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Unsere Daten im Jahr 2030 : Runter von meiner Wolke

Im Film Wall-E leben die Menschen in einem Raumschiff und lassen sich alles an ihren bequemen Sessel liefern. Eigener Antrieb ist kaum noch nötig. Bild: dpa

Im Jahr 2030 ist der gläserne Mensch längst Realität, alles läuft vollautomatisiert über smarte Anwendungen. Wer nicht aufpasst, dem stehlen Hacker nicht nur Kreditkarten-Daten, sondern gleich das ganze Leben.

          Mein Smartphone vibriert: eine Warnung. Wieder einmal hat ein Hacker seine Hände nach meiner Brieftasche ausgestreckt. Mein „mobile wallet“ muss dringend auf den neuesten Stand gebracht werden – das letzte Sicherheitsupdate ist schon 24 Stunden her. Ich lade die neueste Version in die Cloud und verhindere einen weiteren Datenklau. Meine Krankengeschichte und meine Kapitalverhältnisse gehen schließlich niemanden etwas an. 

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Seit der elektronische Personalausweis alles beinhaltet – neben den Daten zu Adresse, Geburtsdatum und Augenfarbe eben auch die Gesundheitsinformationen, den Führerschein und sogar ein polizeiliches Führungszeugnis – dreht sich das ganze Leben um den Schutz der Daten. Der Terrorismus kommt längst nicht mehr über Schläfer ins Land. Fälle in denen Gesundheitsdaten zu gezielten Attentaten genutzt werden, mehren sich. Neulich musste ein sizilianischer Stadtrat in die Notaufnahme: Kontrahenten hatten von seiner Erdnussallergie erfahren und den Lieferservice gehackt. 

          Liebe Leser! Ihnen ist dieses Szenario zu pessimistisch? Dann lesen Sie hier unsere Daten-Utopie vom Leben voller smarter Annehmlichkeiten.

          Hacker sind den Behörden immer einen Schritt voraus. Ich sehne mich nach dem alten Personalausweis, der zwar in keinen Geldbeutel passte, aber den Besitzer wenigstens nicht zum Ziel von Netzterroristen machte. Das analoge Leben ist zu Ende. Alle arbeiten von Zuhause. Einkaufen geht von der Couch aus. Selbst der Arztbesuch läuft via Internet: Sensoren messen Temperatur, Pupillenweitung und Rötung und übermitteln die Daten. Die Diagnose kommt per Mail, das Beratungsgespräch fällt aus.

          Kaum noch Kontakte

          Die arbeitende Bevölkerung ist stark geschrumpft. Roboter haben in vielen Branchen die handwerkliche Arbeit übernommen. Auch die Infrastrukturpflege und der Verkehr laufen weitestgehend automatisiert. Viele Deutsche beziehen ein festes Grundeinkommen vom Staat, die Diskussion darüber war irgendwann obsolet. Für viele gibt es keine Arbeit – niemand macht so viele Überstunden wie Roboter. Das Haus verlasse ich kaum noch. Bank, Supermarkt, Arzt und Büro befinden sich in meiner Hosentasche. Den „Hausarzt“, der die letzte Grippe diagnostiziert hat, habe ich noch nie gesehen und vom Gemüse in meinem Kühlschrank kenne ich nur die Internetadresse. 

          Es ist ohnehin besser, den Kontakt nach draußen auf ein Minimum zu reduzieren. Jeder Schritt vor die Tür, jedes kontaktlose Bezahlen in einem Café oder einem Kino, öffnet ein neues Einfallstor für Datendiebe. Außerdem bringen die Drohnen des Einzelhandels ohnehin alles direkt bis ins Haus. Auch will ich das Finanzamt nicht unnötig über jeden Schritt informieren. Ein wenig Privatsphäre muss sein. Denn die Steuererklärung mache ich längst nicht mehr selbst. Alle Kapitalflüsse sind durch bargeldloses Bezahlen digitalisiert. Ein Algorithmus rechnet den fälligen Betrag aus und überweist ihn direkt ans Finanzamt. Wie genau das funktioniert, kann mir niemand erklären.

          Apropos, letzte Woche waren die Steuern fällig. Ich könnte mal nachschauen, wie viel Geld die Behörden abgebucht haben. Ich ziehe mein Smartphone aus der Hosentasche und aktiviere den Fingerabdrucksensor. Er reagiert nicht. Ich gebe mein Not-Passwort ein. Einmal. Zweimal. Dreimal. Mein Zugang ist gesperrt. Mein Leben wurde gehackt.

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