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Markus Söder im Gespräch : „Wir sind auf dem Weg in eine blockierte Republik“

Bild: F.A.Z.

Deutschland fehlt Forschergeist, warnt Bayerns Ministerpräsident. Er spricht über Künstliche Intelligenz, den Umgang mit Huawei – und warum Captain Kirk für ihn schon vor Franz Josef Strauß ein Held war.

          10 Min.

          Herr Ministerpräsident, haben Sie Angst vor der Künstlichen Intelligenz?

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Nein. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Künstliche Intelligenz wie jeder technische Fortschritt in der Geschichte am Ende das Leben besser, sicherer und interessanter machen wird. Die KI wird im Rückblick vergleichbar sein mit der Erfindung der Dampfmaschine, sie wird eine Tür aufstoßen zu völlig neuen Dimensionen von Wissen und erleichtertem Leben.

          Bislang hat technischer Fortschritt vor allem menschliche Muskelkraft ersetzt, es gibt Maschinen, die können schwerer heben als wir Menschen. Jetzt entsteht Konkurrenz zu unserem Gehirn.

          In der Künstlichen Intelligenz geht es nicht darum, Menschen zu ersetzen oder schlechte Science Fiction zu betreiben. Im Grunde genommen geht es darum, dass wir tatsächlich lernende maschinelle Entwicklungen haben. KI ist eine Riesenchance. Wir brauchen keine Angst vor ihr haben, sondern werden sie gestalten.

          Das versuchen auf der Welt sehr viele mit sehr großen Summen, allen voran China und die Vereinigten Staaten. Sie haben auch in Reaktion darauf die Hightech Agenda Bayern auf den Weg gebracht. Was ist denn der Anspruch, den Sie damit verknüpfen?

          Im Fußball gilt der Grundsatz „Geld schießt Tore“. In der Forschung ist es genauso. Nötig ist einerseits eine Menge an Investitionsmöglichkeiten, andererseits aber auch die Freiheit, forschen zu können. Wir müssen auf das, was in den Vereinigten Staaten und China stattfindet, unsere Antworten geben. Die aktuelle Diskussion um Huawei und 5G zeigt doch, wie es um uns bestellt ist: Früher wäre ganz klar gewesen, dass Deutschland ein Siemens-Netz nimmt, jetzt müssen wir uns zwischen schwierigen Alternativen entscheiden. Wir brauchen wieder eigene Kompetenz. Wir müssen aufpassen, dass uns nicht unsere Forscher abgeworben werden mit teils hohen Summen. Da wollen wir in Bayern dagegenhalten. Wir loben jetzt einhundert KI-Lehrstühle aus, 50 sind schon fest vergeben und 50 werden durch einen KI-Wettbewerb ermittelt.

          50 sind schon vergeben?

          Ja. Wir wollen Bayern zum führenden KI-Distrikt Deutschlands machen – mit einem KI-Netzwerk, dessen Zentrum München ist, mit regionalen Knotenpunkten an den Universitäten, in Erlangen, Würzburg, Augsburg, Ingolstadt. Da geht es jeweils um thematische Schwerpunkte wie Gesundheit, Data Science oder Mobilität. Jetzt beginnt gerade der Wettbewerb für weitere 50 Lehrstühle zwischen den übrigen Universitäten und Hochschulen, die dies wie ein Computer-Rechennetzwerk ergänzen sollen. Allein das gibt einen Riesenschub an Innovation.

          Tech-Konzerne wie Google oder Facebook bieten gute Gehälter und erlauben ihren Mitarbeitern, Grundlagenforschung zu betreiben, Paper zu publizieren und an Fachkonferenzen teilzunehmen. Sie müssen doch sicher mehr bieten als gewöhnliche Professoren-Vergütungen?

          Natürlich. Heute halten wir in Deutschland und in Bayern noch mit China und den Vereinigten Staaten auf Augenhöhe mit. Es geht aber darum, ob wir auch künftig im Spiel bleiben. Deshalb müssen wir investieren. Wir loben nicht nur einen Lehrstuhl aus, der verbunden ist mit enormen Sachausstattungen, Assistenten oder Lehrmitteln. Wer einen KI-Lehrstuhl hat, soll auch mehr Zeit für die Forschung haben. Und wir bezahlen mehr mit Exzellenzprofessuren.

          Sie werben mit mehr Geld und mit mehr Freiheit zur Forschung.

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