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AMD kämpft ums Überleben : Die Dresdner Kronjuwelen

Schaltzentrale: Hauptplatine eines Computers mit Opteron-Prozessoren von AMD Bild: dpa

AMD überprüft sein Geschäftsmodell. Das könnte Folgen für die Chipwerke in Sachsen haben, die mehr als sechs Milliarden Euro gekostet haben. Konzernpatriarch Jerry Sanders nennt sie seine Kronjuwelen. Teure Stücke, die man in der Krise verkauft?

          Jerry Sanders ist ein Mann zackiger Sprüche. „Nur richtige Männer haben Chipfabriken“ ist so einer. Als der Mitbegründer und Großaktionär des kalifornischen Halbleiterherstellers AMD den Satz in den neunziger Jahren vom Stapel ließ, hatte er den texanischen Konkurrenten Cyrix im Visier. Während Advanced Micro Devices (AMD) plante, im sächsischen Dresden neue Werke zu bauen und Entwicklung sowie Fertigung von Chips aus einer Hand anzubieten, konzentrierte sich Cyrix ganz auf Design und Verkauf. Die Produktion überließ es billigen Auftragsfertigern. Das kostensparende Geschäftsmodell setzte AMD schwer zu. Der selten um eine Pointe verlegene Sanders setzte auf Angriff. Kurz darauf war Cyrix nach einem Preiskampf und vielfachen Patentklagen der Wettbewerber am Ende.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Heute ist es AMD, das ums Überleben kämpft. Dabei könnte es jenen Weg einschlagen, den ehemals Cyrix ging: Keine kostspieligen Fabriken, volle Konzentration auf Entwicklung und Marketing. Analysten spekulieren schon über Aufspaltung, Abspaltung und strategische Partnerschaften. Folgt AMD diesen Plänen, hätte das Folgen für die großen Werke in Sachsen. Die Führung um den gerade ins Amt gekommen Vorstandschef Derrick Meyer wiegelt ab - noch. Doch während sich die Kosten für das Design neuer Hochleistungschips in zehn Jahren verdoppelt haben, legten die Preise für eine neue Fabrik um das Vierfache zu: auf 5 Milliarden Dollar.

          Marktvolumen der Auftragsfertiger steigt

          Das führte in der Branche zu einer beschleunigten Arbeitsteilung. So erhielt das Geschäftsmodell aus reiner Chipproduktion in eigenen Fabriken oder produktionsloser Entwicklungsarbeit neuen Schwung. Halbleiterfirmen wie TSMC erlösen mit ihren Chipwerken jedes Jahr Milliarden von Dollar, ohne je einen Chip direkt an große Computer- oder Mobilfunkhersteller verkauft zu haben. Dem stehen Firmen wie Qualcomm gegenüber, die Millionen Chips absetzen, ohne eine Fabrik zu besitzen. Dazwischen agieren Konzerne wie Texas Instruments, IBM oder NEC, die sich gerade schrittweise von ihren Fabriken trennen oder freie Kapazitäten in ihren Werken vermieten.

          Dieses Geschäft brummt. Das Marktvolumen der Auftragsfertiger stieg im vergangenen Jahr von 21 auf 24 Milliarden Dollar. Während der Chipmarkt nach Angaben des Analystenhauses Gartner im Jahr 2008 um etwa 4 Prozent wachsen wird, legten der Vertragsproduzent TSMC und das Entwicklungshaus Qualcomm im jüngsten Quartal je 18 Prozent zu. Damit führen sie die Liste der wachstumsreichsten Chiphersteller der Welt an. Hier könnte bald auch AMD stehen. Schon 2004 hatte Jodi Sheldon von der Global Semiconductor Association in Taiwan gesagt, aus der nächsten Krise gehe AMD als Entwicklungshaus ohne Fabriken hervor. Im Juni 2007 erklärte James Covello von Goldman Sachs, AMD könnte 2008 beginnen, die Produktion auszulagern.

          Dresdner Fabriken im Fokus

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