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Napster : Das letzte Gericht

  • Aktualisiert am

Napster-Gründer Shawn Fanning: Das Ende einer Saga? Bild: dpa

Napster steht vor dem Ende. Die große Frage ist, wie die Nutzer weltweit auf zahlungspflichtige Musikbörsen reagieren.

          Hunderttausende Napster- Fans haben vor einem möglicherweise entscheidenden Gerichtstermin mit E-Mails und Blumensträußen ihre Unterstützung für die Musiktauschbörse bekundet. Am Freitag ist eine Anhörung vor der US-Bezirksrichterin Marilyn Hall Patel geplant, bei der sie über die Umsetzung einer einstweiligen Verfügung gegen Napster entscheiden soll.

          Ordnet sie mit sofortiger Wirkung an, dass Napster seine Benutzer am Tausch urheberrechtlich geschützter Lieder hindern muss, wäre dies faktisch das Ende des Dienstes. Napster-Chef Hank Barry sagte, er habe nicht mehr das Gefühl, dass es eine gute Grundlage für eine außergerichtliche Einigung mit der US-Musikindustrie gebe.

          60 Millionen Nutzer weltweit

          Über die Website http://www.napster.com können Internet- Benutzer Musikdateien austauschen. Die Site hat etwa 60 Millionen Nutzer; einer Studie von MMXI Europe zufolge nutzt jeder zehnte deutsche und etwa jeder fünfte spanische Internet- Benutzer den Dienst. Fünf große Musikfirmen hatten Napster im Dezember 1999 wegen Urheberrechtsverletzungen verklagt. Am 12. Februar entschied ein Berufungsgericht, dass Napster tatsächlich für diese Verletzungen haftbar gemacht werden könne und verwies eine entsprechende einstweilige Verfügung zurück an Patel. Napster hat erklärt, es sei möglicherweise überhaupt nicht in der Lage, die illegalen Dateien von den legalen zu trennen.

          Musikfirmen lehnten Angebot von Napster ab

          Die Musikfirmen lehnten vergangene Woche ein Angebot Napsters ab, mit einer Zahlung von einer Milliarde Dollar (etwa 2,1 Milliarden Mark) an Lizenz-Gebühren die Schließung zu verhindern. „Die Musikindustrie mag die Art, wie es (das Verfahren) ausgeht ist und sieht keinen Grund, noch mit uns zu sprechen", sagte Barry. Die Verfügung sieht unter anderem vor, dass die Plattenfirmen Napster eine Liste der urheberrechtlich geschützten Lieder übergeben. Die Präsidentin der Amerikanischen Musikfirmen-Vereinigung (RIAA) Hilary Rosen, sagte, sie würden der Richterin sagten, dass sie zur Befolgung jeder ihrer Anordnungen bereit sei. „Wir können es schnell machen oder stufenweise, was immer sie für angebracht hält", sagte Rosen.

          „Napster-Schließung der Gau der Musikindustrie“

          Napster hatte Mitte Februar zusammen mit der Bertelsmann- Tochter Digital World Services (DWS) angekündigt, mit einer neuen Technologie zukünftig die Nutzung von übertragenen Dateien kontrollieren zu können. Bertelsmann will Napster als strategischen Partner in ein kostenpflichtiges Angebot umwandeln, an dem sich neben der Bertelsmann Music Group (BMG) auch andere Musikfirmen beteiligen könnten. Die anderen großen Konzerne haben das Angebot jedoch abgelehnt. BMG war an der ursprünglichen Klage gegen Napster beteiligt, hatte jedoch später die Allianz mit der Tauschbörse geschlossen.

          Unklar blieb, wie die Nutzer auf ein kostenpflichtiges Angebot reagieren würden. Inzwischen haben sich im Internet zahlreiche Alternativen wie das Tauschprogramm Gnutella entwickelt, die im Gegensatz zu Napster keine zentrale Anlaufstelle benötigen. Sie gelten daher bereits vom Prinzip her als wesentlich schwerer zu kontrollieren. Der Bertelsmann- Sprecher Andreas Schmidt sagte am Donnerstagabend im ARD- Nachtmagazin, die Schließung von Napster wäre „der GAU“ für die Musikindustrie. „Und zwar deswegen, weil dann in der Tat Millionen von Nutzern, die auf der Suche nach legaler Musik sind, sich der anderen Piratendienste bemächtigen würden.“



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