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Digitalkonferenz : Wie Städte intelligenter werden

Digitale Nachbarschaft: Wie wollen wir in Zukunft leben? Bild: obs

Viele Bürger wünschen sich lebenswertere Städte. Die Digitalisierung kann dabei helfen. Doch nicht nur der Datenschutz ist ein Problem.

          Rushhour. Die Autos auf der Brücke bewegen sich im Schneckentempo vorwärts. Einmal angekommen, sind wie üblich alle Parkplätze belegt, die Schlange auf dem Bürgeramt ist endlos lang, und der nächste Termin beim Arzt ist auch erst in vier Wochen frei. Je voller die Städte werden, desto größer wachsen die Herausforderungen – und manchen Stadtverwaltungen gar über den Kopf.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung leben in Städten, in Deutschland sind es fast drei Viertel, und es werden immer mehr. Das komplexe sozioökonomische Gefüge der Stadt wankt und muss dringend überdacht werden. Wohnungs- und Parkplatzmangel, eine überforderte Verwaltung, schlechte Straßen, Luftverschmutzung oder der überfüllte Nahverkehr: die Schwachpunkte einer modernen Stadt sind vielfältig. Gleichzeitig steigt das Bedürfnis der Bürger nach einem besseren Service, kurzen Reaktionszeiten auf Ämtern und mehr Komfort in Gesundheitsvorsorge und Alltag. Immerhin 71 Prozent der vom Branchenverband Bitkom befragten Deutschen sind der Meinung, dass digitale Technologien eine höhere Lebensqualität in Städten ermöglichen würden.

          Die Voraussetzungen sind bereits geschaffen

          Einer, der das in die Hand nimmt, ist Timo Lundelius. Der Hamburger gründete 2012 das Projekt We-Build.City, eine Schnittstelle zwischen Stadtplanung, Software-Entwicklung und Bürgerbeteiligung. „Wir wollen unseren Alltag mit klügeren und offenen digitalen Lösungen verbessern und die Vorteile der Digitalisierung voll ausschöpfen“, sagt Lundelius. Anfragen erreichen ihn von überall: Wie ist die Trinkwasserqualität in meinem Viertel? Wie viel Geld gibt die Verwaltung in meinem Stadtteil für Wirtschaftsförderung aus, wie viel für Kitas? Die Menschen wollen demokratischere, kinderfreundliche Städte mit weniger Lärm, Staus und Wartezeiten. „Jeder von uns stand schon einmal an einer roten Ampel, keine Autos weit und breit. Was macht man?“, fragt Lundelius. „Ist man klug, wenn man stehenbleibt und gesetzeskonform bleibt – oder einfach nur ein Trottel auf einsamer Straße?“ Smart ist die Situation auf jeden Fall nicht.

          Die Voraussetzungen für smarte Städte sind an vielen Stellen bereits geschaffen: Die Daten existieren ohnehin. Die Kosten für die zusätzliche Veröffentlichung sind bei potentiell hohem Nutzen eher gering. „Alle Daten, die die öffentliche Verwaltung produziert und die von Steuergeldern bereits bezahlt wurden, sollten offen, maschinenlesbar und kostenlos zur Verfügung gestellt werden“, sagt Lundelius. Sein Team besteht aus ehrenamtlichen Stadtplanern und Entwicklern, die die Ideen der Bürger in Software-Lösungen umzusetzen versuchen. Mitarbeiten kann grundsätzlich jeder. Erst wenn das Konzept steht und stadtplanerisch möglich ist, wird programmiert.

          Schwerfällige Politik verhindert Innovationen

          Dennoch geht alles schneller als über die öffentliche Verwaltung. Das Potential ist riesig, andere Städte machen es schon vor: Liverpool bietet Informationen über die Auslastung von Verkehr und Nahverkehr – in Echtzeit. In Santander in Spanien informiert ein Sensor-System die Autofahrer über freie Parkplätze in der Stadt, und Stockholm legt Wert auf gute Luft und reduziert dank klugem Verkehrsmanagement die Fahrtzeiten um 50 Prozent und die Emissionen um 20 Prozent. Doch nicht überall ist man so fortschrittlich. Statt auf Open Data und volle Flexibilität zu setzen, verlässt man sich in Deutschland oft auf geschlossene IT-Lösungen mit langen Laufzeiten. „Und das, obwohl wir heute schon wissen, dass die Entscheidungen, welche wir in puncto Digitalisierung treffen, spätestens in fünf Jahren überholt sein werden“, kritisiert Lundelius. Offene Datensysteme hingegen können rasch an neue Anforderungen angepasst werden und sind für jedermann zugänglich.

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