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Tech-Konferenz DLD : So geht’s nicht weiter

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Don Tapscott ist mit dem Internet unzufrieden. Bild: DLD

Haben die sozialen Medien und das Internet die Demokratie besser gemacht? Nein, sagt Don Tapscott, der sich schon lange mit Digitalisierung beschäftigt. Er macht einen Vorschlag.

          „Privatsphäre ist die Grundlage der Freiheit.“ Don Tapscott schimpft. So, wie das Internet gerade organisiert ist und funktioniert, geht's nicht, findet er. Die Menschen verfügten nicht über das Recht an ihrer eigenen (virtuellen) Identität, er spricht von „digitalem Feudalismus“, in dem mächtige Unternehmen heute – wenn es um die Verwendung von Daten gehe – das seien, was einst die Gutsherren waren.

          Tapscott beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Digitalisierung, er hat viel verkaufte Bücher darüber geschrieben. Man muss seine Meinung nicht teilen, viele sind nicht so pessimistisch. Andererseits steht er mit der Kritik, die er gerade während der Digitalkonferenz DLD in München vorgebracht hat, durchaus nicht alleine. Die Debatte darüber, ob die sozialen Medien die Gesellschaft eher näher zusammenbringen oder stärker polarisieren, läuft auf Hochtouren. Netzaktivist Jaron Lanier beispielsweise rät dazu, sofort alle eigenen Accounts zu löschen.

          „Wir können keine faire Gesellschaft haben, wenn uns nicht unsere eigene Identität gehört“, postuliert wiederum Tapscott. Er beklagt, dass der gesellschaftliche Diskurs stärker fragmentiert sei als noch vor Jahren. Und er zeigt eine Grafik, in der zu sehen ist, wie die Zahl der Zeitungen schrumpft und andererseits die Menschen mit Informationen überladen werden.

          „Eine zweite Ära des digitalen Zeitalters“

          Die Kluft zwischen der politischen Rechten und Linken sei größer geworden, gerade hätte „die Rechte die Oberhand“. Wer ihm zuhört, fragt sich zuweilen, ob seine Kritik am Internet wirklich so groß wäre, wenn nicht gerade die „Donald-Trump-Show“ (Tapscott) liefe, sondern die Amerikaner stattdessen einen (ihm) genehmeren Präsidenten gewählt hätten.

          Um die Welt zum Besseren zu wenden, setzt Tapscott auf eine bestimmte Technologie, die Blockchain. Mit ihrer Hilfe ließe sich, so sagt er voraus, der Datenschutz verbessern, Macht im Netz gleichmäßiger verteilen und eine „zweite Ära des digitalen Zeitalters“ einläuten, die zu mehr Wohlbefinden für die allermeisten führe. Nicht weniger als einen „neuen Gesellschaftsvertrag“ bewirbt er. Ob das tatsächlich nötig ist – wer weiß?

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