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Nahrungsmittelkrise : G-8-Staaten planen Getreidenothilfe

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Kostbare Ernte: Eine sudanesische Bäuerin in West-Darfur reinigt ausgedroschene Sorgum-Hirse Bild: dpa

Wegen der hohen Lebensmittelpreise wollen die G-8-Staaten einen Getreidevorrat nach dem Vorbild der strategischen Ölreserven anlegen. Bundeskanzlerin Merkel warnte, dass die Nahrungsmittelkrise „Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen“ könne.

          Die G-8-Staaten wollen angesichts dramatisch steigender Preise für Nahrungsmittel eine Getreide-Notreserve für arme Staaten aufbauen. Das berichtete die japanische Tageszeitung „Asahi Shimbun“ vor Beginn des G8-Gipfels am Montag in Toyako im Norden Japans. Demnach planen die sieben führenden Industrienationen und Russland, im Bedarfsfall Getreide in die Märkte zu bringen, um die Preise zu stabilisieren.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht in der Nahrungsmittelkrise in vielen Ländern eine Bedrohung der Sicherheit. Sie könnten Verteilungskonflikte provozieren, sagte sie. Die Bundesregierung hatte in diesem Sinne an die Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Kanadas, Japans, Russlands, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens geschrieben. Bei Hungerrevolten insbesondere in mehreren afrikanischen Ländern waren in den vergangenen Monaten Hunderte Menschen ums Leben gekommen.

          Merkel für verstärkte Gentechniknutzung

          Die Bundeskanzlerin sprach sich gegenüber der Nachrichtenagentur AP für eine verstärkte landwirtschaftliche Nutzung der Gentechnik in Entwicklungsländern aus. „Es wird angesichts der jährlich um 80 Millionen Menschen zunehmenden Weltbevölkerung in vielen Ländern akzeptiert, dass zur Lösung der Ernährungsprobleme auch gentechnisch veränderte Saatgüter oder Lebensmittel ihren Platz haben können“, sagte sie. Als Beispiel nannte die Bundeskanzlerin Sorten, die mit sehr wenig Wasser auskommen. Frau Merkel reist an diesem Sonntag nach Hokkaido. In ihrer wöchentlichen Videobotschaft kündigte die Bundeskanzlerin an: „Wir werden darüber beraten, wie die Industrieländer den afrikanischen Ländern bei der Stärkung ihrer eigenen bäuerlichen Landwirtschaft helfen können.“

          Angela Merkel warnt vor einem internationalen Sicherheitsproblem durch die Nahrungsmittelkrise

          Man werde auch darüber sprechen, welche Standards beim Anbau von Biokraftstoffen gebraucht würden, damit dort keine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion entstehen könne. Im „Tagesspiegel am Sonntag“ kündigte Frau Merkel ein umfassendes Maßnahmenpaket zur globalen Ernährungssicherung an, das auf dem G-8-Gipfel verabschiedet werden solle. Es sehe „eine kurzfristige Linderung der akuten Ernährungslage, aber auch eine langfristige Strategie zur Steigerung der weltweiten landwirtschaftlichen Produktion“ vor.

          20 Milliarden Dollar benötigt

          Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zitierte aus einem sechsseitigen Schreiben, das die Bundeskanzlerin an die G-8-Staatschefs verschickt habe: Eine anhaltende Nahrungsmittelkrise könnte „die Demokratisierung gefährden, Staaten destabilisieren und sich zu internationalen Sicherheitsproblemen auswachsen“. In dem Papier hat die Kanzlerin demnach angekündigt, dass Deutschland in diesem Jahr 750 Millionen Dollar für die Lebensmittelversorgung in armen Ländern bereitstellen werde. Insgesamt benötigten die 30 ärmsten Länder Welt 20 Milliarden Dollar für Nahrungsmittelimporte. Weltbank-Präsident Robert Zoellick, der auch in Toyako erwartet wird, hatte die G-8-Staaten vor dem Gipfeltreffen um zehn Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) gebeten, um die ärgste Not zu lindern.

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