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Konferenz in San Francisco : Apple umgarnt die Programmierer der Welt

Apples Software-Experte Craig Federighi stellt die neue Programmiersprache vor. Bild: dpa

Die Börse bejubelt Apple schon wieder. Dem Internetkonzern ist es abermals gelungen, Programmierer für die Marke zu begeistern. Eine Analyse.

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          Apple hat mit den Ankündigungen auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco nur diejenigen enttäuscht, die vom Unternehmen in immer kürzerer Folge immer neue Elektronikgeräte erwarten. Tatsächlich hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino die Chance genutzt, den Softwareentwicklern, die für die Zukunft eines Unternehmens in der IT-Branche stets besonders wichtig sind, eine klare Richtung vorzugeben: Mit den Computern und Telefonen von Apple werden künftig noch sehr viel mehr Geräte nahtlos kommunizieren können. Und die iPhones, iPads und Mac-Computer rücken mit ihren Betriebssystemen immer enger zusammen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Freie Softwareentwickler von der Zukunft zu überzeugen, ist für jedes Unternehmen in dieser Branche das Wichtigste, denn um ihre Zeit und Kreativität wird im Silicon Valley und auf der ganzen Welt besonders gekämpft - sorgen diese doch dafür, dass es Programme gibt, die die Produkte eines bestimmten Herstellers besonders attraktiv machen und diese von anderen differenzieren.

          Für die Entwickler wiederum geht es allein um die Frage, mit welchen Programmen sich auf welcher Plattform am meisten Geld verdienen lässt. Und der Blick auf die Marktanteile zeigt, dass Apple in dieser Hinsicht mehr braucht als nur Masse. So hatte unter den mobilen Betriebssystemen Google mit seiner Android-Software am Ende des vergangenen Jahres mit einem Marktanteil von 78 Prozent eindeutig die Nase vorn. Apples iOS folgte mit gehörigem Abstand und einem Marktanteil von nur noch 16 Prozent.

          Ab ins Internet der Dinge

          Wenn Kunden von Apple aber auch künftig für Apps eine höhere Zahlungsbereitschaft haben als die von Google, sind die Programmierer dennoch überzeugt. Hier gilt es für die Nachfolger des Apple-Mitbegründers Steve Jobs also die Nase vorn zu behalten. Und weil auch Jobs wusste, dass das einheitliche Nutzungserlebnis von Hard- und Software der Schlüssel zu Apples Wiedergeburt in den Jahren nach 1998 war, folgt der heutige Vorstandsvorsitzende Tim Cook diesem Weg.

          In San Francisco wurde deshalb eine neue Programmiersprache vorstellt, die es einfacher macht, Apps zu entwickeln. Neue Funktionen in den Betriebssystemen sorgen dafür, dass man bestimmte Programme im App-Store von Apple schneller finden kann. Und neue Programmumgebungen sollen es attraktiv machen, zum Beispiel Fitnessarmbänder oder Heizungssteuerungen über das iPhone oder das iPad zu kontrollieren: Apple will seinen Programmierern so den Pfad in das Internet der Dinge ebnen.

          Die 6000 Entwickler, die zur Präsentation in San Francisco anwesend waren, klatschten begeistert und hatten wohl auch gar keine neue Hardware erwartet. Ihnen geht es allein um die eigenen Vermarktungsmöglichkeiten auf dem App-Markt mit seinem Volumen von 23 Milliarden Dollar. Denn über ihren Anteil an diesem Kuchen verdienen sie ihr Geld. Auch die Börse schluckte nur einmal kurz – und reagierte am Tag danach positiv: Der Aktienkurs von Apple, der schon in den vergangenen Wochen stark zugelegt hat, kletterte im frühen Handel an diesem Dienstag weiter nach oben.

          Mehr Kommunikation untereinander

          Doch worüber freuen sich Börse und Entwickler genau? Mit dem neuen Betriebssystem „iOS 8“ für iPhone und iPad, das alle Besitzer etwas aktuellerer Geräte im Herbst kostenlos erhalten werden, macht Apple seine Plattform offener als jemals zuvor: Apps können künftig erstmals untereinander kommunizieren. Zudem können die Entwickler die Funktion des Fingerabdrucksensors im iPhone 5s bald in ihre eigenen Programme einbinden. Und Einkäufe aus dem iTunes-Programm von Apple können zwischen bis zu sechs Familienmitgliedern geteilt werden, solange diese mit derselben Kreditkarte registriert sind. Der Hintergedanke hier dürfte sein, iTunes gegenüber der Konkurrenz von Streaming-Diensten wie Spotify wieder attraktiver zu machen.

          Das neues Betriebssystem für Mac-Computer trägt den Namen „Yosemite“ - wie der (sehenswerte) Nationalpark in Kalifornien. Auch dieses Betriebssystem-Update wird den Nutzern von Apple im Herbst kostenlos zur Verfügung gestellt. Unter anderem wurde das Design der Benutzeroberfläche stärker an das Aussehen der Software auf den iPhones und iPad-Tablets angepasst. Zudem kann man künftig zum Beispiel damit beginnen, eine E-Mail auf einem Mac-Computer zu schreiben und diese dann zum Beispiel auf dem iPhone weiter bearbeiten, bevor sie verschickt wird.

          Ebenso lässt sich ein Telefonanruf, der auf dem iPhone eingeht, mit diesem neuen Betriebssystem auf einem zur selben Zeit eingeschalteten Mac-Computer im selben Haus entgegennehmen. Diese Funktion funktioniert wohl auch über einige Entfernung hinweg.

          Vorgestellt wurde auch ein neues Angebot mit dem Namen „iCloud Drive“. Dabei handelt es sich um eine neue Möglichkeit zum Speichern von Dateien im Internet, die auch Nutzern von Computern mit dem Betriebssystem Windows von Microsoft zur Verfügung stehen wird. Cloud Drive ist ein Angriff auf entsprechende, schon länger bestehende Angebote von Microsoft einerseits und Google andererseits. Und anstelle eines neuen Hardware-Produkts kündigte Apple zum Ende der Veranstaltung noch die eigene Programmiersprache mit dem Namen Swift an, die den Entwicklern ihre Arbeit weiter erleichtern soll.

          So müssen die Freunde der Marke Apple zwar auf die von manchen erwartete Computeruhr oder auch auf größere, neue iPhones weiter warten. Aber der Grundstein für neue Geschäftsbereiche wurde von Tim Cook und seine Kollegen gelegt. Gesorgt haben sie allerdings auch für weitere Spannung auf das, was im Herbst für das Weihnachtsgeschäft 2014 vorgestellt wird.

          Die Botschaft der weiterhin hoffnungsvollen Anleger an der Börse ist eindeutig: Dann wird Apple liefern müssen. Und auch Google schläft nicht. Denn der Kampf um die Entwickler geht weiter, der Internetkonzern lädt seine Programmierer ebenfalls noch in diesem Monat zu einer Konferenz ein.

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