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Apple-Handy : Premiere für das nächste iPhone

  • -Aktualisiert am

Das Hochamt des Meisters: Steve Jobs wird auch das neue iPhone präsentieren Bild: dpa

Das neue Apple-Handy ist schneller, kann spielen und soll sogar schlanker und billiger sein als sein Vorgänger. Zudem ersetzt es Wasserwaage und Fieberthermometer. In Deutschland hat sich die affärengeplagte Telekom für den Ansturm der Apple-Jünger am Montag gerüstet.

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          Wenn Apple-Chef Steve Jobs die Welt mit einem neuen Produkt beglückt, dann nimmt dies schnell sakrale Züge an. Selbst in Fällen wie diesem, wenn es nur darum geht, ein aufgefrischtes Handy vorzustellen, erwächst aus dem profanen Ereignis eine globale Hysterie: „Das nächste iPhone kommt! Das iPhone 2.0!“, rumort es durch die einschlägigen Internetforen.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Offiziell bestätigen mag das niemand, würde das doch das Hochamt des Meisters stören. Alle Welt rechnet freilich damit, dass Steve Jobs höchstselbst die Premiere an diesem Montag zelebriert, auf einer Apple-Entwicklerkonferenz in San Francisco.

          Gerüstet für den Ansturm der Apple-Jünger

          Geschickt schürte der Konzern im Vorfeld in seiner fiebrigen Fangemeinde die Erwartung an das vermeintliche Wundergerät. Im Netz kursieren auch schon Fotos von dem neuen Gerät. Leichter soll es sein, künftig auch in Schwarz wie in anderen Farben erhältlich. Und wonach die Kunden vor allem lechzen: Das neue iPhone legt im Tempo zu. Die Verbindung ins Internet wird dank UMTS-Technik bedeutend schneller.

          Direkt im Anschluss an die Präsentation, so wird gestreut, soll es das Mobiltelefon weltweit zu kaufen geben – in Deutschland ausschließlich über die Deutsche Telekom: Ohne T-Mobile-Vertrag (und somit monatliche Gebühren) kein iPhone, zumindest nicht auf offiziellem Weg. Geschuldet ist dies der langjährigen exklusiven Partnerschaft, wie sie Telekom-Chef René Obermann mit Apple vereinbart hat. Dieser Vertrag gilt auch noch für die nächste Generation, das UMTS-Gerät. Details der Abmachung verrät Obermann nicht, weder Verkaufsstart noch sonstige Einzelheiten zu dem neuen Star-Handy: „Da müssen Sie Steve Jobs fragen.“ Intern, so ist zu hören, laufen die Planungen freilich, der affärengeplagte Konzern ist gerüstet für den Ansturm der Apple-Jünger.

          Schadenfrohe Wettbewerber

          Mehr als 100.000 iPhones haben Obermanns Leute seit der Premiere im November vorigen Jahres losgeschlagen. Es könnten etliche mehr sein, verhielte sich das Volk gesetzestreu. Tut es aber nicht. Die Frage: Wie hacke ich ein iPhone?, avancierte zum beliebten Partythema. Im Internet kursieren Anleitungen auch für Nichttechniker, um der Telekom ein Schnippchen zu schlagen. Wie viele Deutsche sich das Apple-Handy zu günstigeren Konditionen anderswo gekauft haben, im Urlaub oder auf Dienstreise im Ausland, ist nicht exakt zu ermitteln. Es müssen Zehntausende sein. Allein 30.000 Bundesbürger telefonieren mit einem iPhone über Vodafone, wie der schadenfrohe Wettbewerber der Telekom offiziell mitteilt.

          Das Geld entgeht Obermann, und doch sei das iPhone ein Geschäft, sagt der Telekom-Chef – ganz abgesehen von dem Imagegewinn: Der mit dem Ruf des Beamtenladens geschlagene Exmonopolist hat die „early adopter“, die für das Marketing so wichtigen Trendsetter, angelockt. Diese Klientel sei höchst zufrieden, frohlockt ein T-Mobile-Sprecher: „Die Empfehlungsquote liegt weit über 90 Prozent.“ In nackten Zahlen gehe die Kalkulation auf, weil die Nutzer eines iPhones den 30-fachen Datenumsatz eines normalen Handy-Kunden machen. Darauf hat es die Telekom abgesehen. Denn das Geschäft der Mobilfunker hat sich radikal geändert: Mit Gesprächen ist kaum noch Geld zu verdienen, das mobile Internet soll künftig die Gewinne abwerfen. Danach schielen alle, Netzbetreiber wie die Telekom, aber auch die Gerätehersteller. Nokia will Musik über das Handy verkaufen. Apple verdient an jedem Euro Umsatz mit einem iPhone mit; zwischen 10 und 30 Prozent, so wird geschätzt, muss Obermann an Steve Jobs abliefern.

          Fortschritt für die Fangemeinde

          Was genau der Apple-Chef und Vordenker, der etliche Funktionen des iPhones selbst entwickelt hat, an dem Nachfolgemodell verbessert, hat er angeblich nicht mal gegenüber dem Vertriebspartner Telekom enthüllt: „Uns wurde nur signalisiert: Es kommen phantastische Sachen.“

          Gesichert ist die Erkenntnis, dass der Computerhersteller die Wünsche von Geschäftsleuten berücksichtigt. So wie es der Manager von seinem Blackberry gewöhnt ist, enthält das neue iPhone Funktionen wie einfach zu empfangende E-Mails. An Hotspots bucht sich das Gerät künftig wohl automatisch ein und aus. Außerdem wird das iPhone Wasserwaage wie Fieberthermometer ersetzen. Von diesen Spielereien berichten Entwickler, die an der Software mitgeschrieben haben. Schließlich soll der Apple-Telefonierer auch MMS verschicken und empfangen können, dieser Mangel wurde bisher oft kritisiert. Und spielen kann man mit dem neuen Gerät auch. Auch dies ein Fortschritt für die Fangemeinde.

          Das iPhone soll Masse machen

          Bleibt die Frage nach dem Preis: Das nächste iPhone werde deutlich billiger, behaupten Leute, die glauben, Apples Marketingmasche durchschaut zu haben. Sie verweisen auf das Beispiel des iPod. Auch der wurde zunächst mit hohen Preisen eingeführt, dann technisch verbessert und mit kräftigen Abschlägen in die Läden geworfen – mit dem erklärten Ziel, die Massenkundschaft zu erobern. So rechnen Analysten jetzt für Amerika mit einem Preis unter 200 Dollar für das neue iPhone - halb so viel wie die Kunden für die erste Version bezahlt haben. In Deutschland hat die Telekom nach mauem Start des alten Geräts die Preise schon kräftig reduziert, auch hier wird ein weiterer Nachlass erwartet.

          Angeblich hat Apple für die zweite Generation seine Strategie grundsätzlich geändert: Bisher haben die Vertriebspartner, die Telefongesellschaften, das iPhone nicht subventioniert. Dies soll sich nun ändern, im Gegenzug verzichtet Steve Jobs demnach auf einen Teil seiner Umsatzbeteiligung. Das Motiv für diese Kehrtwende ist klar: Das iPhone soll Masse machen. 10 Millionen Stück hat Apple als Absatzziel für das laufende Jahr ausgegeben. Davon ist man weit entfernt: Etwas mehr als drei Millionen iPhones hat der Konzern laut Analysten erst verkauft. Da kann ein wenig Rummel nicht schaden.

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