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Bezahlfernsehen : Netflix und Dazn setzen Sky unter Druck

Abschied von der Formel 1: Auf derart spektakuläre Bilder müssen Sky-Abonnenten demnächst verzichten Bild: dpa

Mit neuen Serien will Sky gegen die wachsende Streaming-Konkurrenz antreten. Im wichtigen Fußball-Geschäft muss sich der Bezahlsender die Champions League mit Dazn teilen. Von der Formel 1 verabschiedet sich Sky komplett.

          2 Min.

          Carsten Schmidt, der Deutschland-Chef von Sky, hat bereits 25 Minuten geredet, und noch immer kein Wort über die Fußball-Champions-League verloren. Im hippen „Social Room“ eines Szenerestaurants am Münchner Lenbachplatz waren neue Film- und Fernsehproduktionen sein großes Thema. Der Bezahlsender, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten mit der Fußball-Bundesliga groß geworden ist, steckt derzeit viel Geld in eine Serien-Neuauflage des deutschen Kinoklassikers „Das Boot“, die im Herbst zu sehen sein soll. Und mit dem Thriller „Der Grenzgänger“ oder dem Endzeitdrama „Acht Tage“ legt Sky in Deutschland auf der sogenannten Entertainment-Schiene noch nach, um das Programmangebot insgesamt „jünger und weiblicher“ zu machen, wie Schmidt am Donnerstag sagte. Nicht weniger als 50 Eigenproduktionen sollen es sein. „Wir investieren mehr denn je“, sagte Schmidt, ohne die genaue Höhe zu verraten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Was der Fernsehmanager auch nicht sagte: Sky muss derart viel investieren, weil die Konkurrenz im Bezahlfernsehen stärker ist denn je. Der vergleichsweise junge Streamingdienst Netflix gewinnt mit seiner virtuellen Videothek immer mehr Zuschauer, indem er ihnen exklusive Hollywood-Produktionen anbietet. Und im Sport tut sich gerade die britische Perform-Gruppe mit ihrem Dazn genannten Streamingdienst hervor, der in jeder Sportrechteauktion munter mitmischt. Hinter Perform und Dazn steht der Multimilliardär Leonard Blavatnik, dem Warner Music gehört und auch Teile von Spotify und Deezer. Dazn will er zum Netflix des Sports machen.

          Es wurde kein Wertpapier gefunden!

          Das also ist die Gemengelage, der die britische Sky-Gruppe mit ihrem Deutschland-Ableger vor allem eines entgegenzusetzen hat: Es ist der Fußball in den europäischen Ligen. Im Mutterland des Fußballs ist Sky sehr erfolgreich, wie den am Donnerstag vorgelegten Halbjahreszahlen zu entnehmen war. Dank steigender Kundenzahlen kletterte der Umsatz der Sky plc um 5 Prozent auf 6,7 Milliarden Pfund. Der Betriebsgewinn legte um 10 Prozent auf 1,1 Milliarden Pfund zu. In Europa stieg die Abonnentenzahl um 365.000 auf 23 Millionen.

          Derzeit bemüht sich Medienmogul Rupert Murdoch um eine Komplettübernahme der Sendergruppe, an der er bisher über seine 21st-Century-Fox-Gruppe nur einen Minderheitsanteil hält. 15,7 Milliarden Dollar bietet er, um sich jene 61 Prozent der Sky-Anteile zu sichern, die 21st Century Fox noch nicht hält. In dieser Woche erlitt Murdoch jedoch einen Rückschlag: Die Übernahme von Sky durch 21st Century Fox sei „nicht im Interesse der Öffentlichkeit“, hatte die britische Aufsichtsbehörde CMA mitgeteilt. Ein Zusammenschluss würde der Familie Murdoch zu viel Einfluss auf die britische Medienlandschaft geben, hieß es. Die Wettbewerbshüter machten Murdoch zur Auflage, er müsse sicherstellen, dass er keinen Einfluss auf das Nachrichtengeschäft des Senders nehmen könne. Murdoch verlegt in Großbritannien auch Zeitungen.

          Von den Übernahmeplänen ist Sky Deutschland nicht direkt betroffen. Gleichwohl lastet auf Vorstandschef Schmidt ein hoher Erwartungsdruck. Denn nirgendwo in Europa ist das Wachstumspotential für Sky größer als hierzulande. 5,2 Millionen Zuschauer hat Sky in Deutschland, und damit 200.000 mehr als im Vorjahr. In Großbritannien sind es aber schon zwölf Millionen. Es gebe keinen Grund, warum Deutschland weniger Sky-Kunden als England haben sollte, sagte kürzlich Jeremy Darroch, der Vorstandschef des Mutterkonzerns: „Wir wollen darum in Deutschland eine deutlich größere Rolle spielen.“

          Wie das gelingen kann, darauf kam Schmidt erst nach 25 Minuten zu sprechen. Von August an sind in Deutschland die Champions-League-Spiele live nicht mehr im ZDF zu sehen, sondern nur noch auf Sky und Dazn. Am Ende muss es also der Fußball für Sky wieder richten.

          Aus der Formel 1 steigt der Bezahlsender dagegen komplett aus. Den Vertrag habe Sky nicht verlängert, sagte Schmidt: „Wir werden die Formel 1 nicht mehr weiter ausstrahlen ab dieser Saison.“ Die Rennen werden bei RTL im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt.

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