https://www.faz.net/-gqe-9vlaf

Snapchat-Gründer in München : „Ich liebe Tiktok“

Der Snapchat-Gründer Evan Spiegel auf der Digitalkonferenz DLD am 19.01.2020 in München Bild: dpa

Snapchat-Gründer Evan Spiegel spricht bemerkenswert wohlwollend über seinen Konkurrenten Facebook. Und er sagt: „Tiktok kann größer werden als Instagram.“

          2 Min.

          Nicht selten hängt die Laune eines Chefs maßgeblich vom Aktienkurs ab. Wenn der fällt, ist er grantig. Steigt er, strahlt er. Oder natürlich sie.

          Gustav Theile

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Snapchat-Gründer Evan Spiegel aber wirkt an diesem Abend in München gar nicht wie ein Chef, der sich um den Aktienkurs seines Unternehmens große Sorgen macht. Er hätte freilich allen Grund, entspannter zu sein als noch vor etwa einem Jahr. Denn der Snap-Aktienkurs hat sich innerhalb der vergangenen 12 Monate vervierfacht. Kurz vor Weihnachten 2018 lag er bei unter 5 Dollar, viele fragten sich nur noch, welcher Tech-Konzern Snapchat denn nun aufkaufen würde; inzwischen kratzt der Kurs wieder an der 20-Dollar-Marke.

          Spiegel sitzt hier auf dem Podium der Digitalkonferenz DLD und spricht eher wie ein Aktivist oder ein Künstler. Dass Snap von nicht wenigen als ausgelagertes Entwicklungslabor von Facebook angesehen wird, weil das Zuckerberg-Unternehmen regelmäßig erfolgreiche Snapchat-Entwicklungen zu kopieren scheint? Spiegel ficht das nicht an: „Wir wären verärgert, wenn wir nicht noch viel mehr Ideen hätten.“ Stattdessen verteidigt er Facebook sogar fast: „Die Kopie ist ein Weg, wie unsere Ideen sich in der Gesellschaft verbreiten. Die Stories-Funktion wird jetzt sehr viel genutzt und ist der am weitesten verbreitete Weg, wie Menschen auf ihrem Handy mit Inhalten interagiere.“ Er findet, dass das Kopieren Teil des kreativen Prozesses ist. Ideen seien ja nicht knapp und müssten auch nicht beschützt werden. Es klingt, als wäre auch in anderen Branchen jedes Patentrecht überflüssig.

          Der Anti-Zuckerberg

          Ähnlich wohlwollend äußert sich der Snapchat-Gründer über den anderen großen Konkurrenten. Denn Tiktok ist in einer ähnlichen Altersgruppe beliebt wie Snapchat und die am schnellsten wachsende Plattform unter den großen Sozialen Medien. Doch auch dazu sagt Spiegel nur: „Ich liebe Tiktok, ich bin ein großer Fan.“ Die Plattform könne sogar größer werden als Instagram, meint er. Der Inhalt auf Tiktok basiere auf Talent, auf Instagram gehe es um Status. „Ich glaube, dass auf Talent basierender Inhalt spannender ist als Inhalt, der auf Status basiert“, erklärt er.

          Spiegel wird in seinen Äußerungen durchaus politisch. Snapchat habe immer gründlich zwischen Kommunikation und öffentlicher Ausstrahlung von Inhalten, wie beispielsweise von Fernsehsendern, unterschieden. Die Kommunikation sei privat und geschützt, für öffentliche Inhalte gebe es klare gesetzliche Regeln. Andere Plattformen als Snapchat, er spielt deutlich auf Twitter und Facebook an, vermengten die private Kommunikation und das öffentliche Ausstrahlen, weil jeder Inhalte verbreiten könne. Die Gesellschaft habe sich noch nicht geeinigt, wie sie damit umgehen wolle. Snapchat dagegen habe die Trennung dagegen immer eingehalten.

          Spiegel teilt die Bühne mit einem Künstler, mit dem Snapchat Projekte umsetzt. Sie sprechen über Inspirationen und die Bedeutung von Kunst. Spiegel spricht sanft, wirkt jung, entspannt und studentisch. Legt man den häufig roboterhaft und angespannt wirkenden Zuckerberg als Blaupause gedanklich daneben, versteht man wohl nicht nur, warum Facebook so viel unbeliebter ist als der Snap-Konzern. Man erhält auch eine Idee davon, warum er erfolgreicher ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Auf sich allein gestellt: Migranten im spanischen Lepe

          Asylbewerber ohne Hilfe : Nach Spanien kommen kaum noch Migranten

          Vor der Corona-Krise landeten zeitweilig nirgendwo in Europa so viel Migranten wie in Spanien. Jetzt kommen nur sehr wenige. Die 120.000 Asylbewerber, die sich bereits im Land befinden, sind nun auf sich allein gestellt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.