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Netflix-Kommentar : Weltverbesserer in Not

Eine Show von Hasan Minhaj wurde in Saudi-Arabien von Netflix aus dem Programm genommen. Bild: AP

Netflix beugt sich dem Willen Saudi-Arabiens – und spielt sich doch als Werte-Verfechter auf. Das zeigt: Im Silicon Valley wirft man die eigenen Prinzipien über Bord, wenn es den finanziellen Interessen dient.

          Die Online-Videothek Netflix windet sich, um zu erklären, warum sie eine Comedy-Show, in der scharfe Kritik an Saudi-Arabien und dessen Kronprinzen Muhammad Bin Salman geübt wird, in dem Golfstaat blockiert. Man unterstütze ja künstlerische Freiheit auf der ganzen Welt, aber es habe nun einmal eine „gültige rechtliche Anfrage“ gegeben, heißt es in einer Stellungnahme.

          Netflix beugt sich also dem Willen Saudi-Arabiens, versucht aber gleichzeitig, sich als Verfechter von Werten aufzuspielen. Das Unternehmen kann aber nicht beides haben, und es wäre ehrlicher, zu sagen: „Wir haben Prinzipien, aber um in einem Land Geschäfte machen zu können, werfen wir sie auch schon mal über Bord.“

          Kompromisse der Weltverbesserer

          Die Vorgänge um die Netflix-Show unterstreichen abermals das ethische Dilemma, in dem gerade die amerikanische Technologiebranche mit Blick auf Saudi-Arabien steckt und in das sie sich sehenden Auges selbst manövriert hat. Unternehmen wie der Fahrdienst Uber oder der Bürovermittler Wework haben Milliardeninvestitionen aus Saudi-Arabien angenommen. Elon Musk dachte darüber nach, einen zwischenzeitlich geplanten Rückzug des Elektroautoherstellers Tesla von Saudis finanzieren zu lassen. Die selbsterklärten Weltverbesserer im Silicon Valley lassen sich durchaus auf Kompromisse ein, wenn es ihren finanziellen Interessen dient.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

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