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Napster : Gnadenfrist von drei Tagen

  • Aktualisiert am

Binnen 72 Stunden muss Napster alle urheberrechtlich geschützten Titel sperren. Das entschied das Bezirksgericht in San Francisco.

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          Ein US-Gericht hat der Internet-Tauschbörse Napster drei Tage Zeit gegeben, alle urheberrechtlich geschützten Musiktitel zu sperren. Die 72-Stunden-Frist beginnt, sobald Plattenfirmen dem Unternehmen Listen mit den Stücken vorlegen, die nicht mehr frei zugänglich sein sollen, wie Bezirksrichterin Marilyn Hall Patel mitteilte.

          Bei dem Richterspruch handelte es sich um eine abgewandelte Version einer einstweiligen Verfügung vom vergangenen Juli, die wegen zu allgemeiner Formulierung vom Berufungsgericht beanstandet worden war. Die bei Napster eingestiegene Bertelsmann eCommerce Group (BeCG) in Hamburg betonte, die Entscheidung ändere aus Sicht des Unternehmens nichts an der bisherigen Lage.

          Über die Website von Napster können Musikstücke mit einer speziellen Software im Internet aufgespürt und gratis heruntergeladen werden. Künstler und Plattenlabels sehen dadurch ihre Rechte verletzt. Der deutsche Bertelsmann-Konzern plant, Napster im Sommer in ein kostenpflichtiges Angebot umzubauen. Bertelsmann werde auch weiter „alle Schritte unterstützen, die zur Einführung dieses neuen Geschäftsmodells führen“, sagte ein BeCG-Sprecher in Hamburg. Andere Musikkonzerne wie Sony verweigern bisher die Zusammenarbeit.

          Der Verband der US-Schallplattenindustrie (RIAA) begrüßte die Entscheidung. „Wir sind dankbar, dass das Bezirksgericht so schnell gehandelt hat“, sagte die RIAA-Vorsitzende Hilary Rosen.
          Napster hatte Ende vergangener Woche angekündigt, mit Hilfe einer eigens entwickelten Filtersoftware rund eine Million Musiktitel sperren zu lassen. Das Unternehmen will damit eine drohende Schließung abwenden. Bis Montag war ein Großteil der urheberrechtlich geschützten Stücke allerdings noch frei verfügbar.

          Die Bundesrichterin in San Francisco trug Napster auf, binnen fünf Tagen im Detail zu erklären, was die Tauschbörse tun will, um Verstöße gegen das Urheberrecht zu unterbinden.

          Andere Musiktauschbörsen im Internet verzeichneten unterdessen einen deutlichen Anstieg der Zugriffe. Diese Entwicklung stelle die Musikindustrie vor neue Probleme, erklärten Branchenkenner. Man habe Napster nun vielleicht in die Knie gezwungen, aber stehe nun vor einer Reihe neuer Dienste, die viel schwieriger zu belangen seien, sagte Aram Sinnreich von Jupiter Research.



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