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Digitalkonferenz DLD : Über dem Tellerrand des Silicon Valley

UCLA-Professor Ramesh Srinivasan am Samstag auf der Digitalkonferenz DLD in München Bild: Picture-Alliance

„Ein paar wenige Unternehmen entscheiden über Milliarden Menschen auf der Welt“, sagt Ramesh Srinivasan. Er fordert eine globale digitale Revolution – und glaubt zu wissen, wer der nächste amerikanische Präsident wird.

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          Eigentlich hätte Ramesh Srinivasan lieber mehr über Bernie Sanders gesprochen. Der 44 Jahre alte Amerikaner lehrt an der University of California in Los Angeles und unterstützt den Demokraten Sanders im Präsidentschaftswahlkampf 2020. Srinivasan, der seine akademische Ausbildung in Harvard, am Massachusetts Institute of Technology und in Stanford absolvierte und sich selbst als „Progressiver“ beschreibt, ist ein glühender Verfechter des demokratischen Sozialismus, für den Sanders antritt – und der den großen Konzernen in Amerika Angst einjagt.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          An diesem Samstag aber soll Srinivasan auf auf der Digitalkonferenz DLD in München über die Beziehung zwischen Technologe, Politik und Gesellschaft sprechen. Darüber hat er unlängst ein Buch geschrieben mit dem Titel „Beyond the Valley“. Er sagt: „Die Macht, mit Technologie die Welt zu verändern, ist asymmetrisch verteilt. Und das ist nicht gut für die Gesellschaft.“  

          Was Srinivasan damit meint, ist, dass nur eine Handvoll Tech-Konzerne auf der Welt - vornehmlich aus dem Silicon Valley und verstärkt auch aus China – über das Leben von Milliarden Menschen rund um den Globus entscheiden und dabei reich würden. Wie diese Entscheidungen getroffen werden, sei völlig intransparent und verzerrt, weil bestimmte Völkergruppen und Geschlechter in dem Prozess unterrepräsentiert seien. 

          „Wir werden das Ding gewinnen“

          Um zu verdeutlichen, wie schon allein geografisch Macht ungleich verteilt sei, zeigt Srinivasan eine Weltkarte. Darauf ist zu sehen, dass nur zwei Unterwasserkabel Südamerika und Afrika über das Internet miteinander verbinden. Zwischen Amerika und Europa sind es so viele, dass sie sich auf die Schnelle gar nicht abzählen lassen. „Die digitale Welt ist auf diesem Ungleichgewicht aufgebaut“, sagt der Professor. 

          Der vermehrte Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) führe zu weiteren sozialen Schieflagen: „Vorurteile auf der Grundlage von Algorithmen gehören mittlerweile zum Alltag“, sagt Srinivasan. Intelligente Technologie werde auf Grundlage dessen entwickelt, wie deren Schöpfer die Welt sehen. Wenn also dann wie beispielsweise im Silicon Valley nur eine bestimmte Bevölkerungsgruppe an der Entwicklung beteiligt sei, werde schon hier der Grundstein für Einseitigkeit gelegt.

          „Wir brauchen eine globale digitale Technologie-Revolution, die wirklich global ist“, fordert Srinivasan deshalb in München. Dass dabei besonders Länder im globalen Süden – dabei sind die Schwellen- und Entwicklungsländer gemeint – Innovation treiben, sei eine bislang unterschätzte Tatsache. Srinivasan nennt zum Beispiel eine indigene Gemeinschaft in den Bergen des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca, die sich ein eigenes Mobilfunknetz geschaffen hat, weil kein Unternehmen es für lohnend hielt.

          Oder ein Dorf in Kenia, wo Tüftler aus Elektroschrott 3-D-Drucker herstellen, die Srinivasan zufolge besser sind als alles, was auf dem amerikanischen und chinesischen Markt zu finden ist – und die zugleich günstiger seien. Für intelligente Technologie brauche es keinen schicken Abschluss, sondern ein Verständnis über die Realität der Menschen vor Ort und deren begrenzten Möglichkeiten, meint der Autor.

          „Was bedeutet Innovation?“, fragt Srinivasan schließlich. „Immer das neueste und beste Modell eines Geräts zu entwickeln oder mit begrenzten Ressourcen nachhaltig zu wirtschaften?“ Für Srinivasan liegt die Antwort auf der Hand. Nach dem Vortrag kann er seine Begeisterung für Sanders dann nicht mehr zurückhalten: „Wir werden das Ding gewinnen“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. siegessicher.

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