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House of Streams : Netflix verspricht mehr deutsche Serien

Speziell für Deutschland

Erst vor wenigen Wochen hat Netflix auch ein Projekt speziell für Deutschland angekündigt. Hier sollen noch in diesem Jahr die Dreharbeiten für die zehnteilige Serie „Dark“ beginnen, in der es darum gehen soll, wie das mysteriöse Verschwinden zweier Kinder das Leben mehrerer Familien in einer deutschen Kleinstadt auf den Kopf stellt. Netflix hat für die Serie prominente Filmschaffende wie den Schweizer Regisseur Baran bo Odar („Who am I – Kein System ist sicher“) sowie das deutsche Produzentenduo Quirin Berg und Max Wiedemann („Das Leben der Anderen“) rekrutiert, die schauspielerische Besetzung steht noch nicht fest. „Dark“ soll komplett auf Deutsch gedreht und 2017 veröffentlicht werden, und wenn es nach Hastings geht, ist das nur die erste von vielen deutschen Netflix-Serien: „Wir wollen in jedem Land fünf- bis zehnmal so viele Produktionen haben wie heute.“ Netflix versucht einerseits, seinen Kunden lokale Stoffe zu liefern, hofft aber auch darauf, dass diese Produktionen über den jeweiligen Sprachraum hinaus auf Resonanz stoßen. So ist es auch für „Dark“ ein Ziel, nicht nur ein deutschsprachiges Publikum anzusprechen. Als Beispiel dafür, dass dies funktionieren kann, führt Netflix die Serie „Narcos“ über den kolumbianischen Drogenkönig Pablo Escobar an, die in vielen Ländern der Welt gut ankomme, obwohl mehr als zwei Drittel der Dialoge auf Spanisch gesprochen würden. „Narcos“ sei auch in Deutschland „superpopulär“, sagt Hastings.

Die bei Netflix für Eigenproduktionen zuständige Cindy Holland meint, die Expansion erlaube es dem Unternehmen, bei der Auswahl seiner Stoffe experimentierfreudiger zu sein. Netflix fühle sich nicht gezwungen, all seine Serien auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zu bringen, um jedem in der Welt zu gefallen. Vielmehr sorge die globale Präsenz dafür, dass auch Nischenproduktionen über verschiedene Länder zusammengerechnet stattliche Zuschauerzahlen erreichen könnten. Neben Auszeichnungen sieht Netflix-Chef Hastings Zuschauerzahlen als wichtigen Gradmesser für den Erfolg seiner eigenen Titel. Wobei es nach seinen Worten vom Aufwand einer Produktion abhängt, wie hoch die Messlatte liegt: „Eine kleinere Produktion muss kein riesiges Publikum haben, damit wir zufrieden sind.“

Für die Außenwelt ist der Erfolg der Netflix-Serien schwer zu beurteilen, denn das Unternehmen veröffentlicht keine Zuschauerzahlen. Netflix begründet dies damit, nur von Abonnementgebühren abhängig zu sein und keinen Werbekunden gefallen zu müssen, die ihre Budgets nach Einschaltquoten richten. Auch über die Zahl seiner Kunden in einzelnen Märkten macht Netflix ein großes Geheimnis.

Konkurrenz schläft nicht

Im vergangenen Herbst verriet das Unternehmen nur, in den deutsch- und französischsprachigen Ländern Europas mehr als zwei Millionen Abonnenten zu haben. Aktuellere Angaben oder Zahlen allein für den deutschen Markt lässt sich Netflix nicht entlocken. Insgesamt aber entwickelt sich das Auslandsgeschäft gut. Im Schlussquartal 2015 hat das Unternehmen außerhalb Amerikas so viele Kunden hinzugewonnen wie noch nie, wohingegen sich auf dem Heimatmarkt eine gewisse Sättigung abzuzeichnen scheint. Auf der ganzen Welt hat Netflix derzeit 75 Millionen Abonnenten. Davon entfallen 45 Millionen auf die Vereinigten Staaten und 30 Millionen auf die Auslandsmärkte. „Global gesehen sind wir immer noch sehr klein“, sagt Hastings.

Mit dem Erfolgshit „House of Cards“ um einen korrupten US-Präsidenten konnte Netflix international Millionen Zuschauer gewinnen. Künftig sollen Serien auf die jeweiligen Länder zugeschnitten werden.
Mit dem Erfolgshit „House of Cards“ um einen korrupten US-Präsidenten konnte Netflix international Millionen Zuschauer gewinnen. Künftig sollen Serien auf die jeweiligen Länder zugeschnitten werden. : Bild: Foto: Netflix

Netflix will in diesem Jahr sechs Milliarden Dollar für Eigenproduktionen sowie für den Erwerb von Rechten an anderen Inhalten ausgeben. Mit den eigenen Serien und Filmen will sich das Unternehmen von der rasant wachsenden Konkurrenz abheben. Auch der Online-Händler Amazon.com zum Beispiel betreibt eine Videoplattform und lässt dafür exklusive Titel produzieren. Amazon hat sogar schon vor Netflix eine eigene deutsche Serie angekündigt. Daneben gibt es eine Reihe weiterer rivalisierender Streaming-Dienste, etwa vom Bezahlsender HBO.

Hastings versucht, mit Blick auf den härteren Wettbewerb Gelassenheit zu verbreiten. Konkurrenz sei für Netflix nichts Neues: „Wir konkurrieren mit allen möglichen Freizeitbeschäftigungen. Dazu gehört Kabelfernsehen genauso wie Facebook.“ Hastings dürfte freilich mit Interesse registriert haben, dass auch Amazon bei den Preisverleihungen der Branche eine immer größere Rolle spielt – und Auszeichnungen bekommen hat, die Netflix sicherlich auch gerne in seine Vitrinen gestellt hätte.

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