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Ein Krisenmanager ist er nie gewesen. Und als solcher hat er sich bis heute nicht bewährt. Für Thomas Middelhoff, den Aufsichtsratsvorsitzende von Karstadt-Quelle, scheint die Lage beim schlingernden Kaufhaus-Konzern außer Kontrolle zu geraten.

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          Ein Krisenmanager ist er nie gewesen. Und als solcher hat er sich bis heute nicht bewährt. Für Thomas Middelhoff, den Aufsichtsratsvorsitzende von Karstadt-Quelle, scheint die Lage beim schlingernden Kaufhaus-Konzern außer Kontrolle zu geraten. Statt die Sanierung zu überwachen, hat er für ein Führungsvakuum gesorgt. Daß er offenkundig das Vertrauen in die Fähigkeiten seines Vorstandsvorsitzenden Christoph Achenbach verloren hat, ist ihm nicht vorzuwerfen, daß er aber nicht rechtzeitig für einen Ersatz gesorgt hat, schon. Übergangslösungen mitten in einer existenzbedrohenden Krise sind schwer zu vermitteln.

          Middelhoff wußte, worauf er sich einließ, als ihn Madeleine Schickedanz in großer Sorge um ihr Investment im Juni vorigen Jahres mit dem Aufsichtsratsvorsitz bei Karstadt-Quelle betraut hatte. Middelhoff fand ein Unternehmen vor, das in einem Überlebenskampf steckte und dafür zu viele offene Flanken bot: Den Warenhäusern fehlte das Einkaufserlebnis, der Versandhandel mit seinen kiloschweren Quelle-Katalogen wirkte wie aus einer anderen Zeit, die Tourismusbeteiligung Thomas Cook steckte mitten in der Sanierung.

          Middelhoff, der einstige Bertelsmann-Chef, stellte sich der Aufgabe. Es reizte ihn, zwei Jahre nach seinem spektakulären Abschied beim Gütersloher Medienriesen wieder an der Spitze eines großen deutschen Konzerns zu stehen. Böse Zungen behaupten sogar, es habe ihm enorm geschmeichelt, daß Madeleine Schickedanz ihn und nicht Quelle-Aufsichtsrat und Bertelsmann-Chef Gunter Thielen zum Mann ihres Vertrauens auserkoren hatte. Mit Thielen, seinem Nachfolger bei Bertelsmann, verbindet ihn eine gegenseitige Antipathie.

          In seinem Hauptberuf als Partner der internationalen Private-Equity-Gesellschaft Investcorp in London arbeitet er im Stillen. Die Karstadt-Krise aber rückte den früheren Star der New Economy vom ersten Tag an wieder ins Rampenlicht. Privat bevorzugt der Vater von fünf Kindern die Abgeschiedenheit. Er wohnt nach wie vor in Bielefeld, besitzt dort ein ländliches Anwesen in direkter Nachbarschaft zur Familie Oetker. Den Familienurlaub verbringt er gern in seinem Haus in Süd-Frankreich.

          Wer ihn in den Tagen nach seiner Ernennung erlebt hat, sah einen gut aufgelegten Middelhoff. Da plauderte der Manager, der einen Großteil seiner Zeit in London verbringt, über die florierenden Geschäfte in der Oxford Street, schwärmte von den Harrod`s-Läden, die genau abgestimmt seien auf Kundenwünsche, oder schilderte, wie etwa die Luxuskette Saks 5th Avenue, an der Investcorp beteiligt ist, eine ähnliche Krise wie die von Karstadt-Quelle in den Griff bekommen hat und heute wieder stattliche Renditen abwirft. Middelhoff scherzte gar, daß er als Privatmann mit einer Geldanlage in ostdeutsche Supermärkte ordentlich daneben gelegen habe.

          Nie hat er vorgegeben ein Einzelhandelsexperte zu sein. Middelhoff bezeichnet sich als "Sparringspartner" für den Vorstand. Aber er hat sich stark eingemischt, hat vor allem ein ungeheures Tempo vorgelegt, zu schnell offenbar für einen wie Achenbach. Unter einem so aktiven Aufsichtsratsvorsitzenden wie dem erst 51 Jahre alten Middelhoff dürfte es für viele Manager schwer sein. HENNING PEITSMEIER

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