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Digitalisierung : Retten wir jetzt die Welt?

Neue Energie für die Weltrettung: Mark Zuckerberg, seine Frau Priscilla Chan und ihre neu geborene Tochter Max. Bild: AP

Die Digitalisierung verheißt uns eine leuchtende Zukunft voller Gesundheit, Glück und Freizeit. Kann sie dieses Versprechen einlösen?

          5 Min.

          Wenn die Heilspropheten der digitalen Welt sprechen, dann verheißen sie uns eine strahlende Zukunft. Es geht gerade erst los. Großcomputer spielen mit uns in Quizshows: nett anzuschauen. Facebook und Whatsapp verbinden uns ständig mit der aktuellen Familie und den alten Bekannten: ja, schon in Ordnung. Google und Wikipedia vermitteln uns in Sekundenschnelle das Wissen der Menschheit, wo immer wir gerade sind: nicht ganz schlecht. Aber damit beginnt doch alles erst. Die Digitalisierung fegt Diktatoren aus ihren Sesseln. Und sie rettet Leben. Autos vermeiden Unfälle, weil sie sich selbst steuern, anstatt das fehleranfälligen Menschen zu überlassen. Schnelle Genanalysen erkennen Krankheitsrisiken und erlauben Abhilfe. Mark Zuckerberg verspricht seiner neugeborenen Tochter Großes: „Du oder deine Kinder werden eine Welt ohne Krankheiten erleben.“

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dass man solche Phantasien nicht in den Behandlungszimmern von Psychiatern, sondern in Chefetagen von Konzernen hört, ist schon an sich erstaunlich. In den vergangenen Jahrzehnten hat es die Menschheit geschafft, ihre Wirklichkeit in Zahlen zu packen – und sie hat Rechenmaschinen entwickelt, die diese Zahlen zu Wissen, Rat und Lebenshilfe verarbeiten. Diese Digitalisierung hat die Welt verändert. Kommt noch mehr?

          David Agus ist Arzt. Seit Jahren forscht er in den Vereinigten Staaten an Wegen, eine der wichtigsten Todesursachen der Welt zu bekämpfen: Krebs. In den Hügeln von Beverly Hills sucht er mit der Hilfe schlauer Datenanalysen nach Wegen, für Patienten eine persönliche Krebstherapie anzubieten. In San Diego hat er ein Start-up gegründet, das Millionen menschlicher Proteine analysieren soll, um Krankheiten genauer zu diagnostizieren.

          Doch nicht nur die Digitalisierung selbst soll Leben retten. In ihrem Windschatten gedeihen Genanalyse und Elektroautos. Flüchtlings-Integration soll mittels Apps einfacher funktionieren. Selbst mit dem Geld, das die Digitalisierung einspielt, soll die Welt verbessert werden. Von jetzt an arbeitet Facebook auch für das Gemeinwohl, verspricht Mark Zuckerberg: Er will alle seine Aktien wohltätigen Zwecken spenden. Sein Vorbild: Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau. Sie spenden seit Jahren mit ihrer Stiftung Geld – und selbst Entwicklungshelfer geben zu: Wenn die Menschheit heute Aids halbwegs unter Kontrolle hat, dann liegt das auch am Ehepaar Gates: an seinen Milliarden, an seinem rationalen Investitionsstil und an seiner Neigung, den Erfolg in Zahlen auszuwerten. Auch so bekämpft man Fluchtursachen.

          Inzwischen arbeitet die staatliche Entwicklungshilfe mit Gates zusammen. Die deutsche GIZ kooperiert mit der Stiftung und mit dem Software-Konzern SAP, um Cashew-Bauern in Afrika wettbewerbsfähiger zu machen. „Die Gates-Stiftung denkt eher wie ein Start-up als wie staatliche Verwalter“, sagt GIZ-Manager Ulrich Sabel-Koschella. Doch: Nicht alles geht mit der Gates-Stiftung. „Sie ist sehr technologiegläubig“, sagt der traditionelle Entwicklungshelfer. Manchmal bringt sie ein tolles Verhütungsmittel ins Land - aber denkt nicht daran, dass man die Menschen auch davon überzeugen muss, es zu nehmen.

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