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Rendite für Eon und Co. sinkt : Netzagentur bremst Anstieg der Strompreise

Hochspannungsmasten in Brandenburg Bild: dpa

Die Netzbetreiber müssen sich mit niedrigeren Renditen zufriedengeben. Die Verbraucher dürfen nicht unnötig belastet werden, findet die Bundesnetzagentur. Die Branche ist entsetzt. Doch bis die Anpassung wirkt, dauert es noch.

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          Auf der Stromrechnung sind sie bald der größte Posten: Schon rund ein Viertel des Strompreises entfällt auf die Kosten für die Leitungen, welche die Elektrizität von den Kraftwerken und Windrädern in die Haushalte und Unternehmen bringen.

          Helmut Bünder
          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Nun geht die Bundesnetzagentur auf die Bremse: Weil auf den Kapitalmärkten kaum noch Zinsen gezahlt werden, sollen sich Netzbetreiber wie Amprion, Tennet und Eon mit niedrigeren Renditen zufrieden geben. Nach langem Hin und Her hat die Bonner Regulierungsbehörde die neuen Sätze endgültig festgelegt. Für Neuinvestitionen akzeptiert sie in Zukunft nur noch eine Eigenkapitalverzinsung von 5,07 Prozent statt bisher 6,91 Prozent. Für das in Altanlagen gebundene Eigenkapital sinkt die zulässige Rendite von 5,12 auf 3,51 Prozent.

          Die neuen Eigenkapitalrenditen gelten auch für Gaspipelines. Sie bilden ebenso wie Stromnetze „natürliche Monopole“. Damit die Betreiberunternehmen mangels Konkurrenz nicht nach Belieben an der Preisschraube drehen können, legt die Netzagentur Obergrenzen fest, die sich ganz wesentlich nach der zulässigen Kapitalverzinsung richten. Die so ermittelten Kosten für Netzausbau und Netznutzung fließen dann in die Strompreise ein.

          Bis die Anpassung Wirkung zeigt, wird es aber dauern: Die neuen Sätze gelten für Gasnetzbetreiber ab 2023, für die Stromnetzunternehmen gilt die Kappung erst ab 2024.

          „Völlig falsches Signal“

          Zudem fallen die Kürzungen nach heftigen Protesten nicht ganz so hart aus wie zunächst von den Betreiberunternehmen befürchtet. Auch der mit Vertretern von Bundesländern und Bundestag besetzte politische Beirat der Netzagentur hatte sich an die Seite der Unternehmen geschlagen. Betroffen sind auch Hunderte von Stadtwerken. „Investitionen in die Netze bleiben dauerhaft attraktiv“, sagte Behördenpräsident Jochen Homann.

          Die Branche zeigt sich trotzdem entsetzt und spricht von einem „völlig falschen Signal“. „Dieser Zinssatz gefährdet die Leistungsfähigkeit der Netzbetreiber und die Investitionen in die Netzinfrastruktur, die für Klimaschutz und Versorgungssicherheit notwendig sind“, kritisierten der Energiewirtschaftsverband BDEW und der Verband der kommunalen Unternehmen. Die Gewerkschaft Verdi warnte vor den Folgen für die Arbeitsplätze. „Jetzt geht es darum, dass der Kostendruck nicht bei den Beschäftigten abgeladen wird. Hier brauchen wir schnell Lösungen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz.

          Der Ausbaubedarf in den Netzen ist gewaltig. Allein für die Höchstspannungsnetze, die künftig Ökostrom vom Norden in den Süden transportieren sollen, kalkulieren die Unternehmen mindestens 72 Milliarden Euro. Auch die Verteilnetze zu den Endkunden müssen für die Energiewende mit Milliardenaufwand modernisiert und verstärkt werden. Fachleute rechnen deshalb trotz der Kürzungen damit, dass die Netzkosten für die Verbraucher längerfristig weiter steigen werden.

          „Die Renditen der Netzbetreiber werden von den Netznutzern bezahlt, also Verbrauchern, Industrie und Gewerbe. Diese dürfen nicht unnötig belastet werden“, sagte Homann.

          Der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick warf der Netzagentur vor, dass sie „vor dem massiven Druck aus Politik und Netz-Lobby“ eingeknickt sei. Die Renditen würden auch weiterhin deutlich zu hoch angesetzt. „Die Bundesnetzagentur verteilt ohne Not Milliardengeschenke an Konzerne und Stadtwerke“, sagte Lichtblick-Manager Markus Adam. Das Unternehmen beruft sich auf ein Gutachten, wonach es möglich wäre, die Verbraucher um zusätzliche zwei Milliarden Euro zu entlasten.

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