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Alexander Armbruster (ala.)

Handels-Kommentar : Unsere Exporte sind nicht unfair

Deutschland handelt mit China mehr als mit jedem anderen Land. Ein Blick hinter die neuen Zahlen enthält auch eine wichtige Botschaft an Washington.

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          Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas zur zweitgrößten Ökonomie der Welt zeigt sich auch hieran: Obwohl das Land viele tausend Kilometer entfernt liegt, ist es mittlerweile der bedeutendste Handelspartner der Bundesrepublik. Zählt man Ausfuhren nach China und Einfuhren aus China zusammen, ergibt sich die stolze Summe von beinahe 187 Milliarden Euro für  das vergangene Jahr. Das ist mehr als das Handelsvolumen mit den geografisch benachbarten Niederlanden (177 Milliarden Euro) und dem langjährigen wichtigsten deutschen Handelspartner Frankreich.

          Das ist durchaus bemerkenswert, denn Geografie spielt im Handel traditionell eine wichtige Rolle in der Realität wie in der Theorie dahinter. China ist, das ist eine zentrale Botschaft, aber schlicht und einfach so groß und verfügt für nahezu alle Branchen über einen so umfangreichen Markt, dass hier die große Entfernung überkompensiert wird.

          Mehr Sparen

          Hinzu kommt natürlich auch, dass Lieferungen günstiger und einfacher und zahlreiche Produktionsstätten vor Ort entstanden sind als vor Jahrzehnten. Für die deutschen Autohersteller ist China längst der wichtige Absatzmarkt, gemessen sowohl an der Zahl der verkauften Autos als auch am Potential - viele Chinesen haben eben nach wie vor keines und könnten sich, wenn der Wohlstand weiter wächst in dem Land, künftig vielleicht eines leisten.

          China ist übrigens zugleich ein Land, gegenüber dem Deutschland ein Handelsbilanzdefizit aufweist: Mehr als 14 Milliarden im vergangenen Jahr. Ein Problem? Solche bilateralen Kennzahlen bekommen mittlerweile eine höhere Aufmerksamkeit vor allem, weil die amerikanische Regierung und an ihrer Spitze der Präsident Donald Trump sie häufig heranzieht und daraus Vorwürfe ableitet. Er spricht dann von „unfairem“ Handel, hat andern Ländern - China beispielsweise - auch schon einmal unterstellt, Amerika „auszubeuten“.

          Tatsächlich sind diese Kennzahlen zumindest nach Ansicht der Fachleute kein echtes Problem. Weder das deutsche Handelsdefizit gegenüber China noch der abermals und nun auf ungefähr 50 Milliarden Dollar gestiegene Überschuss gegenüber den Vereinigten Staaten. Das spiegelt jeweils im Grunde einfach nur die Kaufwünsche von Amerikanern, Deutschen und Chinesen, die eben so sind wie sie sind - und mit Blick auf erfüllte Wünsche sind übrigens auch weder Exporte besser als Importe noch umgekehrt.

          Eine andere Frage ist, wie lange ein Land ein Handelsbilanzdefizit aufweisen kann. Das muss auf Dauer ja irgendwie finanziert werden - mit Kapital aus dem Ausland eben. Das kann auch tatsächlich zu Problemen führen.

          Und hier ist eine Regierung auch nicht machtlos: Sie kann Anreize setzen, um Unternehmen und Privatpersonen zu mehr Sparen anzuhalten - oder sich selbst. Das wäre übrigens, empfiehlt beispielsweise der amerikanische Ökonom Martin Feldstein, der einst Ronald Reagan beriet, auch das Instrument für jede Regierung in Washington, die das substantielle amerikanische Handelsdefizit als Problem empfindet. Nicht Zölle.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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