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Nachlass von Johanna Quandt : Die stille Erbschaft

  • -Aktualisiert am

Eine Familie: Johanna Quandt (Mitte) mit ihren Kindern Stefan Quandt (links) und Susanne Klatten (rechts) Bild: AP

Johanna Quandt hatte vorgesorgt. Ihre BMW-Aktien sind schon vor Jahren auf die Kinder übergegangen. Es war eine der größten Schenkungen, die es in Deutschland jemals gegeben hat.

          Nach dem Tod von Johanna Quandt stellt sich die Frage, wie das große Vermögen der BMW-Erbin auf die Kinder Susanne Klatten und Stefan Quandt übertragen wird. Das Spannende ist: Die Familie Quandt hat die Antwort darauf schon gegeben. Denn Johanna Quandt hat ihre BMW-Aktien zum größten Teil vor vielen Jahren an ihre Kinder weitergereicht. Es war eine der größten Schenkungen, die es in Deutschland jemals gegeben hat. Dabei handelt es sich um ein Aktienpaket, das im Frühjahr 2015 einen Wert von 11,5 Milliarden Euro hatte. Das hat der Journalist Rüdiger Jungbluth für sein Buch „Die Quandts. Deutschlands erfolgreichste Unternehmerfamilie“ recherchiert, das im September erscheinen wird und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in Auszügen vorliegt.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Wie Jungbluth schreibt, stand im Zentrum dieser Vermögensverschiebung ein unbekanntes Unternehmen: die Johanna Quandt GmbH & Co. KG für Automobilwerte. Das ist eine Kommanditgesellschaft, in die Johanna Quandt 1998 ihre BMW-Aktien eingebracht hatte. Seither lag dort ein Paket von 16,4 Prozent der stimmberechtigten Aktien des Automobilherstellers. Daneben hatte die Witwe noch ein Aktienpaket in direktem persönlichem Besitz, das ihr 0,4 Prozent der Stimmrechte bei BMW gibt.

          Irgendwann im Laufe des Jahres 2011 wanderte das Unternehmen, das den Namen der Mutter trägt und in der ihre BMW-Beteiligung steckte, zu den beiden Kindern hinüber. Die Kommanditanteile wurden zu gleichen Teilen an die Gesellschaften der beiden Kinder übertragen: 49,5 Prozent der KG-Anteile gingen in das Anlagevermögen der Susanne Klatten Beteiligungs GmbH über. Weitere 49,5 der Anteile an der Johanna Quandt GmbH & Co. KG für Automobilwerte übernahm Stefan Quandts Beteiligungsgesellschaft, die Aqton SE.

          Aktien an Nachkommen verschenkt

          Jungbluth stellt auch die Frage, ob BMW und Johanna Quandt damit nicht gegen die Meldepflichten des Gesetzes über den Wertpapierhandel verstoßen haben. Die Antwort ist nein, denn im Fall von Johanna Quandt ist es so, dass sie zwar ihre Aktien größtenteils an ihre Nachkommen verschenkt hat, die Stimmrechte aus diesen Anteilen aber behalten hat, was durch die juristische Konstruktion der Johanna Quandt GmbH & Co. KG für Automobilwerte und ihres Komplementärs, der Johanna Quandt GmbH, möglich wurde. Als deren Geschäftsführerin amtierte bis zuletzt Johanna Quandt persönlich. Und damit verfügte sie noch über die Stimmrechte aus jenen Aktien, die schon seit Jahren im Besitz ihrer beiden Kinder sind.

          So ist es der Familie gelungen, steuerliche Vorteile noch zu Lebzeiten Johanna Quandts zu nutzen und die Übertragung des Vermögens unbemerkt über die Bühne zu bringen. Für den Fiskus sind Erbschaften und Schenkungen das Gleiche, es gelten dieselben Steuersätze, Freibeträge und Verschonungsregeln. „Der Vermögensübertrag war gut geplant. Er fand in mehreren Teilschenkungen über einen längeren Zeitraum bis zum Jahr 2008 statt und war schenkungsteuerlich günstig. Das hat mit Aktienkursen und Bewertungen zu tun. Wir sahen: Wir können das jetzt stemmen. Innerhalb von zwei, drei Jahren ist das verkraftet“, wird Stefan Quandt in Jungbluths Buch zitiert. Wie viel Steuern die Familie bezahlt hat, mag Quandt nicht offenlegen: Die Familie habe von den steuerlichen Privilegien für Betriebsvermögen profitiert, aber sie habe auch in einem nennenswerten Umfang Schenkungsteuer gezahlt. Es gibt wohl Hinweise darauf, dass der effektive Steuersatz bei den Schenkungen Johanna Quandts bei 18 Prozent gelegen haben könnte.

          Mehrere Portionen wegen der Schenkungssteuer

          Die Familie Quandt habe nicht verheimlichen wollen, dass die BMW-Aktien von der Mutter auf die Tochter und den Sohn übertragen worden seien, sagte Stefan Quandt: „Alle Informationen sind öffentlich zugänglich.“ Aber direkt informiert wurde von den Übertragungen noch nicht einmal BMW. So oder so: „Das Thema der Vererbung von der dritten auf die vierte Generation ist durch“, sagt Quandt. „Daraus wird es für das Unternehmen sicher keine Verwerfungen geben.“ Warum sich die Quandts zu einer Übertragung zu Lebzeiten Johanna Quandts entschlossen, liegt auf der Hand. Auf diese Weise konnten sie die BMW-Beteiligung in mehreren Portionen übertragen, wodurch es der Familie leichter fiel, die anfallende Schenkungsteuer zu tragen. Die Höhe der Steuerbeträge wurde außerdem entscheidend von den jeweiligen Börsenwerten beeinflusst. Die erste Schenkung erfolgte 2003 zu Kursen von 36 Euro.

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