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Nervig und nützlich : Wenn der Rauchmelder piept

Typischer Fall: Ein handelsüblicher Rauchmelder unter der Decke Bild: dpa

Seit rund fünf Jahren sind die meisten Deutschen mit Rauchmeldern in ihren Privatwohnungen konfrontiert. Und Konfrontation ist das richtige Wort. Es piept zur Unzeit. Immer wieder. Wir haben uns einmal umgehört.

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          Alle 30 Sekunden dieses höhnische Piepsen. „Rauch aber vermeldete der Rauchmelder definitiv nicht. Denn zum einen war nichts Brand-ähnliches zu riechen und zu sehen. Und zum anderen hörte sich das Alarmsignal anders an. Das wusste ich seit den zu scharf angebratenen Würstchen wenige Monate zuvor. Eine kurze Google-Suche legte nahe, dass die Batterien leer seien. Auf andere Fragen fand sich jedoch keine Antwort: Wer hat nachts um 4 Uhr Rauchmelderbatterien zur Hand? Wie wechselt man die? Wann hört dieses schrille Piepsen wieder auf? Und welcher Sadist hat sich ausgedacht, dass ein Intervall von 30 Sekunden perfekt wäre?“, schreibt die genervte Kollegin.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          In dieser Zeitspanne frage man sich nämlich alles Mögliche: Ob das wohl der letzte Ton gewesen sei? Ob man nun wieder ins Bett könne? Oder, ob das die ganze Nacht so weitergehe? Bis dann die Batterien komplett leer seien. Und man am nächsten Tag wie in einer Edgar-Allan-Poe-Geschichte als irres Häufchen zusammengekauert in einer Ecke gefunden werde. Mit verzerrtem Gesicht, das schrille Geräusch wiederholend, an die Decke deutend.

          Doch: „Nach rund zehn Minuten war der Spuk vorbei. Und da man nun sowieso nicht mehr einschlafen konnte, durchstöberte man noch ein paar Foren der vom Rauchmelder-Sadismus-Gequälten. Eine dort zirkulierende Verschwörungstheorie besagt, dass die Dinger ihre Warnsymphonie mit Vorliebe nachts zwischen 3 und 4 Uhr beginnen.“

          Nur Wasserdampf von der Dusche

          Es gibt eine Menge Rauchmelder-Geschichten: „Bei uns ist schon zweimal eines der Dinger angesprungen, beide Male, weil Wasserdampf vom Duschen in den Flur gezogen war. Der Alarm ist ohrenbetäubend, so dass es einem fast körperlich wehtut. Ganz zu schweigen von dem Stress, eine Leiter herbeizukramen und mit einem Besenstiel darauf steigen zu müssen, um dem Melder wieder zu deaktivieren. Das Ganze nur mit einem Handtuch bekleidet und triefend nass, weil man ja gerade aus der Dusche kommt …“

          Solche und ähnliche Erlebnisse mit ihren Rauchmeldern haben viele. Schon eine kleine Umfrage zeigt, dass die runden, weißen Geräte an der Zimmerdecke zum ständigen Gesprächsthema in Familien geworden sind, bis hin zu den Kleinsten: „Dass mein Sohn derzeit ungefähr 30 Mal am Tag „Mauchmelder kaputt“ sagt. An dem ‚R‘ arbeite ich mit ihm noch. Und am Batterieauswechseln auch noch …“ Aber es gibt auch Stimmen, die das Thema so ernst nehmen, wie es wohl ist: „Also, ich ärgere mich immer darüber, dass der Mann, der unter uns wohnt, aus seinem Rauchmelder die Batterien genommen hat, schon zwei Mal betrunken eingeschlafen ist und fast unsere Bude abgefackelt hätte.“

          In fast allen Bundesländern sind die Geräte deshalb längst Pflicht. In Hessen zum Beispiel gilt seit Dezember 2014 die Rauchmelderpflicht für Neubauten, genehmigungspflichtige Umbauten sowie Bestandsbauten. Sie müssen in Schlaf- und Kinderzimmern sowie Fluren, die als Rettungswege dienen, montiert sein. In Paragraph 13, Absatz fünf, der Hessischen Bauordnung heißt es zudem: „Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzerinnen und Besitzern, es sei denn, die Eigentümerinnen oder die Eigentümer haben diese Verpflichtung übernommen.“

          Rauchmelder können Leben retten

          Rauchmelder können in der Tat Leben retten. Gerade in der Nacht kann es sein, dass man zu spät bemerkt, dass sich ein Feuer in den eigenen vier Wänden ausbreitet. In den vergangenen 20 Jahren ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Toten durch Rauch, Feuer und Flammen deutlich gesunken. Dazu könnte die Rauchmelderpflicht ihren Teil beigetragen haben. Doch warum nur bereiten die Geräte so viel Verdruss? „Ein Kollege von mir hat während einer sechswöchigen Italienreise in meiner Elternzeit auf unsere Wohnung aufgepasst: Briefkasten geleert, Blumen gegossen und nach dem Rechten geschaut. Als sich der Urlaub dem Ende neigte, haben wir miteinander telefoniert, ob alles soweit in Ordnung war. Er meinte, ja, alles gut, nur war da dieses komische Ding, das die ganze Zeit gepiepst hat. Das hab ich abmontiert, sagte der Kollege, und die Batterie herausgenommen. Wir rätselten während der Rückreise, was das gewesen sein könnte. Als wir nach Hause kamen, wussten wir es: Auf meinem Schreibtisch lag der zerlegte Rauchmelder.“

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