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Mitgründer Wozniak : Der andere Steve schießt gegen Apple

Normalerweise äußert sich Steve Wozniak positiv über Apple – das hat sich nun geändert. Bild: AFP

Apple ist für seine umstrittenen Steuerpraktiken berühmt. Mitgründer Steve Wozniak kann damit wenig anfangen – und greift sein altes Unternehmen scharf an.

          Der amerikanische Elektronikkonzern Apple ist erst vor wenigen Wochen vierzig Jahre alt geworden. Das Jubiläum lenkte den Blick auf die Gründungsgeschichte des wertvollsten Unternehmens der Welt, das vor allem mit dem 2011 verstorbenen langjährigen Vorstandsvorsitzenden Steve Jobs identifiziert wird. Neben ihm gab es aber auch noch zwei Mitgründer: Steve Wozniak, manchmal auch „der andere Steve“ genannt, und Ronald Wayne. Während sich Wayne fast unmittelbar nach der Gründung wieder aus dem Unternehmen verabschiedete, war Wozniak in den Anfangsjahren eine prägende Figur für Apple und die gesamte Computerindustrie. Er war das Erfindergenie hinter den ersten kommerziell erfolgreichen Personalcomputern. Und obwohl er Apple schon in den achtziger Jahren verließ, gilt er bis heute in der Technologieszene als Pionier und Superstar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf seine Verbindung zu seinem alten Unternehmen ist Wozniak noch immer stolz, und er spielt in der Öffentlichkeit gerne die Rolle des Apple-Fans. In den vergangenen Jahren konnte man ihn bisweilen ganz vorne in der Schlange vor Apple-Läden erleben, wenn der Konzern ein neues Produkt herausbrachte. Er ist auch ein gefragter Interviewpartner und spricht dabei üblicherweise sehr positiv über Apple. Umso bemerkenswerter, was der 65 Jahre alte Wozniak jetzt im Gespräch mit der britischen BBC gesagt hat. In erstaunlich scharfen Worten griff er Apple wegen seiner umstrittenen Steuerpraktiken an.

          Steuerkniffe seien zwar legal, stören Wozniak aber

          „Mir gefällt die Idee nicht, dass Apple unfair sein könnte und nicht in der Weise Steuern zahlt, wie ich es tue.“ Wozniak sagte, er selbst zahle mehr als 50 Prozent Steuern, das sei nun mal „Teil des Lebens“. Er sehe zwar ein, dass Unternehmen von ihren Aktionären gezwungen würden, so profitabel zu sein wie möglich. Aber auch wenn die mit diesem Ziel angewandten Steuerkniffe „technisch legal“ seien, störten sie ihn persönlich, und er selbst würde nicht so leben wollen.

          Apple sieht sich ebenso wie viele andere amerikanische Unternehmen seit Jahren wegen seiner Steuerpraktiken in der Kritik, sowohl in der Heimat als auch in Europa. Der Konzern ist für legale, aber sehr aggressive Methoden bekannt, um seine Steuerlast zu minimieren. Vorstandsvorsitzender Tim Cook wurde deshalb sogar einmal zu einer Anhörung vor den amerikanischen Kongress in Washington zitiert, wo seinem Unternehmen „Steuergimmicks“ vorgeworfen wurden. Cook rechtfertigte sich damals mit den Worten: „Apple hält sich vollständig an die Gesetze und auch an den Geist der Gesetze.“ Erst vor wenigen Monaten wurde er im Fernsehen abermals auf das Thema angesprochen und sagte dabei, es sei „politischer Mist“, Apple vorzuwerfen, sich um Steuern zu drücken.

          Wozniak galt in seiner Zeit bei Apple als Tüftler und stilles Technikgenie im Hintergrund. Anfang der siebziger Jahre, als er noch für den Technologiekonzern Hewlett-Packard Taschenrechner entwickelte, kreuzten sich seine Wege mit denen von Steve Jobs. Die beiden gehörten zu einer Art Stammtisch von Technologiefanatikern im kalifornischen Silicon Valley. Wozniak baute einen Rechner, aus dem später der „Apple I“ werden sollte. Es sah das eher als eine Art Tüftelarbeit, aber Jobs erkannte das Vermarktungspotential, und so wurde Apple gegründet. Ein Jahr nach der Gründung kam der von Wozniak entwickelte Rechner „Apple II“ auf den Markt, der zum ersten erfolgreichen massentauglichen Personalcomputer wurde und Apple den Durchbruch bescherte. Mitte der achtziger Jahre zog sich Wozniak von Apple zurück.

          Viel Licht, aber auch Schatten: Der Apple-Konzern ist für seine Steuerkniffe berühmt.

          Er gründete danach einige kleinere Unternehmen, mit denen er aber wenig Erfolg hatte. Wozniak blieb aber eine gefragte Figur in der Branche. Beispielsweise arbeitet er heute als Chefwissenschaftler für das amerikanische Software-Unternehmen Primary Data. Er tritt auch oft als Redner auf Konferenzen auf und übernimmt Gastprofessuren an Universitäten.

          In dem Interview gab sich Wozniak nicht nur in der Steuerfrage als jemand zu erkennen, für den Reichtum nicht an erster Stelle steht. Er sagte, er sei allgemein nie sonderlich an Geld interessiert gewesen, und grenzte sich dabei klar von seinem Mitgründer Steve Jobs ab: „Steve Jobs hat Apple des Geldes wegen gegründet. Das war seine große Sache, und das war extrem wichtig und entscheidend und gut.“

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