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Tech-Konferenz DLD : Gewinnt China das Rennen um die Künstliche Intelligenz?

Kai-Fu Lee auf der DLD-Bühne in München. Bild: DLD

Kai-Fu Lee kennt sich mit schlauen Computern aus wie wenige andere. Auf der DLD spricht der Technik-Experte über das Wettrennen der Supermächte.

          Welche Folgen hat der Fortschritt in der Künstlichen Intelligenz? Kai-Fu Lee kennt sich mit dem Thema so gut aus wie wenige andere. Der Informatiker hatte einst das Google-Geschäft in China aufgebaut. Mittlerweile leitet er die in Peking ansässige Wagniskapitalgesellschaft Sinovation Ventures und erfreut sich auf allen Social-Media-Kanälen an Followerzahlen in Millionenhöhe.

          Alexander Armbruster

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          Vor großen Vergleichen scheut er nicht zurück. KI werde Veränderungen auslösen wie die Elektrizität: „Die mächtigsten Konzerne der Welt erfinden sich gerade als KI-Unternehmen neu“, sagte er auf der Bühne der Tech-Konferenz DLD in München. Und meint damit neben Google auch Microsoft oder Amazon.

          Doch nicht nur zwischen Unternehmen ist ein harter Wettstreit darüber entbrannt, wer die Nase vorne hat und haben wird. Auch zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, den Vereinigten Staaten und China, läuft das Rennen – und es ist, sagt Kai-Fu Lee, noch nicht entschieden. Während er Amerika weiterhin leicht in Führung sieht, habe das Reich der Mitte schon stark aufgeholt und inzwischen sogar einige Vorteile, besonders wenn es darum gehe, mit entsprechenden Anwendungen Geld zu verdienen. Aufgrund der Bevölkerungszahl gibt es in China schlicht viel mehr Internetnutzer und damit auch mehr Daten. Diese umfangreichen Datensätze sind neben schnelleren Rechnern essentiell, um die sogenannten künstlichen neuronalen Netze zu trainieren: „Wenn Daten das neue Öl sind, dann ist China die neue Opec.“

          Die Führung in Peking hat sich längst ambitionierte Ziele gesetzt und hohe finanzielle Mittel mobilisiert, um China zur führenden KI-Nation des Planeten zu machen. Kai-Fu Lee hebt aber hervor, dass der chinesische Erfolg bislang vornehmlich privatem Kapital und Unternehmertum zu verdanken habe – in Anspielung beispielsweise auf Jack Ma, den Gründer des chinesischen Internetgiganten Alibaba.

          Für die kommenden fünf Jahre sagt er ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Amerika und China voraus. Chinesische Unternehmen werden ihre Dienste immer häufiger auch international anbieten: „Es gibt keinen Grund, warum chinesische Software nur auf dem chinesischen Markt gewinnen kann.“ Die Frage, ob er Amerika und China in einem kalten Krieg sieht, in einer langen strategischen Auseinandersetzung, wie das Sicherheitsfachleute nicht nur in Washington mittlerweile denken, beantwortet er mit einem Nein. Noch. Das sei aber, „wenn die gegenwärtigen Spannungen andauern“, ein Risiko.

          Mit Blick auf die derzeit tobende Diskussion um Datenschutz und Privatsphäre im Internet, sprach Kai-Fu Lee eine Warnung aus. Er verstehe zwar die Sorgen vieler Menschen und auch der Politiker. Sie müssten sich aber immer bewusst sein, dass mehr Wertschöpfung und mehr Datenschutz nicht Hand in Hand gehen, sondern eben mindestens teilweise auch gegensätzlich seien. Mit einem Schmunzeln sagte er, wenn die nächste Version des im vergangenen Mai auf den Weg gebrachten europäischen Regelwerkes (GDPR) komme, sollten nicht nur Ethiker im Raum sein, sondern auch Technik-Fachleute.

          Eine große Herausforderung sei zudem, wie sich KI auf die Arbeitsmärkte auswirke. Kai-Fu Lee geht nicht von einer Massenarbeitslosigkeit aus. Entscheidend werde sein, wie es gelinge, möglichst viele Menschen umzulernen, weil es eben einige Berufe nicht mehr geben werde, andere sich stark verändern werden und schließlich neue Berufsbilder entstehen werden. „Aber ich weiß nicht, welche“, gab er zu. Computerprogramme werden seiner Ansicht nach jedenfalls menschliches Einfühlungsvermögen nicht fälschen können – wo das entscheidend sei, werde auch künftig genügend Arbeit für Menschen bleiben. Mindestens.

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