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Autonomes Fahren : Wie Roboterautos das urbane Leben verändern werden

Science-Fiction? So wie diese Zukunftsvision, die Chrysler auf der CES in Las Vegas gezeigt hat, kann das Auto von übermorgen aussehen. Bild: AP

In Amerika fahren die ersten Roboterautos durch die Städte. Noch sammeln sie bloß Testkilometer. Jetzt geht es vor allem darum, Kosten zu senken.

          Das Auto, das in die Zukunft weisen soll, sieht auf den ersten Blick aus wie ein Polizeiwagen mit zu vielen Außenspiegeln. Auf dem Dach des weißen Minivan „Pacifica“ aus dem Hause Fiat-Chrysler befindet sich ein kastenartiger Aufbau mit einem runden, schwarzen Glasaufsatz, der einem Blaulicht nicht unähnlich ist. An den beiden vorderen Kotflügeln sind kurz vor den Außenspiegeln zwei Aufsätze angebracht, zwei weitere Ausbuchtungen befinden sich hinten, an den beiden Seitenenden des Daches. Darin stecken etliche Radarsensoren und sehr leistungsfähige Rechentechnik, die das amerikanische Unternehmen Waymo liefert. In der vergangenen Woche stellte Waymo das ungewöhnliche Gefährt auf der Automesse in Detroit zum ersten Mal der breiteren Öffentlichkeit vor. „Es geht nicht darum, ein besseres Auto zu bauen“, sagt John Krafcik, der Chef des Unternehmens, in der nordamerikanischen Autometropole. „Es geht darum, einen besseren Fahrer zu erschaffen.“

          Martin Gropp
          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Dieses Argument führen freilich viele Befürworter des autonomen Fahrens im Munde. Die selbstfahrenden Autos sollen die Unfallzahlen verringern, sie sollen dafür sorgen, dass es weniger Verkehrstote gibt und Menschen automobil machen, die nicht automobil sein können, Behinderte etwa oder Kinder. Diese Ziele will auch Krafcik mit Waymo erreichen. Selbst wenn der Name für viele noch unbekannt klingt, ist Waymo auf diesem Feld kein Neuling und hat gute Chancen, die Ziele zu erreichen: Es ist eine der Tochtergesellschaften des Internetkonzerns Alphabet, zu dem auch das Geschäft mit der Suchmaschine Google gehört. Das eigenständige Unternehmen ist im vergangenen Jahr aus dem Google-Projekt für selbstfahrende Autos entstanden. Seit 2009 forscht Google schon an solchen Fahrzeugen. Der umgebaute Pacifica auf Fiat-Chrysler-Basis ist die jüngste Stufe dieser Entwicklung. Sechs Monate habe es von der Idee des Wagens bis zur Umsetzung gedauert, sagt Krafcik, noch im Januar will er 100 Pacifica auf die Straße lassen, zuerst in den amerikanischen Bundesstaaten Arizona und Kalifornien.

          60 Millionen Testkilometer benötigt

          Ähnlich schnell ist BMW unterwegs. Erst vor einem halben Jahr hat der Münchner Autohersteller eine Kooperation mit dem amerikanischen Chipkonzern Intel und dem israelischen Kameraspezialisten Mobileye geschlossen, jetzt kündigen die Partner einen Feldversuch mit 40 selbstfahrenden Autos an. Dabei greift BMW auf die neue Fünfer-Reihe zurück und bestückt sie mit einer Handvoll Radarsensoren, Laserscannern und einer Stereokamera. Äußerlich ist der Test-Fünfer von der Serienlimousine nicht zu unterscheiden. „Unsere Testautos fahren nicht mit großen Radargeräten auf dem Dach umher. Wir wollen die neue Technik gleich seriennah entwickeln“, sagt BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer.

          Ziel sei es, so viele Testkilometer wie nötig zu absolvieren. Den Anfang will BMW in der zweiten Jahreshälfte in den Vereinigten Staaten und in Europa machen. „Wir testen jetzt in der realen Welt und zukünftig auch virtuell. Für sicheres autonomes Fahren braucht man rund 60 Millionen Testkilometer. Das kann man nicht auf Straßen allein abfahren.“ Die neue Technik soll der Konkurrenz angeboten werden, als eine Art Baukasten: „Wir wollen eine skalierbare Plattform schaffen und laden daher andere Hersteller, Zulieferer und Tech-Companies ein, in unserer Kooperation mitzuarbeiten.“

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