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Einwanderungsdebatte : Massenmigration und Zusammenhalt

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Eine zu große ethnisch-kulturelle Vielfalt stört den sozialen Zusammenhalt und gefährdet den ökonomischen Wohlstand. Bild: dpa

Die bisherige Immigration war ein moderater Gewinn. Eine zu starke ethnisch-kulturelle Diversität bedroht jedoch den sozialen Zusammenhalt und damit die Grundlagen des Wohlstands. Ein Gastbeitrag.

          Der spektakuläre Anstieg der Unterstützung für populistische Parteien quer durch Europa spiegelt Sorgen in der normalen Bevölkerung wider, dass die Einwanderung exzessiv geworden ist. Die instinktive Antwort der intellektuellen Linken darauf war es, diese Sorgen zurückzuweisen und sie als verdeckte Formen von Rassismus oder als falsche Sicht auf die ökonomische Realität abzutun. Aber dies hat wiederum eine schädliche Reaktion hervorgerufen: Die einfachen Leute folgern daraus, dass die politischen und intellektuellen Eliten von ihrer Lebenswirklichkeit abgekoppelt und abgehoben seien.

          Um sich der Frage zu nähern, was die Masseneinwanderung für Auswirkungen hat, müssen wir eine nüchterne Analyse vornehmen, ohne uns voreingenommen auf die eine oder andere Seite zu schlagen. Bei einigen Sorgen kann man dann zeigen, dass sie unbegründet sind; andere Bedenken sind aber legitim und gerechtfertigt. Eher unbegründet sind all die Sorgen über kurzfristige ökonomische Effekte, etwa wegen verstärkter Arbeitsmarktkonkurrenz durch Zuwanderung oder die Kosten für deren Sozialhilfebezug.

          Einwanderer nehmen den Deutschen keine Arbeitsplätze weg

          Es gibt ziemlich solide Belege über die Effekte von Einwanderung auf den Arbeitsmarkt. Die Auswirkungen sind trotz hoher Zuwanderungszahlen eher vernachlässigbar: Ein Jahrzehnt schneller Einwanderung hat die Lohnniveaus in einigen Ländern weitgehend unverändert gelassen und sie in anderen Ländern sogar leicht um ein halbes Prozent angehoben (siehe F. Docquier, C. Özden und G. Peri: „The labor market impact of immigration and emigration in OECD countries“, Economic Journal, 2014).

          Dieser Befund ist nach zwei Seiten hin relevant: Die Behauptung, dass Einwanderer die Jobs wegnehmen und die Löhne stark drücken, ist falsch. Aber ebenso falsch sind die gegenteiligen Behauptungen von Wirtschaftsverbänden und die oft wiederholte Erzählung der Pro-Migrations-Lobby, dass die Einwanderung den Wohlstand stark fördere.

          Ein weiterer, gerade in Deutschland heißdiskutierter Punkt ist die Frage, ob Einwanderung notwendig sei oder helfen könne, um die wegen des demographischen Wandels - der geringen Kinderzahlen und Alterung der Gesellschaft - schrumpfende Erwerbsbevölkerung auszugleichen. Zuwanderung ist eine von mehreren Optionen dafür. Es ist vernünftig, sie gemeinsam mit den Alternativen zu betrachten. Eine Alternative ist eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen. Ob Mütter eine Arbeit aufnehmen, hängt davon ab, ob die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und die Arbeitsmarktpolitik es ihnen ermöglichen und es fördern. Dabei gibt es große Unterschiede in Europa, die unterschiedliche politische Bedingungen widerspiegeln.

          Die Erwerbsbeteiligung der Bevölkerung liegt auch an den Rentenregeln. Jedes Jahrzehnt verlängert sich die durchschnittliche Lebenserwartung der westlichen Bevölkerungen um etwa zwei Jahre. Es ergibt weder einen ökonomischen noch einen das individuelle Leben betreffenden Grund, das Rentenalter starr zu halten und die zusätzliche Lebenserwartung dem Rentnerdasein zuzuschlagen.

          Geburtenrate hängt von Umständen und Anreizen ab

          Schließlich ein paar Worte zur Geburtenrate: Die Kinderzahl ist keine unwandelbare Konsequenz angeborener Präferenzen der Erwachsenen, sondern sie hängt von den Umständen und Anreizen ab - unter anderem von der Höhe von Leistungen für Eltern mit Kindern. Die Verknüpfung zwischen diesen Leistungen und der Geburtenrate ist eine standard-ökonomische Erklärung seit Jahrzehnten, auch wenn es Skeptiker gibt, die sich weigern, das Offenkundige zur Kenntnis zu nehmen.

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