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WWDC 2016 : Apple erneuert – aber erfindet nicht neu

  • -Aktualisiert am

Craig Federighi, Vize-Präsident von Apple und zuständig für die Software-Entwicklung, stellt Siri für den Mac vor. Bild: Reuters

Persönlichere Apps und mehr Schnittstellen zwischen den Geräten: Auf der Apple-Entwicklerkonferenz bleibt die Revolution aus. Einige Neuerungen machen das Leben jedoch komfortabler.

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          Die Entwicklerkonferenz von Apple, WWDC, findet traditionell im Juni eines jeden Jahres statt. Doch nicht nur Entwickler erwarten diese mit Spannung, auch Apple-begeisterte Normalverbraucher hoffen jedes Jahr aufs Neue auf Innovation und Inspiration. In den vergangenen Jahren enttäuschte Apple mit trägen Veranstaltungen, auf denen nur wenig vorgestellt wurde - und kassierte dafür in den sozialen Netzwerken Kritik.

          In diesem Jahr war das anders. Nach einer Schweigeminute zu Gedenken der Opfer von Orlando und ihrer Angehörigen, folgte ein bunter Strauß an Verbesserungen, die Apple spätestens im Herbst auf seine Nutzer loslässt. Basierend auf den vier Säulen von Apple, der Apple Watch, dem Apple TV, dem Mac und dem Smartphone-Betriebssystem iOS raste das Apple-Team um Tim Cook und Craig Federighi durch zwei Stunden von Präsentation und Spielerei.

          Das Liveblog zum Nachlesen der Keynote finden Sie hier.

          Ohne Superlative geht es bei dem kalifornischen Tech-Riesen natürlich nicht: Gleich zu Beginn nannte Tim Cook das iPhone den „Gold-Standard, an dem alles andere gemessen wird“. Die Apple Watch sei schon ein Jahr nach ihrer Einführung das Gerät schlechthin für ein gesundes Leben. Das Betriebssystem iOS habe die Welt verändert, so der Apple-Chef.

          Apple Pay kommt auf den Desktop

          Die Neuerungen lassen sich am ehesten unter den Schlagworten Personalisierung und Vernetzung zusammenfassen. Apples Sprachassistentin Siri bekommt eine neue Rolle. So ist Siri künftig nicht mehr nur auf den mobilen Endgeräten verfügbar, sondern wird auch vom Desktoprechner Mac aus zugänglich sein. Durch den Zugriff auf den Desktop bietet Siri nun viel mehr Möglichkeiten als die mobile Version zuvor.

          Sie kann den Rechner durchsuchen, plant Ausflüge, kann Musik abspielen und sagt Freunden per Nachricht auch schon mal ab, wenn der Nutzer das so wünscht. Der stärkere Fokus auf intelligente Sprachanwendungen lässt Apple wieder zu den Konkurrenten Google und Amazon aufschließen. Diese hatten mit ihren smarten Lösungen für zuhause in den vergangenen Monaten Aufsehen erregt. Dem Ladenhüter „Apple Home“ widmet Software-Chef Craig Federighi allerdings kaum Zeit. Hier gibt es offenbar weniger Spektakuläres zu berichten.

          Ebenfalls auf dem Desktoprechner zu finden sein wird in Zukunft auch der Bezahldienst Apple Pay. Bislang nur über iPhone oder iPad erreichbar, ist der Dienst nun auch beim Einkaufen am Desktop-Rechner nutzbar und erleichtert das Geld ausgeben. Die Reichweite des Bezahldienstes in Europa soll zudem ausgedehnt werden - über einen Starttermin in Deutschland wird jedoch weiter geschwiegen. Überhaupt stellt Apple mehrere Schnittstellen zwischen mobilen Geräten und dem Mac vor. Neben Siri und Apple Pay können nun auch Daten am Mac eingefügt werden, die von einem iPhone oder einem iPad in die Zwischenablage kopiert wurden. Zudem ist das Entsperren des Mac per Apple Watch möglich.

          Das Betriebssystem Watch OS 3 ist eine weitere größere Neuerung. Zwar stellte der Konzern - wie bereits erwartet worden war - keine neue Hardware vor. Doch das Betriebssystem wurde von Grund auf verbessert. Es ist schneller, reagiert sehr viel besser und auch einige Apps sind benutzerfreundlicher aufgebaut. So auch der Fitnesstracker „Activities“, der sich in der Form einer Uhr präsentiert - und über einen Direktvergleich den Wettbewerb mit Kontakten des Nutzers ermöglicht.

          Noch mehr Möglichkeiten

          Die weitaus meiste Zeit widmeten Tim Cook, Craig Federighi und Co jedoch ihren Messengerdiensten wie iMessage. Zum einen wurde Siri in die Tastatur integriert und kann so intelligent auf Fragen reagieren. Auf die Frage „Wo bist du?“ schickt Siri eine Karte mit dem genauen Standort. Das erscheint in manchen Situationen durchaus praktisch. Noch viel mehr Energie verwendete Apple jedoch auf die Präsentation der Vermittlung von Emotionen via Chat.

          Die herkömmlichen Sprechblasen, in denen Textnachrichten verschickt werden (hier im Beispiel WhatsApp), werden bei Apples iMessage in Zukunft variabler sein.
          Die herkömmlichen Sprechblasen, in denen Textnachrichten verschickt werden (hier im Beispiel WhatsApp), werden bei Apples iMessage in Zukunft variabler sein. : Bild: dpa

          So sind zahllose Sticker (ein Art vergrößerter Emoticon zu verschiedenen Themen) verfügbar. Auch Sprachnachrichten und Songtitel können direkt verschickt werden. Außerdem können die Nutzer nun Dinge „laut“ sagen (der Text erscheint in großen Sprechblasen) oder „leise“ (kleine Sprechblasen). Auch bestimmte Effekte wie Luftballons oder Konfetti lassen sich verschicken. Der in diesem Zusammenhang wohl interessanteste Aspekt ist ein „Blurred“-Effekt, der sich über Nachrichten legen lässt, die privat sind. Die Nachricht erscheint erst dann in Klarschrift, wenn der Empfänger einmal darüber streicht. Mit diesen neuen Features macht Apple seinen Nachrichtendienst iMessage interessanter und rückt den Konkurrenten WhatsApp und Facebooks Messenger auf die Pelle. Da störte es auch keinen, dass das Vorführ-iPhone vor lauter „Emojis“  und „Bubble Effects“ zwischenzeitlich alle Viere von sich streckte.

          Keine Revolution

          All diese Modernisierungen werfen natürlich eine Frage auf: Was ist mit dem Datenschutz? Der sei gewährleistet, sagt Federighi, und erklärt, man erstelle keine Nutzerprofile und die Daten würden nur lokal auf den Geräten ausgewertet. Das ist ein entscheidender Unterschied zu Google und Facebook, die enorme Datenmengen in riesigen Rechenzentren sammeln und erst dort analysieren. Apple verspricht außerdem, die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Standard einzuführen. Auch das eine verbraucherfreundliche Ansage.

          Die Mobiltelefonie hat Apple auch auf dieser Entwicklerkonferenz nicht neu erfunden, die Revolution blieb aus. Doch einige Neuerungen können sich durchaus sehen lassen. Auf das iOS 10, das im Herbst kommt, dürfen die iPhone-Nutzer gespannt sein und auch das neue Watch OS bringt offensichtlich eine echte Verbesserung für die Apple-Uhr mit sich.

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