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Gründer Jeff Bezos : „Amazon ist ein guter Arbeitgeber in Deutschland“

Foto mit Kindle: Jeff Bezos mit dem Tabletcomputer aus seinem Konzern Bild: AP

Die Ambitionen von Jeff Bezos reichen heute weit darüber hinaus, Bücher über das Internet zu verkaufen. Amazon ist ein Universalladen. Bezos hält es sogar für möglich, dass sein Unternehmen eines Tages nicht mehr in erster Linie ein Online-Händler ist.

          Jeff Bezos polarisiert. Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers Amazon wird als Visionär bewundert, der seine Branche revolutioniert hat. Andererseits wird ihm aber auch vorgehalten, traditionelle Händler in den Ruin zu treiben und in jedem Geschäftsfeld, in dem er mit Amazon aktiv ist, die Gewinnmargen kaputtzumachen. Die Börse liebt Amazon. Das Gleiche gilt für die Kunden, die sich über Niedrigpreise, billigen Versand und eine sehr großzügige Rückgabepolitik freuen. Kritiker verweisen dagegen auf die dunklen Seiten und sehen Bezos als Ausbeuter, der sein Unternehmen auf dem Rücken der Mitarbeiter gnadenlos auf Effizienz trimmt. Gegen diesen Ruf kämpft Amazon vor allem in Deutschland, seinem mit Abstand wichtigsten Auslandsmarkt. Hier musste sich das Unternehmen im vergangenen Jahr mit Kontroversen um schlechte Arbeitsbedingungen in seinen Distributionszentren und mit öffentlichkeitswirksamen Streiks auseinandersetzen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Hat Amazon in seinem Drang nach immer mehr Effizienz Fehler gemacht? Bezos will das gar nicht bestreiten. „Jedes Unternehmen, das behauptet, keine Fehler zu machen, ist wahrscheinlich nicht sehr selbstkritisch“, sagt er in einem Gespräch mit dieser Zeitung in der Konzernzentrale in Seattle. Amazon nehme die öffentliche Meinung ernst und sei im Falle berechtigter Kritik bereit, sich zu ändern. Auch das deutsche Management habe einen selbstkritischen Blick auf die Fakten. Aber nach Auffassung von Bezos sprechen die Fakten heute für sein Unternehmen. „Amazon ist ein sehr guter Arbeitgeber in Deutschland“, sagt er. Das gelte zum Beispiel mit Blick auf die Arbeitssicherheit ebenso wie bei der Bezahlung. Amazon liegt nach den Worten von Bezos „am oberen Ende der Lohnskala“ – was seine Widersacher von der Gewerkschaft Verdi freilich anders sehen.

          Amazon weist regelmäßig geringe bis gar keine Gewinne aus

          Amazon feiert in wenigen Monaten seinen zwanzigsten Geburtstag. Bezos begann als Online-Buchhändler, aber seine Ambitionen sind im Laufe der Jahre immer größer geworden. Nicht nur ist Amazon heute die dominierende Adresse im Online-Handel mit einem Sortiment, das von Lebensmitteln über Möbel bis zu Autozubehör reicht. Amazon hat sich auch in andere Geschäfte gewagt, etwa in die Unterhaltungselektronik mit der Kindle-Familie von Lesegeräten und Tabletcomputern sowie in die Informationstechnologie mit Amazon Web Services (AWS), einem Anbieter von Computerdienstleistungen. Wie sich Amazon mit diesen Engagements im Einzelnen schlägt, ist von außen kaum zu durchschauen, weil das Unternehmen nur in sehr aggregierter Form Finanzdaten preisgibt. Klar ist aber, dass Amazon sich in allen Geschäften als sehr preisaggressiver Wettbewerber versteht, was dazu führt, dass der Konzern insgesamt unter dem Strich regelmäßig geringe oder gar keine Gewinne ausweist.

          Mit Blick auf künftige Initiativen gibt sich Amazon traditionell ebenfalls sehr wortkarg. Und so wiegelt Bezos Fragen nach digitalen Fernsehempfängern (Set-Top-Boxen) oder Smartphones ab, die Amazon angeblich bald auf den Markt bringen will: „Ich hasse es, über Dinge zu sprechen, bevor sie fertig sind.“ Immerhin lässt er sich entlocken, dass er 3D-Druck für „faszinierend“ hält und Amazon „vielleicht“ sogar einmal selbst auf solchen Geräten Waren für Kunden produzieren könnte. Amazon hat gerade ein Pilotprojekt gestartet und bietet Objekte aus 3D-Druckern auf seiner Seite an, verlässt sich aber bislang für die Herstellung noch auf Partnerunternehmen.

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