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Daten-Utopie im Jahr 2030 : Was für eine wunderbare Welt

Mein Haus, mein Tablet, mein Leben: Alles wird von mir gesteuert, das ist gut so! Bild: dpa

Im Jahr 2030 ist alles besser: intelligente Bank-Apps, Kundenbindung, offene Daten. Auch die größten Skeptiker haben verstanden, dass die Freiheit der Daten die eigene Freiheit nicht einschränkt.

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          Neulich, beim Spaziergang durch die Fußgängerzone, hat mein Smartphone vibriert: „Angebot zum Ende der Winterpause! 35 Prozent auf den Laufschuh deiner Wahl. Jetzt hier.“ Wie passend, gleich neben dem Schuhladen kommt die Push-Mitteilung. Die alten Schuhe sind laut der letzten im Smartphone gespeicherten Rechnung des Sportgeschäfts nun auch ein Jahr alt und durchgelaufen. Den Chip, der die Schritte und die gelaufene Strecke aufzeichnet, kann ich leicht entfernen, er passt in jeden neuen Schuh. 

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Gut, dass für die unerwartete, aber praktische und – wenn ich ehrlich bin – nötige Anschaffung ausreichend Geld auf dem Konto liegt. Seit kurzem habe ich einen neuen Stromtarif, weil die Banking-App festgestellt hat, dass ich für meinen Verbrauch zu viel gezahlt habe und den Tarif automatisch umgestellt hat. Das gesparte Geld fließt nun in die Schuhe, ich bezahle mit dem Smartphone, auf dem Display blinkt der neue Kontostand auf und zeigt, wie hoch mein Budget für Freizeitausgaben in diesem Monat noch ist.

          Liebe Leser! Ihnen ist dieses Szenario zu optimistisch? Dann lesen Sie hier unsere Daten-Dystopie von einem Leben voll smarter Unannehmlichkeiten.

          Ich denke zurück an die Zeit, als das alles begann: Zuerst wurde es normal, Bahnverbindungen über eine App abzurufen und Taxis über das Smartphone zu bestellen. Natürlich beginnt es mit GPS-Daten, der vielleicht niederschwelligste Einstieg für Nutzer: Bei kaum einer anderen Datenfreigabe bekommt man so schnell nützliche Ergebnisse, die vom Standort abhängig sind. Ortsbasierte Suche mit einem Klick am Laptop – wie konnte ich ohne sie nur leben? Wann habe ich das letzte Mal bei einem Restaurant angerufen, um nach den Öffnungszeiten und einer Reservierung zu fragen? Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. 

          Ressourcen schneller und effizienter nutzen

          Irgendwann hat es Klick gemacht bei den Leuten, die skeptisch waren, ihre Daten freizugeben. Sein Traumhaus kann man schließlich auch nicht bauen lassen, ohne dem Architekten zu verraten, was man haben will. Selbst die oft so träge öffentliche Hand hat das Konzept der „Offenen Daten“ verstanden und genutzt. Und mit Anwendungen für öffentliche Bereiche wie Mobilität, Gesundheitswesen oder Bildung den kommerziellen Apps den Boden bereitet. Eine Verwaltung weiß am besten, was in einer Stadt passiert.

          Mit „Open Data“ werden Informationen über die Auslastung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder von stauanfälligen Straßen nützlich für den Bürger – und für die Verwaltung, denn sie spart dadurch Geld. Die Verwaltung ist transparent. In Bürgerportalen sind Kosten von Bauvorhaben der öffentlichen Hand für jeden sichtbar, Entwickler bauen mit Hilfe der Daten Apps, etwa um Orte von Baustellen zu visualisieren oder um die Ausgaben der Verwaltung zu überprüfen. Wie viel unnütz ausgegebenes Steuergeld bereits dadurch gespart werden konnte!

          Durch die Digitalisierung all dieser Bereiche sind neue Geschäftsfelder entstanden, die junge Unternehmer anziehen, die wiederum Steuern an die Stadt bezahlen. Die Offenheit der Daten hat keine gläserne Gesellschaft geschaffen, sondern eine selbstbestimmte, die wohlhabend ist, Ressourcen schnell und effizient nutzt und nicht mehr zwischen digitalem und analogem Leben unterscheidet. 2030 ist toll!

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