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Tech-Konferenz DLD : „Es ist fast so weit“

Idealab-Chef Bill Gross am Montag auf der DLD. Bild: Picture-Alliance

Der Ingenieur Bill Gross schwärmt von erneuerbaren Energieträgern. Und stellt eine Idee vor für ein nach wie vor bestehendes Problem.

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          Seit Bill Gross 15 Jahre alt ist, hat er einen Traum. In diesem Traum wird die Menschheit mit ausreichend Energie versorgt – ohne dafür die begrenzten Ressourcen des Planeten aufbrauchen zu müssen. 46 Jahre später steht der Amerikaner in München auf der Bühne der Digitalkonferenz DLD und verkündet voller Euphorie: „Es ist fast so weit.“ Es fehle nicht mehr viel, glaubt er, bis die erneuerbaren Energieträger fossile Brennstoffe ablösen könnten.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Höchste Zeit, sagt Gross, der Gründer und Geschäftsführer von Idealab ist, ein Start-up-Studio mit Sitz in Kalifornien. „Bislang befinden wir uns auf einem schrecklichen Pfad“, findet er und behauptet mit drastischen Worten: „Die Energiebranche hält uns in Geiselhaft.“

          Gross kritisiert, dass die Produzenten klimaschädlicher Treibhausgase weiterhin nicht zur Verantwortung gezogen würden, beispielsweise durch eine CO2-Steuer. „Wir benutzen die Atmosphäre als Mülldeponie.“ Und das Ende der Fahnenstange sei noch lange nicht erreicht, im Gegenteil: „Überall auf der Welt wollen die Menschen so leben wie in den Industriestaaten.“ Waldbrände, Dürre, Stürme: Das alles, warnt Gross, werd in den nächsten Jahren zunehmen.

          Doch der Ingenieur hat gute Nachrichten zur DLD mitgebracht. „Die Sonne gibt uns jeden Tag das Zehnfache der Energie, die wir benötigen.“ Nicht zu vergessen der Wind.

          Um das nutzen, gilt es aus seiner Sicht, mehrere Hürden zu überwinden. Erstens: Neue Wind- und Solaranlagen müssen günstiger werden als vergleichbare neue konventionelle Kraftwerke. Dies sei im Jahr 2015 erreicht worden. Zweitens: Die Erneuerbaren müssen günstiger werden als Energie aus bestehenden Kraftwerken. Auch diese Zielvorgabe seit mit Ende des vergangenen Jahres erfüllt worden - allerdings mit einem Haken: „Die Erneuerbaren haben gewonnen – nur leider nur zur falschen Tageszeit“, sagt Gross.

          Und stellt schließlich die drängendste Frage, die es noch zu beantworten gelte: Wie kann das Problem gelöst werden, dass sich die Natur eben nicht nach der Uhr der Menschen richtet. Wie kann diese Energie gespeichert werden, damit die Erneuerbaren auch unter Berücksichtigung der Kosten für die Speicherung fossile Brennstoff schlagen können?

          Überall auf der Welt arbeiten Unternehmen und Forscher mit Hochdruck daran, diese dritte und letzte Hürde zu nehmen, zum Beispiel Tesla und jüngst auch Google mit der Unterstützung von Bill Gates. Gross hat selbst eine Idee: Der „Energy Vault” von Idealab. Ein Zementturm, der mithilfe eines Roboterkrans aufgestellt wird und das Speichern von Energie fünf Mal günstiger machen soll als mit Batterien und vier Mal günstiger als mit Pumpspeichern.

          Durchschnittlich fünf Cent, sagt Gross, kostet eine Kilowattstunde Energie aus fossilen Brennstoffen. Die Erneuerbaren schaffen drei Cent, die bislang noch hohen Kosten für die Speicherung nicht berücksichtigt. Mit dem Energy Vault, so Gross, könnten die Kosten inklusive Speicherung auf 5,5 Cent gedrückt werden. Zur Erfüllung seines Traums fehle also nur noch ein halber Cent. 

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