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Drei-Länder-Pakt : Ist das noch ein „Freihandelspakt“?

Mexikanischer Angestellter in Tacambora, der Avocados sortiert. Bild: Reuters

Ein Pakt auf 1812 Seiten: Das Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko unterminiert den Wettbewerbsvorteil des südlichen Handelspartners. Ein Kommentar.

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          Nachdem sich die Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko auf eine Neuauflage des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens unter anderem Namen verständigt haben, darf man an eine Grundsatzfrage erinnern: Wieso braucht Freihandel ein Abkommen? Ein Blick in derartige Verträge zeigt, dass die niedergelegten Regeln wirtschaftliche Aktivitäten nicht selten limitieren, statt sie zu beflügeln.

          Das aktuelle Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko zwingt den südlichen Handelspartner, die Löhne in seinen Autofabriken zu erhöhen. Die Vereinigten Staaten und Kanada unterminieren damit einen Wettbewerbsvorteil des Konkurrenten. Das nennt man gemeinhin Protektionismus, nicht Freihandel. Meist zahlt die Kundschaft für solche Absprachen. Das gilt auch für die Klausel, die den Patentschutz für amerikanische Medikamente verlängert und so den Markt für günstige Nachahmerprodukte austrocknet.

          Das Drei-Länder-Abkommen hat 1812 Seiten. Neben detaillierten Zoll-Listen enthält es Hunderte Seiten „Herkunftsländer-Regeln“. Sie verhindern, dass nordamerikanische Produkte zu viele Vorleistungen aus anderen Ländern enthalten. Ist das noch ein „Freihandelspakt“?

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

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