https://www.faz.net/-gqe-9qbjh

Ranking des Nabu : Kreuzfahrt kassiert heftige Schelte

Die drei Kreuzfahrtschiffe Aidanova, Norwegian Epic und Celebrity Constellation liegen im Hafen von Palma de Mallorca. Bild: dpa

Der Naturschutzbund wirft der Branche in seinem jährlichen Kreuzfahrtranking vor, sich dem Klimaschutz zu verweigern. Deutsche Reedereien schneiden jedoch gar nicht so schlecht ab.

          Während die Aidanova gerade im Mittelmeer von der italienischen Küste nach Marseille schippert, kommt eine Auszeichnung von Kritikern der Kreuzfahrtbranche. In dem an diesem Mittwoch veröffentlichten Kreuzfahrtranking des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) hat das gigantische Schiff mit Platz für mehr als 5000 Passagiere seine Spitzenposition verteidigt und die volle Punktzahl in der Bewertung der Luftschadstoffminderung abgeräumt. Der jüngste Flottenzugang der deutschen Reederei Aida ist bislang das einzige Urlauberschiff der Welt, das mit emissionsarmem Flüssiggas (LNG) betrieben wird. Der Treibstoff reduziert im Vergleich zum Dieselkraftstoff Schwefeldioxid und Feinstaub um mehr als 90 Prozent und Kohlendioxid (CO2) um bis zu 30 Prozent.

          Jessica von Blazekovic

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Teilen muss sich das Schiff den ersten Platz in diesem Jahr mit der Costa Smeralda der italienischen Aida-Schwesterreederei Costa Crociere, die ebenfalls mit LNG betrieben werden soll, ihre Jungfernfahrt allerdings noch vor sich hat. Doch die Lorbeeren kommen mit einer Einschränkung: Erstmals hat der Nabu zusätzlich zur Luftschadstoffminderung auch die Klimabilanz der 89 in europäischen Gewässern eingesetzten Schiffe bewertet. Weil LNG das hoch-potente Klimagas Methan verursache, biete der Gasbetrieb mit Blick auf die Klimabilanz keine Vorteile, bemängelt der Nabu und verweist außerdem auf die erheblichen Eingriffe in die Umwelt, die zur Gewinnung des Gases notwendig seien. In der neuen Kategorie der Klimabilanz stechen nur zwei Urlaubsschiffe positiv heraus – beides sind Segelschiffe.

          Wie schon im Vorjahr fällt auf: Unter den ersten 20 Plätzen der Gesamtwertung finden sich besonders viele Schiffe deutscher Reedereien: 13 von ihnen gehören den hiesigen Anbietern Aida und TUI mit den Marken Hapag Lloyd und TUI Cruises. Sie konnten zum Beispiel damit punkten, kein Schweröl in der Arktis zu verwenden oder in den Häfen schon jetzt oder künftig auf Landstrom zurückzugreifen. Die Unternehmen erfreuen sich trotz der hitzigen Klimadebatte in der Republik eines ungebrochenen Zustroms an Gästen: Mehr als 2,2 Millionen Deutsche gingen im vergangen Jahr mit dem Schiff auf Reisen. Und 2019 dürfte das bislang wachstumsstärkste Jahr der Branche in Deutschland werden.

          Nur kleine Fortschritte

          Insgesamt stellt der Nabu der Branche ein schlechtes Zeugnis aus: Sämtliche der 89 bewerteten Schiffe würden mit fossilen Kraftstoffen betrieben, die enorme Treibhausgasemissionen verursachten. „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Jugend, dass sich die Kreuzfahrtbranche im Grunde geschlossen dem Klimaschutz verweigert“, lautet das scharfe Urteil von Nabu-Geschäftsführer Leif Miller. Trotz einzelner Verbesserungen belaste der boomende Kreuzfahrtmarkt zunehmend das Klima. Zwar werde ein kleiner Teil der Flotte zunehmend sauberer. Der Großteil der Branche aber setzte weiterhin auf Schweröl und verzichte auf den Einsatz von Abgastechnik.

          Sticht klimafreundlich in See: Das Segelschiff Flying Clipper im Hafen von Split

          Ab dem Jahr 2020 sind Reedereien international und nicht nur in Teilgebieten wie Nordsee und Ostsee verpflichtet, vom herkömmlichen Schweröl auf nahezu schwefelfreie  Kraftstoffe umzusteigen, sofern sie ohne Abgasreinigungsanlagen zu See fahren. Diese Einschränkung verleite allerdings lediglich dazu, Reinigungsanlagen und weiterhin Schweröl zu nutzen statt teurere alternative Treibstoffe einzukaufen, kritisiert der Nabu weiter.

          Weitere Themen

          Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg Video-Seite öffnen

          Saudi-Arabien : Drohnen-Angriff sorgt für Ölpreis-Anstieg

          Nach den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien wird mit einem Anstieg der Ölpreise gerechnet. Die Angriffe verschärfen die angespannte Lage in der Golfregion und führten zum Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien.

          Topmeldungen

          IAA : Draußen Protest, innen leuchtende Männeraugen

          Wo der SUV noch artgerecht gehalten wird: Unsere Autorin war auf der Automesse unterwegs. Die Autohersteller reagieren auf den zunehmenden Druck mit ihrer elektrischen Charmeoffensive – die Publikumsmagneten findet man jedoch an anderer Stelle.

          Klimawende : Für eine Transformation mit Herz

          Uns erwartet ein sozial-ökologischer Umbau der Gesellschaft. Doch das muss man den Bürgern, die zwar für Klimawandel, aber kaum für persönliche Einschnitte sind, auch sagen. Ein Gastbeitrag.

          NPD-Ortsvorsteher in Hessen : Ein netter Kerl

          In einem Dorf wird ein NPD-Mann zum Ortsvorsteher gewählt. Die Aufregung ist groß, im Ort selbst findet man das nur halb so wild. Eindrücke aus Altenstadt-Waldsiedlung.
          Die Vorsitzende des Ressemblement National (RN), Marine Le Pen, nach ihrer Rede in Fréjus an der Cote d’Azur

          Wahlkampf von Le Pen : Seriosität statt Häme

          Statt nach Rechts und Links Sticheleien zu verteilen, gibt sich Marine Le Pen bei ihrer Comeback-Rede staatstragend. Für ihr Ziel, den Einzug in den Elysée-Palast 2022, hat die Vorsitzende des Rassemblement National eine Strategie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.