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Vor Börsengang : Das große Rätsel hinter Saudi Aramco

Blick auf eine Saudi Aramco-Anlage Bild: Reuters

Die Nachfrage nach Öl ist weiterhin hoch. Die spannende Frage lautet allerdings: Wie lange noch? Das scheint auch die potentiellen Saudi-Aramco-Investoren zu beschäftigen.

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          Der größte Börsengang der Welt steht bevor – und nein, er hat nichts mit Künstlicher Intelligenz, virtueller Realität, Nanotechnologie, mobilen Hochgeschwindigkeits-Internetverbindungen oder lebensverlängernder Gentechnik zu tun, sondern mit Öl.

          Das ist noch nicht alles. In einer Zeit, in der sich nicht nur Deutschlands Grüne für einen „Green New Deal“ erwärmen, um die Erwärmung der Erde einzudämmen, wirbt ein Ölkonzern um Investoren, den sich einst eine Monarchie aneignete, die von im Westen vorherrschenden demokratischen, rechtsstaatlichen und marktwirtschaftlichen Grundsätzen weiter entfernt ist als Riad von Washington. Fest steht jedenfalls: Wenn Saudi Aramco den kleinen zum Verkauf stehenden Anteil ungefähr zu dem Aktienkurs loswird, der nun im Raum steht, wird der Konzern von den Anlegern an der Börse für teurer gehalten werden als die derzeit wertvollsten börsennotierten Unternehmen Microsoft und Apple. Verkehrte Welt?

          Öl-Nachfrage ist noch hoch

          Ein Grund ist die Größe. Saudi Aramco verfügt über gewaltige Ölvorkommen, nach denen der Konzern auch nicht tief im Meer oder in unerschlossener Eiseskälte bohren muss. Zudem ist allen Klimarettungs-Bestrebungen zum Trotz das Öl immer noch die wichtigste fossile Ressource der Menschen, ohne die moderne industrielle Produktion und Massenmobilität – Stand jetzt – schlicht nicht funktionierten.

          Die Nachfrage wird hoch bleiben, selbst wenn Europäer und Amerikaner mittelfristig deutlich weniger Autos mit Verbrennungsmotoren kaufen sollten oder ihre Ölheizungen durch andere Wärmespender ersetzen. Die Weltbevölkerung wächst weiter, und große Teile des Planeten entwickeln sich wirtschaftlich erst noch, in Afrika wie in Asien.

          Die spannende und offene Frage lautet allerdings: Wie lange noch? Zumindest deutet das Verhalten der Investoren im Vorfeld des Börsengangs darauf hin, dass sie wohl unsicher sind. Sonst wäre gerade das internationale Interesse an den Saudi-Aramco-Aktien mutmaßlich viel größer, hatten die Konzernchefs doch die wichtigsten Banken der Wall Street dafür engagiert. Und noch etwas muss jeder potentielle Investor abwägen: Schlussendlich bietet der saudische Staat Anteile eines Konzerns, von dessen Erfolg er künftig deutlich unabhängiger sein möchte.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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