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Scott Galloway auf der DLD : Der Schreck der Tech-Konzerne

  • Aktualisiert am

Scott Galloway auf der DLD-Bühne. Bild: Picture-Alliance

Amazon, Google, Apple und Facebook sind zu mächtig, sagt der schillernde Wirtschaftsprofessor Scott Galloway. Er macht einen radikalen Vorschlag.

          Sind die großen Technologieunternehmen mittlerweile zu groß? Ja, findet Scott Galloway. Der in New York lehrende schillernde Wirtschaftsprofessor hat sich längst einen Namen gemacht als veritabler Kritiker jener Konzerne, die an der Börse mehr wert sind als alle anderen und Jahr für Jahr viele Milliarden Dollar verdienen. Im amerikanischen Fernsehen fragen sie ihn regelmäßig nach seiner Meinung - wenn es darum geht, ob Mark Zuckerberg weiterhin Facebook führen sollte, oder um den Wettbewerb, den Amazon veranstaltete um den Sitz des zweiten Hauptquartiers. Galloway spitzt gerne zu, macht klare Ansagen.

          Jetzt steht er auf der Hauptbühne der Tech-Konferenz DLD in München, hält wie in den Vorjahren die erste Keynote am Montagvormittag. Mehrere Möglichkeiten gebe es, mit diesen Unternehmen umzugehen, führt er aus. Mehr Regeln oder Auflagen zum Beispiel. Er selbst empfiehlt indes einen richtig radikalen Schritt: „Meiner Ansicht nach sollten sie zerschlagen werden.“

          Galloway ist kein Sozialist. Er hat überhaupt nichts gegen Unternehmertum, im Gegenteil. Er bewundert den wirtschaftlichen Erfolg der Tech-Konzerne, wie aus dem Buch ausdrücklich hervorgeht, dass er über sie geschrieben hat. Seine Empfehlung, die hoch umstritten ist, begründet er vielmehr damit, dass es derzeit seiner Ansicht weniger Innovationen gebe und weniger Wettbewerb gerade weil die großen amerikanischen Tech-Unternehmen ihre Märkte zu sehr dominierten.

          Von Amazon würde er beispielsweise die Cloud-Sparte Amazon Web Services (AWS) abspalten, von der Suchmaschine Google die Videoplattform Youtube, von Facebook den Bilderdienst Instagram. Wenn es um Amazon gehe, könne das dieses Jahr ohnehin geschehen, sagt Galloway voraus – indem das von Jeff Bezos gegründete und geführte Unternehmen beispielsweise vorbeugend diesen Geschäftsbereich an die Börse bringe.

          Ein fairer Wettbewerb?

          Gerade Amazon verfüge über einen beträchtlichen Einfluss. Galloway erinnert an die Ankündigung des Unternehmens, eine neue Lösung der Gesundheitsversorgung finden zu wollen – mit der Folge, dass die Unternehmen in diesem Bereich unmittelbar Milliarden Dollar Marktwert verloren an der Börse. Amazon, spitzt Galloway zu, könne das Geschäft anderer alleine mit wenig konkreten Pressemitteilungen beeinträchtigen.

          Als „großes Theater“ bezeichnet er zudem, wie Amazon den Sitz für sein neues zweites Hauptquartier ermittelt habe. Das sei ein großes Medienspektakel gewesen, aber nie ein wirklicher Wettstreit. „Die Entscheidung in so einer Frage hängt von vorneherein alleine davon ab, wo ein CEO mit Milliardenvermögen künftig persönlich mehr Zeit verbringen möchte.“ Dass der Konzern am Ende für New York entschieden hat, habe ihn, Galloway, überhaupt nicht überrascht.

          In einer großen Krise, das denkt auch Galloway, steckt Facebook. Er hält den Dienst Instagram mittlerweile für wertvoller als die ursprüngliche Facebook-App. Gelingen werde dem größten sozialen Netzwerk der Welt die Wende nur durch einen kompletten Wechsel an der Spitze. Top-Managerin Sheryl Sandberg, die am Sonntag auf der DLD auftrat, müsse entlassen werden. Und Gründer Mark Zuckerberg solle den Verwaltungsrat führen und nicht mehr Vorstandschef sein. Vertrauen könne nur mit neuen Gesichtern an der Spitze hergestellt werden.

          Wie das gelingen soll angesichts der Tatsache, dass Zuckerberg die Mehrheit der Stimmrechte kontrolliert an Facebook? Alle anderen Aufseher sollten ihn einstimmig entlassen – dann müsse er entweder dieser Entscheidung folgen oder seinerseits alle anderen hinauswerfen. Was er nicht tun werde, schätzt Galloway.

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