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Privatsphäre : Apple startet Datenschutzoffensive

Apple will sich auch über einen besseren Datenschutz von seinen Mitbewerbern abheben Bild: Hersteller

Der Elektronikkonzern verspricht seinen Kunden auf einer neuen Internetseite Privatsphäre und Sicherheit – und spart dabei nicht mit Seitenhieben auf die Konkurrenz.

          Wir gegen die anderen: Der Elektronikkonzern Apple sieht sich beim Datenschutz im Vorsprung gegenüber anderen Vertretern der amerikanischen Technologiebranche und trägt diese Botschaft nun auch aggressiv in die Öffentlichkeit. Am Mittwoch abend amerikanischer Zeit hat das Unternehmen eine Internetseite freigeschaltet und weist hier auf seine Bemühungen hin, die Privatsphäre von Nutzern und die Sicherheit von Daten zu gewährleisten. „Euer Vertrauen bedeutet uns alles,“ schreibt Vorstandsvorsitzender Tim Cook dabei in einem an seine Kunden gerichteten offenen Brief.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Seite ist voll mit Seitenhieben auf Wettbewerber wie Google oder Facebook, auch wenn Apple niemanden beim Namen nennt, sondern nur von „anderen Unternehmen“ oder „unseren Konkurrenten“ spricht. Aber es ist klar, wer gemeint ist, denn Apple grenzt sich wiederholt von Unternehmen ab, die Nutzerdaten auswerten, um maßgeschneiderte Werbung zu zeigen, und genau das ist der Kern des Geschäftsmodells von Google, Facebook und vielen anderen Internetkonzernen: „Wir bauen kein Profil auf Basis des Inhalts Eurer E-Mails oder Eurer Gewohnheiten beim Internetsurfen, um es an werbetreibende Unternehmen zu verkaufen.“ Cook wies weiter darauf hin, dass kostenlose Internetdienste einen Haken haben: „Wenn ein Online-Dienst umsonst ist, seid Ihr nicht die Kunden. Ihr seid das Produkt.“

          Auch Apple ist im Werbegeschäft

          In eine ähnliche Kerbe hatte der Apple-Chef erst vor wenigen Tagen in einem Interview im amerikanischen Fernsehen geschlagen. Er sagte, Apple gehe es darum, Geräte wie das iPhone oder die neue Digitaluhr zu verkaufen, das Produkt sei nicht der Nutzer selbst. „Jeder sollte sich fragen, wie Unternehmen ihr Geld machen. Wenn sie ihr Geschäft hauptsächlich mit dem Sammeln persönlicher Daten machen, dann denke ich, hat man ein Recht, besorgt zu sein, und man sollte wirklich verstehen, was mit diesen Daten passiert.“

          Cook gab zu, dass Apple sich nicht ganz aus dem Werbegeschäft heraushält. Die hauseigene Werbeplattform „iAd“ stehe aber nur für einen „sehr kleinen Teil unseres Geschäfts.“ Sie sei vor allem als Instrument für die Entwickler von Softwareanwendungen („Apps“) für Apple-Geräte gedacht, deren Geschäftsmodell auf Werbung basiert. Außerdem werde damit der kostenlose Musikdienst iTunes Radio finanziert.

          Apple war in der Vergangenheit keineswegs gefeit vor Negativschlagzeilen, die mit Datenschutz und Sicherheit zu tun haben. So sorgte erst vor zwei Wochen ein Hacking-Angriff für Aufregung, der auf prominente Nutzer des Apple-Dienstes iCloud abzielte. Apple blieb auch von der Affäre um Spionageprogramme des amerikanischen Geheimdienstes NSA nicht unberührt. Zusammen mit Wettbewerbern wie Google oder Microsoft fand sich Apple zum Beispiel auf der Liste von Unternehmen, die in das Spähprogramm „Prism“ eingebunden sein sollen.

          Kein direkter Zugang der Regierung

          Ebenso wie andere Unternehmen hat auch Apple stets darauf hingewiesen, der Regierung keinen direkten Zugang zu seinen Computersystemen zu geben. Dies wiederholt Apple nun auch auf seiner neuen Datenschutzseite. Gleichzeitig hat Apple am Mittwoch auch seinen jüngsten Bericht über Informationsanfragen der amerikanischen Regierung vorgelegt, wozu auch Anordnungen der Geheimdienste gehören. So habe Apple im ersten Halbjahr 2014 zwischen null und 249 Anfragen bekommen, die gleiche Spanne wie im Vorjahr. Apple und andere Unternehmen dürfen diese Zahlen lediglich in einer Spanne veröffentlichen.

          Die Datenschutz- und Sicherheitsoffensive kommt in einer Zeit, in der Apple in neue Geschäftsfelder vorstößt, die auch sensible Kundendaten berühren. So hat das Unternehmen in der vergangenen Woche seinen neuen Bezahldienst Apple Pay vorgestellt, der die jüngste Generation von iPhones zu digitalen Geldbörsen machen soll. Die neuen iPhones kommen an diesem Freitag in Amerika und in Deutschland auf den Markt.

          Apple ist in jüngster Zeit mit einer ganzen Reihe von Initiativen aufgefallen, die den Anschein erwecken, dass sich das Unternehmen ein freundlicheres Gesicht geben will. Tim Cook verwendet viel Energie darauf, Apple als Konzern mit sozialer Verantwortung zu positionieren, ob es nun um Engagement für den Umweltschutz geht oder darum, Einblicke in das Netz von Zulieferern zu geben und Giftstoffe aus der Produktion zu verbannen. Der traditionell äußerst verschwiegene Konzern gewährt dabei viel mehr Transparenz als zu Zeiten von Cooks Vorgänger Steve Jobs. Um seine neuen Produkte macht Apple freilich noch immer ein großes Geheimnis, jedenfalls in der Öffentlichkeit. Allerdings sickern im Vorfeld der Produktenthüllungen dann doch viele Details durch – so wie es auch in der vergangenen Woche bei der Präsentation der neuen iPhones und der Apple Watch der Fall war.

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