte sich alles. „Ihr Privatleben verschwand, und sie durften nicht darüber reden, woran sie arbeiteten“, schreibt Merchant, der mit vielen Apple-Mitarbeitern in unterschiedlichen Hierarchiestufen gesprochen hat für sein Buch.

          Einer von ihnen heißt Scott Forstall. Er wurde Chef der Software-Gruppe für das iPhone und nicht einmal er durfte auch nur die leiseste Andeutung machen – weder innerhalb noch außerdem des Unternehmens – gegenüber jemandem, der nicht in das Projekt eingebunden war. So habe Jobs selbst ihm das diktiert. „Er wollte nicht, der Geheimhaltung wegen, dass ich jemanden außerhalb von Apple anstelle, um an der Benutzeroberfläche zu arbeiten“, erinnert sich Forstall. „Aber er sagte mir, dass ich jeden innerhalb des Unternehmens für das Team engagieren könne.“

          Offenbar, so beschreibt es Merchant, wusste nicht einmal jeder der an der Sache Beteiligten, worum es letztendlich ging. Wer mitmachte, machte allerdings nichts anderes mehr, hatte einen Sonderstatus, der seinesgleichen sucht – so kommt das rüber. Mit teilweise dramatischen persönlichen Folgen. „Das iPhone ist der Grund, aus dem ich geschieden bin“, erzählt Andy Grignon, einer der ranghöheren Ingenieure, die am iPhone mitgebaut haben. „Ja, das iPhone ruinierte mehr als ein paar Ehen“, sagt ein anderer Beteiligter, dessen Namen Merchant nicht nennt.

          Das konkrete Projekt für das iPhone brachte Steve Jobs Ende des Jahres 2004 auf den Weg. Ursprünglich wollte Jobs gar nicht unbedingt ein eigenes Handy bauen. Er hatte Angst, damit könne er die Verkäufe des erfolgreichen iPod beschädigen. Deshalb startete Apple erst eine Zusammenarbeit mit Motorola. Das entstehende Telefon, das „Rokr“, fand Jobs allerdings so schlecht, dass er es bei der Produktvorstellung kaum würdigte. Erst danach stand er voll hinter der Idee, dass Apple ein eigenes Telefon entwickelt.

          Einzelne Elemente und Ideen kursierten in dem Unternehmen allerdings schon länger, teils viel länger, schreibt Merchant weiter. Beinahe drei Jahre tüftelten die Auserwählten daran, „eine der großartigsten unentdeckten kreativen Kräfte des 21. Jahrhunderts“, dann waren sie fertig. Im Jahr 2007 stellte Steve Jobs dann das erste iPhone vor, er selbst, in der Art, wie er das bis zu seinem Tod vier Jahre später getan hat.

          Damals, Anfang des Jahres 2007, kostete eine Apple-Aktie an der Börse 10 Dollar. Heute sind es beinahe 150 Dollar – und das Technikunternehmen hat insgesamt einen Marktwert von mehr als 760 Milliarden Dollar.

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