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Lebensmittelkonzern : Nestlé verspricht 200 Millionen Bäume

Umstrittenes Geschäft: Für Palmöl soll es bis 2022 entlang der Lieferkette keine Abholzungen mehr geben. Bild: Getty

Der Schweizer Nahrungsmittelriese will nachhaltiger werden. Mit einem Investitionsvolumen von rund 3,2 Milliarden Franken sollen die Treibhausgasemissionen drastisch reduziert werden. Das gefällt auch den Investoren.

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          Am Sonntag stimmten 50,7 Prozent der Schweizer Stimmbürger für die sogenannte Konzernverantwortungsinitiative. Der Vorstoß für eine stärkere Durchsetzung von Menschenrechten und internationalen Umweltstandards scheiterte zwar trotzdem, weil die erforderlichen Kantonsmehrheit nicht zustande kam. Gleichwohl zeigt die hohe Zustimmung, wie wichtig diese Themen für große Teile der Bevölkerung sind. In deren Richtung hat Nestlé am Donnerstag ein Signal gesendet. Der größte Nahrungsmittelkonzern der Welt, der im schweizerischen Vevey sitzt, konkretisierte seinen Plan, verstärkt zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen und damit auch die eigenen Geschäftsaussichten zu verbessern.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          „Die Bewältigung des Klimawandels kann nicht warten, und wir können es auch nicht. Unser Handeln ist entscheidend für unseren langfristigen geschäftlichen Erfolg“, sagte der Konzernchef Ulf Mark Schneider und kündigte konzertierte Aktionen an: „Wir werden mit Bauern, Industriepartnern, Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Konsumenten zusammenarbeiten, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern.“ Nestlé will die Nettoemissionen von Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 halbieren und bis 2050 auf null zu senken. Als Referenz für die Messung des Fortschritts dienen die 92 Millionen Tonnen Emissionen, für die Nestlé nach eigenen Berechnungen im Jahr 2018 verantwortlich war. Der Konzern setzt an drei Hauptstellen an: den landwirtschaftlichen Anbaumethoden, der operative Tätigkeit und dem Produktportfolio.

          Zwei Drittel von Nestlés Treibhausgasemissionen stammen aus der Landwirtschaft, wo der Konzern mit mehr als 500.000 Bauern und 150.000 Lieferanten zusammenarbeitet. Diese sollen dabei unterstützt werden, auf regenerative Anbauverfahren umzustellen. Nestlé will im Gegenzug einen Aufpreis für diese „grünen“ Zutaten zahlen, die im Jahr 2030 rund 50 Prozent der wichtigsten verwendeten Agrarerzeugnisse ausmachen sollen. Außerdem verspricht der Konzern, in den kommenden zehn Jahren 200 Millionen Bäume in den Erzeugerländern anzupflanzen. Diese sollen Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden und den angebauten Nutzpflanzen Schatten spenden. Bezüglich Palmöl und Soja soll bis 2022 sichergestellt sein, dass es entlang der Lieferkette keinerlei Abholzungen gibt.

          Sind die Pläne zu ambitioniert?

          Innerhalb der nächsten fünf Jahre will Nestlé seinen Strom an sämtlichen 800 Standorten in der Welt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien beziehen. Das Angebot an pflanzlichen Lebensmitteln soll weiter ausgebaut werden. Einzelne Marken wie Garden Gourmet, Sweet Earth, Nespresso und Perrier sollen bis spätestens 2025 klimaneutral werden. Nach Aussage Schneiders lässt sich Nestlé den verstärkten Einsatz für mehr Nachhaltigkeit in den nächsten fünf Jahren 3,2 Milliarden Franken kosten. Dies soll aber nicht zu Lasten des Gewinns gehen: „Wir wollen das ergebnisneutral machen“, sagte Schneider in einer Online-Pressekonferenz. Dem Mehraufwand sollen also entsprechende Kostensenkungen gegenüberstehen.

          Alain Oberhuber, Analyst von der Stifel Schweiz Bank, zeigte sich angetan von den Plänen: „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, vielleicht sogar ein Meilenstein.“ Immer mehr Investoren achteten bei ihren Anlagen auf Umwelt- und Sozialaspekte. Insofern könnten sich Nestlés Investitionen in Nachhaltigkeit, die in absoluten Zahlen die höchsten seien, die er je von einer Firma gesehen habe, langfristig auch positiv im Aktienkurs niederschlagen. René Bertschy von der Bank Vontobel hält die Ziele für sehr ehrgeizig. Um sie zu erreichen, müsse Schneider das Produktportfolio wohl noch stärker umbauen. So sei fraglich, ob Nestlé 2030 noch Schokolade verkaufen werde. Kakaoproduktion ist wegen Kinderarbeit ein besonders schwieriges Feld.

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