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17 Milliarden Dollar : Warum Apple einen Riesen-Kredit aufnimmt

Bild: AFP

Apple leiht sich eine Rekordmenge an Geld. Damit will das Unternehmen nicht etwa neue Produkte finanzieren. Sondern den Aktionären eine Dividende zahlen. Grund sind die amerikanischen Steuerregeln - und die lockere Geldpolitik der Notenbank.

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          Das Computer- und Elektronikunternehmen Apple wird zum Liebling der Anleihen-Anleger. Das kalifornische Unternehmen hat am Dienstag 17 Milliarden Dollar aufgenommen. Das ist – mit Ausnahme von Banken – die größte Anleiheemission eines Unternehmens in den Vereinigten Staaten. Es hätte noch mehr sein können: Nach Medienberichten war das Anleihebündel mit sechs Tranchen von 3 bis 30 Jahren Laufzeit mit mehr als 50 Milliarden Dollar überzeichnet. Apples Anleihen erhalten von den Rating-Agenturen nahezu die Spitzennote. Standard & Poor’s vergibt ein „AA+“, Moody’s ein „Aa1“.

          Aktionärsglück ...

          Patrick Welter
          (pwe.), Wirtschaft

          Das große Interesse an der ersten Apple-Anleihe seit fast zwanzig Jahren kontrastiert mit dem Sturz der Apple-Aktie in den vergangenen Monaten. Im September stand die Aktie bei 705 Dollar und hatte seither bis 19. April mehr als 45 Prozent an Wert verloren. In den vergangenen zehn Tagen aber hat die Aktie mehr als 12 Prozent gewonnen, nachdem dividendenhungrige Anleger mehr Interesse zeigten. Vor einer Woche hatte Apple angekündigt, mit 100 Milliarden Dollar aus seinem Barvermögen bis 2015 die Aktionäre mit einem Aktienrückkauf und einer Dividende von 3 Prozent zu beglücken. Am Dienstag legte der Anteilsschein 3 Prozent auf 444 Dollar zu.

          In bizarrer Weise nimmt Apple die Anleihe nun nicht auf, um Investitionen in schicke neue i-Produkte zu finanzieren, sondern um den Aktienkurs zu steigern. Diese Entscheidung ist eine Folge der amerikanischen Steuer- und Geldpolitik: Der Großteil der 145 Milliarden Dollar Barvermögen des Unternehmens liegt im Ausland. Würde Apple das Geld nach Amerika zurückholen, müsste es darauf Steuern zahlen. Das vermeidet Apple, indem es sich am Anleihemarkt Geld besorgt, um seine Aktionäre zufriedenzustellen.

          ... mit ein wenig Hilfe der Fed

          Hilfreich bei der steuerrechtlich erzwungenen Strategie ist die amerikanische Geldpolitik. Die Aussicht auf eine noch für längere Zeit andauernde quantitative Lockerung der Notenbank Federal Reserve verfestigt zusammen mit den maßvollen Wachstumsaussichten in Amerika das Niedrigzinsumfeld. Anleger suchen nach höheren Renditen unter anderem in Unternehmensanleihen. Die Rendite für amerikanische Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit fiel am Dienstag auf 1,67 Prozent und lag kaum höher als das Jahrestief von 1,65 Prozent am Montag. Apple zahlte für die 10-Jahres-Tranche seiner Emission einen Zins von gerade mal 2,415 Prozent – und konnte angesichts des überbordenden Interesses von Anlegern am Dienstag den Ausgabezins sogar noch senken.

          Auch andere Unternehmen nutzen das Niedrigzinsumfeld für Anleihen. Der Software-Hersteller Microsoft hatte vergangene Woche Zehnjahresgeld für 2,413 Prozent aufgenommen. In diesem Jahr haben amerikanische Unternehmen bislang die Rekordsumme von 358 Milliarden Dollar aufgenommen, berichtet die Zeitung „Wall Street Journal“.

          Das Ende der quantitativen Lockerung ist nicht in Sicht

          Vom Offenmarktausschuss der Notenbank Federal Reserve, der seine geldpolitische Entscheidung an diesem Mittwoch bekanntgeben wird, wird keine Änderung der Politik erwartet. Seit Dezember kauft die Fed jeden Monat für 45 Milliarden Dollar Staatsanleihen und für 40 Milliarden Dollar Hypothekenanleihen, um die langfristigen Zinsen niedrig zu halten und dem Hausmarkt aufzuhelfen.

          Nur wenige Analysten stellen die Frage, ob gerade der Kauf von Hypothekenanleihen angesichts der rasanten Erholung am Hausmarkt noch gerechtfertigt ist. Erst am Dienstag hatte Standard & Poor’s bekanntgegeben, dass der Case-Shiller-Hauspreisindex für 20 Metropol-Regionen im Februar 9,7 Prozent höher lag als vor einem Jahr. Die meisten der Fed-Notenbanker aber sorgt, dass die Wirtschaft allgemein zu langsam wächst, um die Arbeitslosenquote von zuletzt 7,6 Prozent deutlich zu senken. Dass die schwache Inflation sich zuletzt weiter abschwächte, dürfte den Unwillen der Fed, die monetäre Flutung zu bremsen, weiter verstärken.

          An der Wall Street ließ die Erwartung einer weiter lockeren Geldpolitik am Dienstag die Kurse steigen. Der S&P-500-Index stieg 0,25 Prozent auf das Rekordhoch von 159,57 Punkten. Der Dow-Jones-Index gewann 0,14 Prozent auf 14839,8 Punkte. Der Nasdaq-Index legte 0,66 Prozent auf 3329 Punkte zu.

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