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Arbeitet bereits an einem Plan B: Mexikos Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo. Bild: Reuters

Streit um Freihandelsabkommen : Dunkle Wolken über den Nafta-Verhandlungen

Seit Freitag läuft die zweite Verhandlungsrunde des nordamerikanischen Freihandelsabkommens. Warum Donald Trump droht, Mexiko warnt und Kanada schweigt.

          Am Freitag hat die zweite Verhandlungsrunde über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta in Washington begonnen. Die Gespräche sind belastet durch wiederholte Stellungnahmen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Drohungen der mexikanischen Regierung. Trump hatte jüngst in Twitter-Mitteilungen, in Reden und auf einer Pressekonferenz wiederholt, dass er den Pakt für einen der schlechtesten halte, den die Vereinigten Staaten je abgeschlossen hätten. Er sei schrecklich.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der Präsident drohte, die Vereinigten Staaten würden die Verhandlungen abbrechen, sollten sie nicht zu einer deutlichen Veränderung des Vertragswerks führen. Dann würde Amerika Nafta beenden. Das unter dem republikanischen Präsidenten George Bush senior ausgehandelte Freihandelsabkommen regelt den Warenverkehr zwischen den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko.

          Die mexikanische Regierung zeigt ebenfalls keine Kompromissbereitschaft: In dem Land stehen am 1. Juli 2018 Präsidentschaftswahlen an. Der Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador positioniert sich erfolgreich als Trump-Kritiker und Bewahrer der mexikanische Souveränität. Im Moment sehen die Meinungsforscher Obrador vorne. Er kündigte in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ an, im Falle seines Wahlsieges jedes Abkommen sofort zu beenden, das Mexiko schade. Mexikos amtierender Präsident Enrique Peña Nieto tritt nicht noch einmal an und ist ohnehin zutiefst unbeliebt, unter anderem, weil ihm Schwäche in der Auseinandersetzung mit Trump vorgeworfen wird.

          Die mexikanische Regierung warnte die Vereinigten Staaten, Nafta auszusetzen. Dann wären die Verhandlungen beendet. Zugleich kündigte der Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo an, Mexiko arbeite an einem Plan B ohne Nafta. Das Land sucht unter anderem Kontakt zu Getreideproduzenten in Brasilien und Australien. Mexiko ist bisher einer der wichtigsten Importeure von Sojabohnen und Mais aus den Vereinigten Staaten. Es gibt in Mexiko auch Überlegungen, eine Freihandelszone nur mit Kanada vorzubereiten.

          Wegen der Abhängigkeit der amerikanischen Landwirte von Exporten nach Mexiko hatte sich Trump vom Landwirtschaftsminister Sonny Perdue überhaupt bewegen lassen, über Nafta neu zu verhandeln, statt den Vertrag einfach aufzukündigen, berichten Insider. Auch die Gespräche mit Kanada verlaufen aus amerikanischer Sicht nicht gut. Kanada zeige sich als äußerst schwieriger Verhandlungspartner, sagte Trump.

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