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Netzkonferenz DLD : Die Demokratie des Fliegens

  • -Aktualisiert am

Auch Airbus-Chef Tom Enders träumt von einem Hybrid-Flugzeug. Bild: dpa

Auf dem Weg zum autonomen, digitalen Flugzeug sind Airbus und Solar Impulse ein gutes Stück weit gekommen. Doch nicht nur die Technik stellt sich als problematisch heraus.

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          Auch nach vielen Jahrzehnten, die sich der Mensch nun schon wie selbstverständlich durch die Lüfte bewegt, ist die Skepsis bei vielen noch groß. Nicht zuletzt die Flugangst ist weit verbreitet. Wie verwegen klingt da doch im ersten Moment die Idee von Bertrand Piccard. Der Ballonfahrer umrundete als erster Mensch die Erde in einem Ballon und später in einem solarbetriebenen Flugzeug. Gemeinsam mit Pilot André Borschberg gründete der Ballonpionier Solar Impulse, ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Solarflugzeugen spezialisiert hat.

          „Ziel war es ursprünglich, sauber zu fliegen und so lange in der Luft bleiben zu können, wie man möchte“, sagte Piccard auf der Digitalkonferenz DLD in München. Die Vision des Schweizers geht inzwischen jedoch weiter: Kleine elektrische oder solarbetriebene Flugzeuge sollen wie Taxis die Menschen von einem Ort zum anderen bringen, am besten autonom, ohne Pilot. Der Widerstand, der sich dagegen regen wird, ist groß, schätzt Piccard. Die Gesetze im Luftverkehr sind von Stadt zu Stadt unterschiedlich, die Menschen skeptisch, wenn Flugzeuge über ihren Köpfen kreisten, ohne Pilot und von einer Technologie angetrieben, die ihnen nicht so verlässlich erscheine wie Kerosin.

          Tatsächlich ist nicht zuletzt der Antrieb ein großes Problem auf dem Weg zum digitalen Flugzeug. Doch Piccard ist nicht allein. Auch Airbus-Chef Tom Enders träumt von einem Hybrid-Flugzeug. „In 15 Jahren werden wir in der Lage sein, bis zu 100 Menschen in einem elektrischen Flugzeug zu befördern“, so Enders in München. Dabei ist die Energiebilanz von Lithium-Ionen-Batterien, mit denen auch Elektroautos aktuell betrieben werden, weitaus schlechter als die von Kerosin: Ein Kilogramm Kerosin ist 36 Mal so energieeffizient wie ein Kilogramm Lithium-Ionen-Batterien, rechnet Piccard vor.

          Pilotprojekt im Silicon Valley startet

          Doch der Ballonpionier plädiert für eine ganz neue Denkweise. Während Elektroautos auf Basis von Benzinern und Dieselautos entwickelt wurden, dürfe man beim Fliegen nicht in starren Formen denken. „Das Flugzeug von heute können wir nicht elektrisch machen“, sagt Betrand Piccard. Ein elektrisches Flugzeug müsse sehr viel leichter sein und eine andere Dynamik entwickeln können, als die aktuellen Linienflugzeuge. Er vergleicht seinen Plan mit dem, den die Tesla-Gründer einst hatten: „Elon Musk kam aus dem Internet, er dachte ganz anders und hatte sehr viel schneller Erfolg mit Elektroautos, als die traditionellen Automobilhersteller.“

          Piccard steht mit Solar Impulse vor ähnlichen Herausforderungen wie vor einigen Jahren Tesla: Die Leistung eines Elektroflugzeugs reicht derzeit noch nicht an die eines mit Kerosin betriebenen Flugzeugs heran. Die Reichweite und die mögliche Maximalladung sind noch deutlich zu gering für die Serienproduktion. Und doch gibt es dank der Kombination aus Elektroantrieb und Solarelementen durchaus Fortschritte. Zudem ist die Energiebilanz eines Elektroflugzeug aus finanzieller Sicht deutlich günstiger als der Antrieb mit Brennstoff. Der Elektroantrieb wird in Zukunft sehr günstiger sein als Öl. „Elektrisches Fliegen wird allein aufgrund der geringen Kosten demokratischer sein“, so Piccard.

          Ein weiteres Argument für einen absehbaren Erfolg führt Tom Enders an: „Autonomes Fliegen ist einfacher als autonomes Fahren.“ Denn in der Luft gibt es keine Fahrradfahrer, Fußgänger oder vielschichtigen Verkehrsregeln. „Im Silicon Valley wird in diesem Jahr ein Demo-Vehikel in Betrieb genommen, das ohne Pilot für Transporte genutzt werden kann“, so der Airbus-Chef. Gemeinsam mit den Ideen von Bertrand Piccard und dem dreistelligen Millionenbetrag, den Siemens und Airbus in die Weiterentwicklung von elektro- und solarbetriebenen Flugzeugen investiert hat, kommt man dem Ziel von selbstfliegenden Taxis der Lüfte Schritt für Schritt näher.

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