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Heimautomatisierer aus Amerika : Nest überwacht bald Deutschland

  • -Aktualisiert am

Kommt das smarte Nest-Thermostat bald auch nach Deutschland? Bild: AFP

3,2 Milliarden Dollar hat Google vor drei Jahren für Nest bezahlt. Jetzt kommt das Unternehmen nach Deutschland - und verspricht „wirklich smarte Produkte“.

          2 Min.

          Das amerikanische Unternehmen Nest Labs war einmal so etwas wie das aufstrebende Nachwuchssternchen auf dem Weg zur Berühmtheit im Silicon Valley. Google hat vor drei Jahren 3,2 Milliarden Dollar für das Unternehmen bezahlt, das kluge Thermostate entwickeln und damit Millionen Häuser smarter machen wollte. Nach einigen Rückschlägen sind die Investoren von Googles Muttergesellschaft Alphabet, zu denen Nest Labs als eigenständiges Unternehmen inzwischen gehört, reichlich entnervt. Denn das Geschäft brachte für den hohen Kaufpreis bislang nicht die erwünschten Rendite ein.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Trotzdem hat Nest eigenen Angaben zufolge in den Vereinigten Staaten und in Europa, etwa in den Niederlanden, zufriedene Kunden. Inzwischen bietet das Unternehmen aus Palo Alto vier Produkte an: Je eine Überwachungskamera für den Innen- und Außenbereich, einen mitdenkenden Rauchmelder und eíngangs erwähntes Thermostat. In Deutschland gibt inzwischen zahlreiche Anbieter von Überwachungskameras. Der Wunsch der Verbraucher nach Sicherheit und Heimüberwachung nimmt offenbar zu.

          Über fünf Jahre nach der Gründung wagt sich Nest Labs nun auf den deutschen Markt vor, wie Mitgründer Matt Rogers auf der Digitalkonferenz DLD in München sagte. Rogers ist für die Produkte zuständig, von denen allerdings nicht alle gleichzeitig hierzulande erhältlich sein werden. Während die Kameras und der Rauchmelder von Februar an erhältlich sein sollen, lässt der Thermostat noch auf sich warten.

          Rauchmelder, die zwischen Wasserdampf und richtigem Rauch unterscheiden?

          „Deutsche Boiler gehören zu den anspruchsvollsten der Welt“, sagte Rogers im Gespräch mit dieser Zeitung. Hierzulande hat sich Rogers Vertriebspartner mit Reichweite gesucht: neben Amazon und Händlern wie Media Markt und Conrad verkauft die Versicherung Cosmos Direkt die Produkte. Die Logik dahinter: Wer sein Haus überwacht, meldet weniger Versicherungsfälle. Dadurch verändern sich auch die Tarife für Versicherungspolicen.

          In Deutschland gibt es nach Recherchen von Nest alle drei Minuten Feueralarme. „Feuerwehrleute hassen das“, sagt Rogers. Denn die Fehlalarme sind in der Mehrheit, Nest lebt davon, dass die bisherigen Lösungen etwa bei Rauchmeldern fast allesamt für Kunden recht unzufriedenstellend sind. Nest verspricht, dass ihre Produkte nicht nur scheinbar, sondern wirklich smart sind: so würden die Rauchmelder zwischen Wasserdampf und richtigem Rauch unterscheiden können, die Kameras hätten Mikrofone, mit denen man ungebetene Besucher abschrecken könnten.

          „Denn nichts ist frustrierender, als wenn man einem Einbrecher über eine App dabei zuschauen kann, wie er durch das Fenster steigt – aber nicht handeln kann“, sagt Rogers. Dafür, dass Nest seiner Muttergesellschaft bisher kaum Freude gebracht hat, ist der Mitgründer noch sehr überzeugt von der Idee. Und benutzt sie auch: Auf Nachfrage zeigt er in wenigen Sekunden die Überwachungskameras und Temperatur in seinem Zuhause. Vorteile im Vergleich mit Wettbewerbern sieht Rogers in der engen Zusammenarbeit mit der Google-Familie:

          So profitiere Nest von den Entwicklern zu maschinellem Lernen genauso wie von dem großen Sicherheitsteam, welches das System immer wieder auf seine Störanfälligkeit hin überprüfe. Nachdem im Herbst Millionen vernetzte Geräte im „Internet der Dinge“ gehackt wurden, ist Sicherheit als Verkaufsargument gegenüber Kunden abermals wichtiger geworden.

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