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DLD-Chefin Steffi Czerny : „Uns fällt es viel leichter zu kritisieren, als selbst etwas zu tun“

Steffy Czerny im Jahr 2019 auf der DLD-Konferenz Bild: Daniel Grund

Die DLD in München ist seit Jahren das Tech-Treffen in Deutschland. Gründerin Steffi Czerny erzählt, wer diesmal kommt, und welche Themen sie umtreiben.

          5 Min.

          Das diesjährige Motto der DLD lautet „What are you adding“ – also „Was ist dein Beitrag?“. Was hat es damit auf sich?

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Die digitalisierte, globalisierte Welt bietet uns große Chancen, sie stellt uns aber auch vor gewaltige Herausforderungen. Es werden derzeit viele gesellschaftliche Probleme thematisiert, aber uns fällt es viel leichter zu kritisieren, als selbst etwas zu tun. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder von uns die Aufgabe und Möglichkeit hat, sich aktiv einzubringen – im Geschäftsleben, durch gesellschaftliches, wissenschaftliches oder politisches Engagement, aber auch im persönlichen Leben. Mit dem diesjährigen Motto „What are you adding?“ – Betonung auf YOU– wollen wir den jetzt notwendigen internationalen Diskurs mit herausragenden Vorbildern unserer Zeit anregen. Damit die Welt eine bessere wird, sollte sich jeder nach seinem eigenen Beitrag fragen und sich aktiv einbringen. Das Motto ist also ein Aufruf zum Handeln und lässt bewusst offen, auf welchem Gebiet.

          Dieses Jahr werden über 200 Vortragende aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur auf der DLD erwartet. Was ist ihr besonderer Beitrag?

          Das Besondere an DLD ist, dass wir Menschen in Kontakt bringen, die sich gegenseitig inspirieren, selbst wenn sie im Alltag oft wenig miteinander zu verbinden scheint – Kreative und Wissenschaftler, Jung und Alt, Industrielle und Aktivisten, Politiker und Künstler. Mir ist es wichtig, kreative und sinnstiftende Dialoge anzustoßen, die über das Programm hinausgehen.

          Können Sie ein paar Namen nennen? 

          Ich freue mich zum Beispiel auf den Computerwissenschaftler Sebastian Thrun, der von einem weltverändernden Thema zum nächsten springt. Er lehrte Künstliche Intelligenz in Stanford und wurde dann von Google-Gründer Larry Page damit beauftragt, die Forschungsabteilung Google X aufzubauen. Später gründete er mit Udacity eine Online-Akademie, die schon Millionen Studenten in Computerwissenschaften ausgebildet hat. Spannend wird auch der Vortrag von der Digitalaktivistin Joy Buolamwini vom MIT Media Lab, die Vorurteile in Algorithmen bekämpft. Auch den Facebook-Investor Roger McNamee, der inzwischen sehr kritisch über Mark Zuckerberg denkt, oder den Designer Gadi Amit, der unter anderem das Fitbit-Armband gestaltet hat und jetzt an innovativen Hausideen arbeitet, sollte man nicht verpassen. Ebenso wie den ehemaligen Schachweltmeister Garry Kasparov oder den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, die auch als Sprecher bei DLD sein werden. Und natürlich Tristan Harris, der als das Gewissen des Silicon Valleys gilt und auf den ich mich besonders freue.

          Einen großen Block der Sprecher machen Künstler aus. Welche Rolle nehmen sie in der fortschreitenden Digitalisierung unserer Welt ein?

          Künstler waren schon immer ein wichtiger Bestandteil des DLD-Programms und liegen mir besonders am Herzen. Als Seismographen unserer Zeit spielen sie eine so wichtige Rolle und werden doch oft übersehen, dabei lassen sich gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen früh an künstlerischem Ausdruck erkennen. Wir werden bei DLD zehn Sprecher aus dem künstlerischen Bereich auf der Bühne begrüßen, beispielsweise den Multimedia-Künstler Alex Israel gemeinsam mit dem Snapchat-Gründer Evan Spiegel. Sie werden aufzeigen, wie immersives Storytelling funktioniert – eines der wie ich glaube großen Medienthemen der Zukunft. Künstler können auch schwer verständliche Themen entmystifizieren. Denn wer weiß schon, wie eng Kunst und Mathematik miteinander verwandt sind? Bei DLD20 werden sich der Oxford-Professor Marcus du Sautoy und der mexikanische Künstler Eduardo Terrazas über den „Creativity Code“ unterhalten. 

          Welche Themen werden die DLD dieses Jahr besonders beschäftigen?

          Ein wichtiges Thema für Burda und DLD Munich sind Demokratie und freie Rede und die Aufgabe des Journalismus, diese zu verteidigen. Wie steht es um die Zusammenarbeit in Europa? Werden wir zur Ideenfabrik für Amerika und China degradiert oder gelingt es uns, dem Klammergriff zu entgehen und eigene Visionen voranzutreiben? Wir widmen auch einen großen Themenblock der Quantentechnolgie. Stellen wir uns nur einmal vor, was passiert, wenn diese tatsächlich im Alltag zum Einsatz kommt und wie sehr sich die Welt entlang der Schnelligkeit von Quantencomputern verändern wird. Darauf müssen wir uns schon jetzt vorbereiten und um Aufklärung bemühen, damit wir die Entwicklungen in diesem Bereich aktiv mitgestalten können. Auch zum Thema Gesundheit haben wir zwei faszinierende Themen auf der DLD-Agenda: Der britische Forscher Robin Carhart-Harris wird über die medizinische Wirkung von psychedelischen Drogen sprechen bei der neuen Volkskrankheit Depression. Und der Amerikaner William Li erklärt, wie Ernährung helfen kann, Krebs zu besiegen. Darüber hinaus werden wir uns bei DLD auch mit dem neuen Aufbruch ins Weltall beschäftigen.

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