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DLD-Chefin zur Digitalisierung : „Wir müssen die Angst überwinden“

DLD-Gründerin Steffi Czerny Bild: Andreas Gebert

Vor 14 Jahren gründete Steffi Czerny die DLD. Im Interview erklärt die Münchnerin, warum schon kleine Kinder den Umgang mit Daten lernen müssen – und ob die Ursprungsidee des Internets gescheitert ist.

          Frau Czerny, DLD steht für „Digital Life Design“. Wie erklären Sie jemandem die Konferenz, der noch nie da war?

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die DLD konzentriert sich nicht nur auf Technologie, Wirtschaft oder Lifestyle, sondern diskutiert über die brennendsten Themen, die die Welt verändern und uns alle bewegen. Hierfür rücken wir die Menschen ins Rampenlicht, die an vorderster Front dieser Veränderungen stehen – Tech-Pioniere, Unternehmenslenker, Politiker, aber auch Künstler und Wissenschaftler. Ganz bewusst ist die DLD interdisziplinär und wie eine begehbare Zeitschrift mit einem Politik-, Wirtschafts-, Feuilleton-, Medien- und Lifestyleteil gestaltet.

          In diesem Jahr steht die Konferenz unter dem Motto „Optimismus und Mut“. Warum haben Sie diesen Titel gewählt?

          Die Digitalisierung verändert alles, deshalb müssen wir uns darauf einstellen, dass Themen wie zum Beispiel Privatheit, wie wir sie bisher kannten, vorbei sind. Nehmen Sie nur den jüngsten Hackerangriff auf Politiker und Journalisten – das war wohl ein Teenager in seinem Kinderzimmer. Was können professionelle Hacker dann erst alles anrichten? Was bedeutet das für uns? Wir müssen uns als Gesellschaft viel mehr mit dem auseinandersetzen, was auf uns zukommt. Bislang herrscht in Deutschland vor allem Angst, Sorge, Betrübnis. Das müssen wir überwinden, denn mit einer solchen Haltung wird es schwer, den Wandel positiv mitzugestalten. Wir müssen die Gesellschaft mobilisieren, einen kritischen Optimismus an den Tag zu legen. Dafür braucht es Mut und Neugier, um aus alten Denkmustern auszubrechen.

          Sind die Ängste der Menschen nicht berechtigt?

          Die Menschen sorgen sich, dass sie durch die Digitalisierung ihren Job und auch den Anschluss verlieren. Sie fühlen sich teilweise zu alt oder schlecht ausgebildet, fürchten, zwischen Amerika und China eingeklemmt zu werden. Das sind berechtigte Sorgen, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Mit der DLD wollen wir einen Kontrapunkt zur Negativmalerei setzen. Ängsten begegnet man am besten, indem man sich ihnen stellt, das Neue kennenlernt, sich damit auseinandersetzt und von allen Seiten beleuchtet. Viel zu oft beschwert man sich über den digitalen Wandel, weiß aber eigentlich viel zu wenig darüber. Können Sie zum Beispiel programmieren?

          Nein.

          Ich auch nicht. Aber ich könnte es gerne und es wäre wichtig.

          Nicht alle können Coder werden. Wie genau stellen Sie sich die Auseinandersetzung mit dem Digitalen dann vor?

          Natürlich möchte ich nicht aus jedem einen Computerwissenschaftler machen. Aber je mehr die Menschen wissen, desto besser können sie Prozesse durchschauen und selbst eingreifen. Wir brauchen zum Beispiel dringend eine Digitalerziehung. Kindern sollte man schon im Kindergarten erklären, wie viele Daten sie im Netz hinterlassen, sie auf die Risiken hinweisen. So wie Kinder Rechnen und Schreiben lernen, ist es wichtig, dass sie das Digitale verstehen lernen. Denn die Digitalisierung kann neben viel Gutem auch schreckliche Dinge mit sich bringen. Es ist deshalb umso wichtiger, dass wir uns informieren und ausreichend Wissen aneignen. Denn was man nicht kennt, kann man auch nicht schützen. Das gilt nicht nur für das Privatleben, sondern auch für die Arbeitswelt. In fast jedem Konzern gibt es mittlerweile eine IT-Abteilung. Sprechen Sie mit den Kollegen und lassen Sie sich erklären, wie wo und wann Sie Datenspuren hinterlassen.

          Durch Hackerangriffe, Fake News und Hass im Netz ist die digitale Welt in jüngster Zeit in Verruf geraten. Ist das Internet ein schlechter Ort, ist die Idee gescheitert? 

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