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House of Streams : Netflix verspricht mehr deutsche Serien

Netflix ist für aufwendig produzierte Serien bekannt – künftig auch exklusiv für den deutschen Markt. Bild: AFP

Die amerikanische Online-Videothek ist fast überall auf der Welt vertreten. Jetzt geht es darum, mehr Maßgeschneidertes zu liefern. Doch die Konkurrenz wird immer stärker.

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          Die Zentrale der Online-Videothek Netflix ist am Rande des kalifornischen Silicon Valley, in der verschlafenen kleinen Stadt Los Gatos. Netflix liegt damit näher an Technologiegiganten wie Google und Apple als an den Film- und Fernsehstudios in Los Angeles. Aber betritt man die Lobby des nagelneuen Verwaltungsgebäudes, kommt man sich ein bisschen wie in Hollywood vor. In großen Vitrinen sind hier Emmy-Fernsehpreise ausgestellt, die Netflix für Produktionen wie das politische Drama „House of Cards“ oder die Gefängnisserie „Orange Is the New Black“ gewonnen hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Diese goldenen Statuen sind dem Netflix-Mitgründer und -Vorstandsvorsitzenden Reed Hastings sehr wichtig. „Das hilft unserem Ruf“, sagt er. Damit würde es für Netflix leichter, sich neben den traditionellen Hollywood-Studios als Partner für Schauspieler, Regisseure und Produzenten zu empfehlen. Wenn es nach Hastings geht, dürfen gerne auch Oscars dazukommen. Schon im jüngsten Rennen um die Filmpreise spielte Netflix eine Rolle und hat seine erste Kinoproduktion, das Bürgerkriegsdrama „Beasts of No Nation“, aggressiv als Kandidaten für eine Auszeichnung beworben. Diesmal ging Netflix zwar noch leer aus, aber Hastings wird nicht aufgeben. In den Vitrinen ist jedenfalls noch sehr viel Platz. Ein Zeichen dafür, dass Netflix auf weitere Trophäen hofft.

          Netflix ist ein sogenannter „Streaming“-Dienst und erlaubt es seinen Kunden gegen eine monatliche Gebühr, Filme und Fernsehserien aus seiner Bibliothek über das Internet abzurufen und auf verschiedenen Geräten abzuspielen, ob Smartphones, Computer oder Fernseher. Das Unternehmen versteht sich als Alternative zum traditionellen Fernsehen, bei dem die Sender ihren Zuschauern ein starres Programm vorsetzen. Lange begnügte sich Netflix damit, ein Verwertungskanal unter vielen für die Filme und Fernsehshows aus Hollywood zu sein, aber diese Zeiten sind vorbei.

          Anpassung auf einzelne Märkte

          Das Unternehmen will heute selbst in der ersten Liga der Unterhaltungsindustrie mitspielen und blickt dabei auch längst über seinen amerikanischen Heimatmarkt hinaus. Seit rund eineinhalb Jahren ist Netflix in Deutschland, und erst im Januar kam ein Paukenschlag, als der Dienst von einem Moment auf den nächsten in 130 zusätzlichen Ländern der Welt freigeschaltet wurde. Abgesehen von China, ist Netflix jetzt fast überall auf der Welt verfügbar.

          Und doch sieht Hastings sein Unternehmen mit seiner Expansion noch am Anfang. Jetzt geht es ihm darum, sein Angebot stärker den einzelnen Märkten anzupassen. „Netflix gibt es heute erst in zwanzig Sprachen, bei Youtube sind es mehr als fünfzig“, sagt er mit Verweis auf den zu Google gehörenden Videodienst. Ein zentrales Element sind auch im Ausland die Eigenproduktionen. Hastings will die Kunden dort nicht nur mit amerikanischen Serien wie „House of Cards“ ködern, sondern auch mit lokalen Stoffen, gerne in den Landessprachen. „Wir hoffen, dass wir eines Tages die besten Bollywood-Produktionen und die besten japanischen Animationsfilme machen“, nennt er beispielhaft die Ziele auf dem asiatischen Markt.

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