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Tech-Konferenz DLD : Die nie endende Reparatur des Internets

Überwachung in China

Und an die Seite des großen Freiheitsversprechens, wonach das Internet das Individuelle stärkt und jeden Einzelnen ermächtigt gegenüber den ihn oder sie umgebenden Institutionen (Staat und Unternehmen), ist die Warnung getreten, dass vielleicht genau das Gegenteil dessen längst geschehen ist und weiter geschieht: dass Staaten und Weltkonzerne viel besser und effizienter das Verhalten unzähliger einzelner Menschen beeinflussen können als je zuvor.

Die chinesische Führung gilt dafür als mahnendes Symbol mit ihrem Plan, mit Hilfe eines auf Künstlicher Intelligenz basierenden sozialen Kreditpunktesystems das Leben im bevölkerungsreichsten Land der Erde lückenlos zu lenken. Russland steht fortdauernd im Verdacht, nicht nur die letzten amerikanischen Präsidentenwahlen beeinflusst zu haben.

Der Politologe Francis Fukuyama, berühmt geworden etwa für seine nicht eingetretene Prognose vom „Ende der Geschichte“, glaubt längst, dass sich die Hoffnung nicht erfüllt habe, mit Hilfe des Internets würden sich Demokratie und Freiheit rund um den Erdball verbreiten – autoritäre Regime haben seiner Ansicht nach schneller gelernt, wie sie diese Technologie für ihre Zwecke instrumentalisieren können. Welch ein Kontrast ist das zu der noch vor zehn Jahren in libertären Kreisen gelegentlich geäußerten Feststellung, das Internet stelle genau jene spontane Ordnung permanent her, von welcher der verstorbene freiheitliche Ökonom Friedrich August von Hayek gesprochen hatte.

Das Internet, so lässt sich die gegenwärtige Stimmung vielerorts zusammenfassen, bedarf dringend der Reparatur. Der Informatiker Tim Berners-Lee, der das in den neunziger Jahren gestartete World Wide Web einst erdachte, kümmert sich selbst darum. „Das Web wurde entwickelt, um Menschen zusammenzubringen und Wissen frei verfügbar zu machen“, stellt er seinen Grundsätzen eines „Vertrages für das Web“ voran, von dem er sich wünscht, dass möglichst viele ihn unterschreiben.

Und er fügt hinzu: „Jeder Mensch hat die Aufgabe sicherzustellen, dass das Web der Menschheit dient.“ Ein offenes Internet ist für ihn ein Grundrecht. Regierungen sollen seiner Meinung nach überall garantieren, dass sich jeder im Netz ohne Angst aktiv aufhalten kann. Von den Unternehmen verlangt er zum Beispiel, den Zugang für jedermann erschwinglich zu machen und persönliche Daten zu achten.

Das Ziel finden viele ehrenwert. Die Frage ist: Geht das überhaupt? Fachleute wie der aus Deutschland ausgewanderte Informatiker und Investor Andreas von Bechtolsheim bezweifeln, dass Berners-Lees Ambition realistisch ist. Für ihn spiegelt das Internet jene Konflikte, die es auch in der analogen Welt zwischen verschiedensten Interessengruppen gibt, die Vorteile für sich erzielen wollen auch auf Kosten anderer – und eben nicht aus der Warte eines Akteurs handeln, der das Wohl aller verbessern oder zumindest niemanden schlechter stellen möchte.

Zudem verweist er darauf, dass es faktisch nicht möglich ist, überall auf der Welt akzeptierte soziale Normen zu etablieren und diese durchzusetzen. „Die Natur repariert, weil etwas unvollständig, weil etwas nicht perfekt, weil etwas kaputtgegangen ist“, schreibt wiederum Wolfgang Heckl, der Direktor des Deutschen Museums in München: „Ihr Ziel ist aber nicht absolute Vollständigkeit oder Perfektion, denn die würde ein System zur Folge haben, das nicht zur Weiterentwicklung fähig ist.“ Das gilt auch für die Kultur, also das vom Menschen Erschaffene – im Analogen wie im Digitalen. Und ist kein Grund für Pessimismus. Im Gegenteil.

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