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Netzentwicklungsplan : Neue Stromleitungen kosten 32 Milliarden Euro

Arbeit an einem Hochspannungsmast Bild: AP

Vor rund einem Jahr hat die Kanzlerin die Energiewende beschlossen. Dafür müssen nun dringend Leitungen gebaut werden, die den Windstrom aus dem Norden in den Süden transportieren. Die vier großen Strombetreiber haben jetzt ihren Netzentwicklungsplan vorgestellt.

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          Für die Energiewende benötigt Deutschland 3800 Kilometer neue Höchstspannungsleitungen. Das geht aus dem Entwurf eines nationalen Netzentwicklungsplans hervor, den die vier großen Stromnetzbetreiber am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgestellt haben. Schwerpunkt sind leistungsstarke Trassen, die Windstrom aus dem Norden zu den Hauptverbrauchsgebieten im Süden Deutschlands transportieren. Einschließlich der notwendigen Modernisierung weiterer 4000 Kilometer bereits bestehender „Stromautobahnen“ veranschlagen die Betreiberunternehmen dafür Kosten von rund 20 Milliarden Euro. Zusätzlich müssen nach ihren Angaben bis 2022 etwa 12 Milliarden Euro für den Anschluss der Windparks auf hoher See investiert werden.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Trotz aller Schwierigkeiten und Verzögerungen sieht die Kanzlerin den Zeitplan für den Umbau der Energieversorgung nicht in Gefahr. Eine Verlängerung der Laufzeiten einzelner Atomkraftwerke, wie sie der Stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Fuchs (CDU) ins Gespräch gebracht hatte, lehnte sie kategorisch ab. „Die Energiewende, so wie wir sie vor einem Jahr beschlossen haben, ist machbar“, sagte sie bei einer Pressekonferenz in der Bundesnetzagentur, an der auch der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) teilnahmen. Berichte über einen drohenden starken Anstieg der Einspeisevergütung für Sonnenstrom stufte Merkel als „Kaffeesatzleserei“ ein. Seriöse Aussagen dazu seien noch nicht möglich.

          „Wir wollen möglichst die ganze Gesellschaft einbeziehen“: Jochen Homann, Präsident der Bunesnetzagentur
          „Wir wollen möglichst die ganze Gesellschaft einbeziehen“: Jochen Homann, Präsident der Bunesnetzagentur : Bild: dapd

          Der Ausbau der Stromnetze gilt als größte Hürde für den Erfolg der Energiewende. Selbst die Installation von Leitungen, die vom Bund bereits 2009, also vor dem Atomausstieg, für vorrangig erklärten, kommt nur schleppend voran. Den genauen Verlauf der geplanten neuen Trassen wollen die Unternehmen Tennet, Amprion, 50Hertz und TransnetBW, welche die großen Überlandleitungen betreiben, erst an diesem Mittwoch bekanntgeben. Anschließend beginnt unter Regie der Bundesnetzagentur die Anhörung der Öffentlichkeit. „Wir wollen möglichst die ganze Gesellschaft in diesen Prozess einbeziehen“, sagte Behördenpräsident Jochen Homann. Bis zum Jahresende soll ein endgültiger Bundesbedarfsplan verabschiedet werden. Umstritten ist dabei nicht zuletzt, in welchem Maße der Bund in die Planungshoheit der Länder eingreifen darf, um die Verfahren durch einheitliche Vorgaben zu beschleunigen. Mitte Juni werde es dazu ein Treffen mit den Ministerpräsidenten geben, sagte Merkel.

          Um die Kosten zu begrenzen, aber auch angesichts des Widerstandes in der Bevölkerung, solle etwa die Hälfte der neuen Stromautobahnen entlang vorhandener Trassen gebaut werden, sagte Tennet-Geschäftsführer Martin Fuchs. Neben den bisher üblichen Drehstromleitungen wollen die Betreiber erstmals in großem Umfang Höchstspannungs-Gleichstromtechnik einsetzen. Etwa 1700 Kilometer sollen als sogenannte HGÜ-Leitungen entstehen, die Strom über weitere Strecken mit geringem Verlust von Punkt zu Punkt befördern können. Geplant seien drei Haupttrassen von Stromsammelstellen im Norden nach Süddeutschland sowie eine Ost-West-Verbindung, erläuterte Fuchs

          Am weitesten gediehen sind die Planungen bei Amprion. Wie Geschäftsführer Hans-Jürgen Brick bei einem Besuch von Merkel in der Netzsicherheitszentrale in Brauweiler bei Köln ankündigte, wird Amprion eine 400 Kilometer lange HGÜ-Leitung vom Niederrhein nach Baden-Württemberg bauen. Sie soll weitgehend auf vorhandenen Masten verlaufen, um die Kosten zu verringern und die Bauzeit zu verkürzen. 2017 soll die als „Ultranet“ bezeichnete Verbindung in Betrieb gehen. Angesichts des hohen Investitionsbedarfs für neue Stromautobahnen erwarteten die Betreibergesellschaften bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sagte Brick, der einen „Paradigmenwechsel in der Regulierung“ verlangte. Statt rein auf die Kosten zu schauen, müsse die Bundesnetzagentur „sichere und verlässliche Investitionsbedingungen“ herstellen. Tennet-Geschäftsführer Fuchs sieht die Hauptschwierigkeit darin, die Öffentlichkeit für die neuen Trassen zu gewinnen. Die Investitionskosten wirkten zwar erschreckend hoch; gemessen an den jährlich 14 Milliarden Euro für die Förderung erneuerbarer Energien seien die Summen allerdings überschaubar.

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