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Tor-Projekt : Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jacob Appelbaum

  • Aktualisiert am

Jacob Appelbaum Bild: dpa

Schon länger kursieren Gerüchte, der Mitgründer des Tor-Projekts habe mehrere Menschen sexuell genötigt. Nun trennt sich das Tor-Projekt von ihm.

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          „In den vergangenen Tagen haben mehrere Menschen ernste, öffentliche Anschuldigungen bezüglich sexueller Nötigung gegen Jacob Appelbaum vorgebracht.“ So beginnt ein Blogeintrag des Tor-Projekts, in dem erklärt wird, der Mitgründer Appelbaum verlasse die Initiative. Das Tor-Projekt betreibt eine Anonymisierungssoftware, die oft von Journalisten und Dissidenten genutzt wird, um unerkannt im Netz zu surfen, sicher zu kommunizieren oder Zensuren zu umgehen.

          Die Vorwürfe gegen den Journalisten, Hacker und Aktivisten sind nicht neu. Doch bislang war vom Tor-Projekt selbst, dessen Sprachrohr er lange war, keine Reaktion zu bekommen. Geschäftsführerin Shari Steele geht nun auch auf die Gerüchte ein. „Diese Arten der Anschuldigung waren nicht für jeden bei Tor neu“, schreibt sie. Man habe schon seit längerem solche Aussagen wahrgenommen.

          Tor-Gemeinschaft soll ein sicherer Ort bleiben

          Auf einer Internetseite veröffentlichen mehrere Betroffene ihre Erfahrungen mit dem Tor-Gründer – die meisten davon anonym. Die Geschichten sind erschütternd. Eine Tor-Mitarbeiterin schreibt, dass Appelbaum sie und ihren Partner bedrängt habe, mit ihm zu schlafen – und dieses auch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal wiederholt habe. Andere beschreiben, wie Appelbaum seine Mitarbeiter vor allen anderen erniedrigt habe, indem er sie auf ihr Sexleben ansprach. Ein weiterer Beitrag unter dem Namen "River“ beschreibt, wie Appelbaum auch innerhalb einer Beziehung übergriffig wurde. Inwieweit diese Berichte der Wahrheit entsprechen, konnte bislang nicht überprüft werden.

          Shari Steele, Tor-Geschäftsführerin, schreibt im Blog, man arbeite mit einer Agentur zusammen, die auf sexuellen Missbrauch in Arbeitsverhältnissen spezialisiert sei. Sie verspricht, man werde so schnell und gründlich wie möglich reagieren und Untersuchungen einleiten. Man wolle, dass die Tor-Gemeinschaft ein Ort bleibt, „wo sich alle Teilnehmer sicher und in ihrer Arbeit unterstützt fühlen können.“

          Appelbaum ist ein enger Freund des WikiLeaks-Gründers Julian Assange, dem ebenfalls sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen wird. Aufgrund seiner Mithilfe bei Assanges Enthüllungen lebt der Amerikaner seit Jahren in Berlin. Er fürchtet, dass er in den Vereinigten Staaten sonst für seine Arbeit bei WikiLeaks belangt werden könnte. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ unterstützte Appelbaum als Co-Autor bei der Berichterstattung über WikiLeaks. Im Juni 2013 erhielt er den Henri-Nannen-Preis für die beste investigative Leistung, nach seiner Recherche über das abgehörte Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

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