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DLD-Chefin Steffi Czerny : „Uns fällt es viel leichter zu kritisieren, als selbst etwas zu tun“

Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird auf der DLD über die Digitalisierung in Europa sprechen. Was erwarten Sie von ihrer Amtszeit?

Frau von der Leyen hat in ihrer Antrittsrede vier Themen genannt, die sie in den Fokus stellen möchte: Europa zwischen Amerika und Asien, Ökologie, Geschlechtergerechtigkeit und Digitalisierung. Sie hat verstanden, was wichtig ist und ich hoffe sehr, dass sie die hier notwendigen Veränderungen durchsetzen kann.

Stichpunkt Parität: Wie ist es damit auf der DLD bestellt?

Uns war es immer schon wichtig, eine Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen auf der DLD-Bühne herzustellen. Wir gehen in diesem Jahr sogar ganz explizit in einem Panel der Frage nach, wie es um die Geschlechtergleichheit in Zeiten der Digitalisierung steht. Eine andere Diskussionsrunde beschäftigt sich mit der Frage, ob Frauen anders investieren als Männer. Grundsätzlich birgt die Digitalisierung für uns Frauen Chancen und Risiken gleichermaßen – ich sehe aber immer mehr die Chancen als die Risiken. Durch flexibles Arbeiten von zu Hause können Frauen heutzutage zum Beispiel viel besser Familie und Beruf vereinbaren als früher. Risiken sehe ich beispielsweise im Bereich Femtech bzw. Fitness- und Verhütungs-Apps: Mit den dort gesammelten Daten wird derzeit noch viel Schindluder getrieben.

Das Jahr 2019 war das Klimajahr. Überall auf der Welt gingen Millionen vor allem junge Menschen auf die Straße, Greta Thunberg wurde zur Symbolfigur im Kampf gegen den Klimawandel. Spielt das auch auf der DLD eine Rolle?

Der Klimawandel und nachhaltiger Konsum sind ganz entscheidende Themen unserer Zeit, deshalb nehmen sie eine wichtige Rolle bei der DLD ein. Wir geben zum Beispiel in einem mehr als einstündigen Block zehn spannenden Innovatoren im Bereich Nachhaltigkeit die Möglichkeit, ihre Visionen für eine bessere Zukunft vorzustellen. Darüber hinaus widmen wir uns in einem Vortrag dem Thema nachhaltige Investments. Immer mehr Banken und Investoren suchen nach ökologischen Alternativen und es gibt bereits viele Start-up-Initiativen in diesem Bereich. Ich hoffe sehr, dass die Fridays-For-Future-Bewegung wirklich etwas in Gang setzen kann, wir offener den Herausforderungen unserer Zeit begegnen und konkrete Lösungen erarbeiten, als nur Kritik zu äußern.

Viele Messen und Konferenzen in Deutschland sind gescheitert oder kämpfen um ihr Überleben, etwa die Cebit oder die Internationale Automobilausstellung. Wie steht es um die DLD?

Anders als viele andere Konferenzen ist die DLD nicht nur eine Veranstaltung, sondern ein internationales, interdisziplinäres Netzwerk. Viele Sprecher kommen immer wieder zu uns – nicht nur, um einen Vortrag abzuliefern, sondern um sich zu vernetzen, ihr Netzwerk zu pflegen und auszubauen. Was an der Coffeebar und auf den verschiedenen Abendevents passiert ist mindestens genauso wichtig wie das Geschehen auf der Bühne. So sind auf der DLD auch schon viele Investitionen entstanden und Partnerschaften geschlossen worden. Deshalb fordere ich meine Mitarbeiter auch dazu auf, zu jedem Namen ein Gesicht zu kennen, damit sie aktiv dazu beitragen können, die Teilnehmer untereinander zu vernetzen. Ich selbst renne während der DLD-Konferenz von Person zu Person, von Panel zu Panel. Andere machen eine Neujahrs-Diät, ich mache DLD.

Ein Ticket für die DLD kostet über 3000 Euro. Schließt das nicht weniger zahlungskräftige Gruppen der Gesellschaft davon aus, Teil des Netzwerkes zu werden?

Wir vermarkten die DLD nicht an ein breites Publikum, sondern richten uns gezielt an eine ausgewählte Gruppe von Entscheidern und Innovatoren, die Unternehmen und Themen voranbringen wollen. Nicht alle Teilnehmer bezahlen den vollen Preis, es gibt auch ein Kontingent kostenloser Tickets für Wissenschaftler, Studenten, Start-ups und andere spannende Organisationen. Ich finde es aber normal, dass Unternehmer und Investoren, die auf der DLD auch neue Kunden ansprechen und Geschäfte abschließen können, einen entsprechenden Preis für ihre Teilnahme zahlen.

DLD steht für Digital Life Design. Die Konferenz wird seit dem Jahr 2005 von Hubert Burda Media organisiert und findet dieses Jahr vom 18. bis 20. Januar zum 16. Mal in München statt. Darüber hinaus gibt es weitere Events in anderen Städten, zum Beispiel Singapur und Tel Aviv. 

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