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Digitalkonferenz Republica : Andrea Nahles und die Blogger

Arbeitsministerin Andrea Nahles auf der Digitalkonferenz Republica in Berlin. Bild: dpa

Die Arbeitsministerin versucht die digitale Elite für den Arbeitsschutz zu begeistern: Die Arbeitsstättenverordnung trifft auf den Coworking-Space.

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          „Vor dieser Diskussion habe ich tatsächlich ein bisschen mehr Schiss als vor anderen.“ Ganz wohl ist Arbeitsministerin Andrea Nahles nicht, dort auf der Bühne in der dunklen Industriehalle im ehemaligen Berliner Bahnhof. Sie ist auf die Digitalkonferenz Republica gekommen, um für ihr großes Projekt zu werben: ein neues Verständnis von Arbeitsbedingungen.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ist der Acht-Stunden-Tag noch zeitgemäß? Wie flexibel dürfen Arbeitszeiten sein – und wollen sich die Leute überhaupt noch in ein enges Korsett zwängen lassen?

          Seit Monaten produziert Nahles‘ Ministerium Studien, Pressemitteilungen, Podiumsdiskussionen. Jetzt steht der Ernstfall bevor: bei den digitalen Freiberuflern auf der Republica, den Leuten, die vor zehn Jahren das Buch „Wir nennen es Arbeit“ inspiriert haben.

          Eigentlich müsste Nahles gar nicht so nervös sein. Die Republica könnte ein Heimspiel für sie sein. Die Republica, das ist nicht so sehr die Konferenz der hippen Startup-Gründer mit 21-Stunden-Tagen, immer auf der Jagd nach dem nächsten Investor und dem Millionengewinn, die sich im Zweifel an Amerika orientieren und viele Regeln abschaffen würden. Die Republica, das ist eher die Konferenz der Berliner Blogger. Starredner Sascha Lobo war immer mal wieder mit der SPD verbandelt. Szenenapplaus kann Nahles sich hier leicht abholen: Sie muss nur mal den Mindestlohn loben oder sich über den Verhandlungsstand im Freihandelsabkommen TTIP beschweren.

          Doch die Sorgen von Nahles sind nicht die Sorgen der Digitalen. Die wollen wissen: Kann man nicht in mehr Firmen die Führungskräfte wählen lassen? Und was wird aus den Arbeitsplätzen? Längst macht sich auch die digitale Avantgarde Gedanken um ihre Arbeitsplätze, längst fragen sich auch Blogger und Entwickler, ob ihre Arbeit eines Tages von Computern erledigt wird. Nahles verweist nur darauf, dass noch immer neue Arbeitsplätze entstanden seien.

          Nicht mal die Hälfte der Fragen dreht sich um Arbeitsbedingungen – doch die Missverständnisse bleiben. Die Betreiber von Coworking-Spaces, bei denen sich Selbständige einen Arbeitsplatz mieten können, beschweren sich über die Arbeitsstättenverordnung. Mit dieser Verordnung hatte Nahles sowieso schon Schwierigkeiten, weil sie so viele Fenster vorschreiben wollte, dass viele Bahnhofsimbisse hätten schließen müssen. Schützenpanzer hätten selbst für hochschwangere Soldatinnen im Gefechtseinsatz hervorragende Arbeitsbedingungen bieten müssen.

          Offenbar leiden auch die Betreiber der Coworking-Spaces, und sie sehen das nicht ganz ein: Wer sich dort einmiete, werde schließlich nicht so dazu gezwungen wie ein Arbeitnehmer.

          „Ich muss Regeln machen, die für alle gelten“

          Doch Nahles hat keine klare Vorstellung vom Coworking. „Ich vermute mal, ihr arbeitet dann in Räumen, die ihr irgendwie angemietet habt“, sagt sie, sie verspricht, sie werde in die Details gucken – und: „Ich denke an die ganzen Call-Center, wo die Arbeitsbedingungen scheiße sind. Als Ministerin muss ich Regeln machen, die für alle gelten.“

          Das Du verfängt nicht. Die Digitalen bleiben beim Sie. Und als der nächste auf das Call-Center-Beispiel zurückkommt, sagt er: „70 Prozent der Arbeit von Call-Centern kann inzwischen sowieso automatisiert gemacht werden.“

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