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Ranking des Nabu : Kreuzfahrt kassiert heftige Schelte

Zu wenig Landstromanlagen

Doch die Branche verspricht Besserung: Die Mitgliedsreedereien des Kreuzfahrt-Branchenverbands Clia haben sich freiwillig dazu verpflichtet, die CO2-Emissionen in der Flotte bis 2030 um 40 Prozent verglichen mit 2008 zu senken, unter anderem durch den vermehrten Einsatz von LNG. Auch alternative Antriebe werden erprobt: So stellt etwa die norwegische Reederei Hurtigruten demnächst ihr erstes Hybridschiff für Expeditionskreuzfahrten in Dienst, das in Fjorden und in der Arktis abschnittsweise elektrisch fährt. Aida wiederum will im Jahr 2020 erstmals Batterietechnik einsetzen.

Die Selbstverpflichtung der Branche sollte nach Wunsch des Nabu von gesetzlichen Maßnahmen begleitet werden: „Die Steuerbefreiung für marine Kraftstoffe muss weg“, fordert der Nabu-Leiter für Verkehrspolitik Daniel Rieger im Gespräch mit der F.A.Z. Zwar lobt er die Innovationsbereitschaft in der Branche, die sie der Containerschifffahrt voraus habe. Die Reedereien müssten aber vor allem ihre alten Bestandsflotten nachrüsten. Zudem zeigte sich Rieger kritisch, ob angesichts des international wachsenden Marktes und der Aussicht auf rund 100 neue Kreuzer bis zum Jahr 2025 die absoluten CO2-Emissionen wirklich reduziert werden können.

Für Rieger kommt insbesondere den Hafenstädten eine besondere Rolle zu. Hier plädiert er für ein Einfahrverbot für besonders „dreckige“ Schiffe sowie einen Ausbau der Infrastruktur für Landstrom. In Europa gibt es mit Hamburg und Kristiansand (Norwegen) nur zwei Häfen mit Landstromanlagen.

Verband und Unternehmen üben Kritik

Der deutsche Anbieter TUI Cruises, der mit seinen Schiffen Mein Schiff 1 bis 6 auf Platz 13 des Rankings landete, kritisierte in einer Stellungnahme gegenüber der F.A.Z. die Bewertungsmethoden des Nabu: „Das Nabu-Ranking stellt für uns keine faire Betrachtung des Umwelt-Engagements von TUI Cruises dar“, heißt es darin. So finde etwa die Planung des Unternehmens für die Nutzung von Landstrom keine Berücksichtigung.

Auch die Clia wies die Vorwürfe des Nabu zurück: „Die Unterstellung, die Kreuzfahrtbranche verweigere sich im Grunde geschlossen dem Klimaschutz, ist ungerechtfertigt mit Blick auf die Vorreiterrolle, die die Kreuzfahrtbranche im maritimen Umweltschutz einnimmt“, heißt es in einer Stellungnahme.

Das Bundesumweltministerium begrüßte gegenüber der F.A.Z., dass der Nabu dieses Jahr erstmalig Antriebe und Energieversorgung der Kreuzfahrtschiffe als Klimaschutz-Technologien erfasse und in einer gesonderten Kategorie ausweise. Ein Ministeriumssprecher merkte jedoch an, „dass die Reiseform Kreuzfahrt grundsätzlich mit einem hohen Energieverbrauch und umweltschädlichen Emissionen einhergeht. Dabei ist selbst bei weitgehender Reduzierung der stofflichen Belastungen eine Störung der Meeresumwelt durch physische Störung und Schalleinträge nicht vermeidbar und bei steigendem Aufkommen von erhöhter Bedeutung.“

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